Bonn

Eine Gruppe katholischer Verleger, die der CDU/CSU nahesteht, will 1970 ein Magazin herausgeben. Initiator des Unternehmens und „Sprecher der Verleger-Gruppe“ ist der frühere Chefredakteur des im Boulevardstil für die Union und die konservative Kirche gleichermaßen werbenden Massenblattes „neue bildpost“, Claus Peter Clausen. Vom sauerländischen Lippstadt aus versorgt Clausen derzeit hauptsächlich den Klerus wöchentlich mit „vertraulichen Informationen aus Kirche und Politik“. Titel seines Rundbriefes: „Der schwarze Brief.“ Tenor seiner Politik: „In vier Jahren ist der Weg frei für Franz Josef Strauß“ (Ausgabe vom 10., Oktober 1969).

Clausen schwebt ein „Oppositionsmagazin“ im „Spiegel“-Format vor. Er will, wie er im „schwarzen Brief“ mitteilt, „ein Teil des Rückschlages wettmachen, den die CDU auf dem Pressesektor durch Vernachlässigung der ihr nahestehenden Presse erlitten hat“ und „da neue Wege gehen, wo allzu deutlich ein linkes Übergewicht entstanden ist“. Von Bonn aus will er mit monatlich 50 000 Exemplaren starten. Mit Hilfe der „bildpost“-Herausgeber Wilhelm Adelmann und Gerhard Gierse.

Im letzten April erst scheiterte Clausens katholisches Monatsmagazin „2000“, das neun Monate von sechstausend Abonnenten lebte und mit Hilfe seines Bonner Korrespondenten, der in gleicher Funktion für den CSU-offiziellen „Bayern-Kurier“ tätig war, von sich reden machte. So funktionierte mit Straußens „Bayern-Kurier“ in München, der bis in die Kirchen hineinreichenden „neuen bildpost“ und dem Clausen-Magazin damals ein CSU-katholisches Dreigestirn, das vom „schwarzen Brief“ mit gezielten „Hintergrund“-Nachrichten ergänzt wurde. Zuletzt wurden dort die SED-Kontakte von Willy Brandts Berater Egon Bahr zu einer Art Vaterlandsverrat aufgebauscht („Die Hintergründe des Falles Bahr“). Dem katholischen Klerus wurde „vertraulich“ gemeldet: „Aus der Umgebung Nixons verlautet, daß er in Strauß den künftigen Kanzler der Bundesrepublik sieht.“

Magazin-Verleger Adelmann, der mit 250 000 Mark eingestiegen war, gab schließlich „aus finanziellen Gründen“ auf. Clausen seinerseits wollte das Magazin von Axel Cäsar Springer retten lassen. Im Juni dieses Jahres verschickte er hektographierte Briefe an die ehemaligen Bezieher und erbat Hilfe für seinen Plan. Er berief sich auf ein Zitat Springers, in dem von dessen „Zeitungshaus“ die Rede war, „das sich christlichen Werten verpflichtet fühlt“, und schrieb an die Ex-Leser seines Magazins: „Zu einem Verleger, der sich in dieser Weise öffentlich bekennt, sollte man Vertrauen haben. Wenn Sie der gleichen Meinung sind, erbitten wir Ihre Mithilfe für unseren Rettungsversuch. Schicken Sie bitte beigefügten Stimmzettel mit Ihrer Unterschrift an Herrn Axel Springer nach Berlin 61, Kochstraße 50. Wenn alle Leser diese Aktion mitmachen, könnten wir uns vorstellen, daß Herr Springer darüber nachdenken wird.“ Ko