Von Wolf Donner

Er malt, singt, schreibt und filmt, hat sechs Kinder von vier Frauen, ist Besitzer einer Ranch und Präsident einer „Jan Cremer Incorporation“, die Hefte, Bücher, Platten, Knöpfe, Poster und ein Boulevardblatt vertreibt: einer, der sich zu verkaufen versteht, der ständig posiert und trommelt bei Fernsehen, Presse und Verlagen, der eine fast schon monomanische Hochstapelei zum Prinzip seiner permanenten Eigenpropaganda gemacht hat, der jene marktgerechte amerikanische Mischung von Unbekümmertheit und Cleverneß zu nutzen weiß.

Das zweifelhafte Vergnügen an seinem dritten Buch

Jan Cremer: „Made in USA“, aus dem Niederländischen von Johannes Piron; März Verlag, Darmstadt; 240 S., 20,– DM

beginnt mit einem fünffachen Umschlag: Jan Cremer in Variationen als Kraft- und Sexprotz. Du lieber Himmel, denkt man, noch immer strapaziert dieser Fant seine literarische Lieblingspose, noch immer will er uns einreden, er sei der größte, genialste und vor allem der potenteste. Denn das war im wesentlichen der Inhalt seiner zwei ersten Bücher „Ich, Jan Cremer“ und „Ich, Jan Cremer II“.

Aber dann scheint es zunächst, er habe doch einmal das Thema gewechselt: Der Untertitel verspricht „eine knallharte amerikanische Dokumentation“. Fünf Jahre lang hat Cremer Material zusammengetragen, das er nun im „Mondo-Cane“-Stil seines Vorbildes Jacopetti präsentiert.

Mangelnden Fleiß wird man ihm nicht vorwerfen können: Hotel-, Straßen- und Verkehrswesen, Taxi, Fernsehen, Kaugummi, die Frauen, die Psychiaterpest, Mord, Totenkult und das Klima ständiger Gewalttätigkeit, Automaten, Prozeßwut, Plastikwaren und, natürlich, der Sex – eine Anthologie des American way of life ist das geworden, in manchen Teilen nichts als ein Katalog mit unendlich vielen Daten, Zahlen, Fakten und Namen.