DIE ZEIT

Grasheys Abgang

Auch die Bundeswehrführung bleibt nun nicht völlig verschont vom Regierungswechsel: Der stellvertretende Heeres-Inspekteur, Generalmajor Hellmut Grashey, geht am Jahresende vorzeitig in Pension.

Umwölkter Gipfel

Die staatsmännische Kunst der sechs westeuropäischen Regierungschefs wird Anfang nächster Woche auf der EWG-Gipfelkonferenz in Den Haag gleich auf dreifache Weise herausgefordert werden.

Straußens Apartheid

Aufs neue beunruhigt Franz Josef Strauß die CDU. Wie schon bei wichtigen Entscheidungen der verflossenen Großen Koalition glänzt er in Bonn durch Abwesenheit.

Dialog mit Polen

Vor zwei Wochen wurde in Moskau die Note überreicht, mit der die neue Bonner Regierung ihre Bereitschaft erklärt, Verhandlungen mit der Sowjetunion aufzunehmen.

ZEITSPIEGEL

"Wenn die CSU sich als konservative Partei versteht und wir uns als eine Partei der integrierenden Mitte, dann ist das ein Anlaß für uns, einmal zu vergleichen, was die beiden Etikette nun wirklich zu bedeuten haben.

Sechsspännig ins Schloß

Für den Bürgerpräsidenten schien kein Bedarf. Vom ersten Augenblick an, als Gustav Heinemann mit Cut und Zylinder dem Sonderzug in Amsterdam entstieg und von der Königin der Niederlande willkommen geheißen wurde, regierte das strenge Protokoll des Staatsbesuchs.

Der Patriarch von Südtirol

Die Augen der Nachfahren Andreas Hofers werden leuchtend und feucht. Der Redner auf der mit rotweißem Fahnentuch und einem überdimensionalen Tiroler Adler geschmückten Bühne nimmt zu einem Vorwurf Stellung, der kurz zuvor als Musterbeispiel für die Niedertracht der Italiener dargestellt worden war: Vier Südtiroler Häftlinge, in einem Sprengstoffprozeß zu hohen Kerkerstrafen verurteilt, seien absichtlich in verschiedenen Gefängnissen Mittelitaliens untergebracht, und das Ersuchen der Anwälte, sie nach Bozen umzuquartieren, sei abgelehnt worden.

Ein Kriegsverbrechen schockiert die Welt: Worum amerikanische Soldaten die Bewohner eines Dorfes niedermetzelten: Das Blutbad von Song My

Die geringste / Folge des Krieges in Vietnam / wird die Frage sein wenn man / einem Amerikaner begegnet:/War er dabei/damals vor vielen Jahren/in Saigon oder in Da Nang/wen bat er umgebracht? so schrieb schon vor Jahren der linke Dichter Erich Fried, zu einer Zeit also, da die Weltöffentlichkeit, jedenfalls außerhalb des sozialistischen und neutralen Lagers, von zweierlei Maximen noch fest überzeugt schien: davon, daß Amerika in Vietnam unser aller Freiheit verteidige, und davon, daß die amerikanischen Soldaten auf anständige und ehrenhafte Weise Krieg führten, einen edlen Krieg gegen einen ebenso grausamen wie tückischen Feind.

Verpaßte Gelegenheiten

Die Vorstellung, daß mit einem kommunistischen Polen doch nichts zu regeln sei, hat die ersten Jahre der Bundesrepublik beherrscht.

Die Macht am Rhein

Vier Tage nach dem Mainzer CDU-Bundesparteitag mit seinen Reformansätzen unterstrichen auch die Christlichen Demokraten des Rheinlandes ihren Wunsch nach Wandel.

Der Langstreckenläufer der CDU

Ein günstiges Ergebnis hatte jedermann erwartet – auch Gerhard Stoltenberg. Doch als das Stimmergebnis bekanntgegeben wurde, war die Überraschung groß, auch bei ihm.

Die Mondlandung wurde zu einem großen Erfolg: ,,Schmutz, überall Schmutz"

Hoppla, das mag ein kleiner Schritt für Neil (Armstrong) gewesen sein, aber für mich ist er groß." Mit diesen Worten betrat der redselige Kommandant des Unternehmens Apollo 12, Charles Conrad, als dritter Mensch den Mond, nur zweihundert Meter von Surveyor 3 entfernt, der Sonde, die vor zweieinhalb Jahren im Ozean der Stürme niederging und eine Zeitlang Photos zur Erde funkte.

Eine Insel kehrt zurück

Okinawa und mit ihm die ganze Kette der Rjukju-Inseln wird 1972 von den Amerikanern an Japan zurückgegeben – das hat der japanische Ministerpräsident Eisaku Sato vorige Woche mit Präsident Nixon ausgehandelt.

Lot-Landung in Wien: Wie im Kino

Die jüngste Episode in der internationalen Fortsetzungsserie "Entführung in den Wolken" war eigentlich München zugedacht. Weil aber das Benzin nicht reichte, landete die polnische Verkehrsmaschine Antonov 24 b mit den beiden Entführern Romuald Zolotucho und Wieslaw Szymankiewicz am Donnerstag voriger Woche auf dem Flughafen Wien-Schwechat.

Noblesse in Bonn

Eine Grippewelle, aber auch Sitzungen des Straßburger Europaparlaments oder Versammlungen der Internationalen Parlamentarierunion können die schmale Mehrheit der sozialliberalen Koalition dahinschwinden lassen.

Ein verschlüsselter Quiz

Mit wutschnaubendem Tremolo dröhnte es aus einem Südstaat gen Norden. Die zornbebenden Schwingungen der nicht ganz akzentfreien Stimme richteten sich gegen Kumpanei und Konzentration, gegen Monopol und Manipulation in Presse, Funk und Fernsehen.

Dokumente der ZEIT

"Es heißt (daher) in meiner Regierungserklärung vom 28. Oktober 1969, daß nach der festen Überzeugung der Bundesregierung die Politik des Gewaltverzichts eine Atmosphäre schaffen würde, die weitere Schritte möglich macht.

Präzision ohne Beispiel

Mit einer Verspätung von nur knapp einer Minute sind die drei Astronauten Conrad, Gordon und Bean von ihrer zehntägigen, über eine Strecke von 1,6 Millionen Kilometer führenden Mondreise zurückgekehrt.

Schweigen über SALT

Über den amerikanisch-sowjetischen Vorgesprächen mit dem Ziel einer beiderseitigen Begrenzung strategischer Waffen (SALT) hängt weiterhin ein Schleier des Schweigens.

Sperrvertrag: Welt "sicherer"

Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben am Wochenanfang den Vertrag über die Nichtweitergabe von Kernwaffen ratifiziert.

Vorerst keine Wahlen in Griechenland

Entgegen zahlreicher Versprechen wird das Athener Militärregime in absehbarer Zeit keine Wahlen zulassen. Dies geht aus einer Geheimerklärung hervor, die der griechische Außenminister Panayotis Pipinelis, wie erst jetzt bekannt wurde, am 26.

Nixon: Verzicht auf B- und C-Waffen

Die Vereinigten Staaten haben einen vielbeachteten Schritt auf dem Wege zur Abrüstung unternommen: Wie Präsident Nixon auf einer Pressekonferenz erklärte, wollen die USA ganz auf bakteriologische Waffen verzichten und bei etwaigen kriegerischen Auseinandersetzungen chemische Waffen nicht als erste einsetzen.

Bonn begrüßt Briten-Plan

Die Ankündigung der britischen Regierung, die Rheinarmee durch die Rückverlegung der rund 5000 Mann der 6. Brigade in die Bundesrepublik zu verstärken, ist in Bonn mit Befriedigung aufgenommen worden.

Schock über Vietnam-Morde

Die Nachrichten von dem Blutbad, das amerikanische Soldaten im März des vergangenen Jahres unter den Einwohnern mehrerer südvietnamesischer Ortschaften angerichtet haben sollen, haben in den USA große Beunruhigung und in vielen Teilen der Welt Empörung ausgelöst.

Neue Phase Bonn-Warschau

Sechs Jahre nach der Aufnahme von Wirtschaftskontakten mit Polen und der Errichtung einer Handelsmission in Warschau hat die Bundesregierung zu Beginn dieser Woche einen erneuten Anlauf genommen, um mit der polnischen Regierung ins Gespräch zu kommen.

Okinawa: Rückgabe 1972

Nach drei langen Gesprächen zwischen dem japanischen Ministerpräsidenten Eisaku Sato und Präsident Nixon haben die USA ihre Bereitschaft erklärt, Okinawa und die übrigen Riukiu-Inseln im Laufe des Jahres 1972 wieder an Japan zurückzugeben.

Ein Brief nach 30 Jahren

Nach einem Besuch im ostpreußischen Friedrichstein schrieb der Schweizer Carl J. Burckhardt, von 1937 bis zum Kriegsausbruch 1939 Hoher Kommissar in Danzig, einen Brief an Marion Dönhoff.

Ein nachdenklicher Glückwunsch

Liebe Marion Dönhoff, da sind Sie nun also sechzig. Ehren wir die Fiktion, die will, es sei ein ungewöhnlicher, ein epochaler Tag.

Aderlaß der bayrischen FDP

Nach Niedersachsen und Schleswig-Holstein haben nun auch in Bayern einige Mitglieder die FDP verlassen. Auf einer Pressekonferenz am Dienstag präsentierte Franz Josef Strauß frohlockend sieben FDP-Männer, die zur CSU übergetreten sind, unter ihnen der Münchner Stadtrat Adolf Sturm, der mit seinem Übertritt der Münchner FDP die Möglichkeit nimmt, im Stadtparlament einen Ausschuß zu besetzen, ferner der FDP-Bezirksvorsitzende Stempfl und der Kreisrat Arthur Werner.

Ein Parlament der Regierungsräte?

Die "vierte Fraktion" im Bundestag hat im neuen Parlament ihre bisherige Rekordstärke erreicht: Rund 40 Prozent der Abgeordneten sind Beamte oder Angestellte des öffentlichen Dienstes.

Nachfolger für Bürger-Prinz: Wer wird’s?

Achtundzwanzig Jahre lang hatte Professor Hans Bürger-Prinz den Hamburger Lehrstuhl für Psychiatrie und Nervenheilkunde inne und war Direktor der Psychiatrischen und Nervenklinik des Universitätskrankenhauses Eppendorf.

In Stuttgart gibt es wieder Spätzle

Seitdem es durch ganz Deutschland schlagen: "Schaffe, spare, Häusle baue", haben sich die Schwaben etwas Neues einfallen lassen: "Spare, staple, Häuser bauen und net nach de Schulde schaue.

Mehr als nur ein Stückchen Blech

Schon bei der Ankunft der Besucher hatte dem Mann im grauen Kittel ein Anflug von Resignation befallen. Nachkriegsgeneration, Wirtschaftswunderkinder, hatte er sich beim Anblick der Gäste gedacht, für die zählt doch nur viel Geld, Urlaub in Ostafrika, Beat statt Brahms, Sex statt Gott, Freizeit statt Dienst fürs Vaterland.

Lieber ein Boot als Bildung

Auf der östlichsten der ostfriesischen Inseln ist der Kurgast König. Wangerooge, "die Perle der Nordsee", wirbt als "Insel ohne Kraftfahrzeuglärm".

Der abgekanzelte Kanzler-Sohn

Kölns mächtigster Sozialdemokrat, Fraktionschef John van Nes Ziegler, stöhnte: "Das war selbst für einen alten Fuhrmann überraschend.

Bonner Akten auf dem Müll

Herbert Prochazka beschloß, seine parlamentarische Vergangenheit zu bewältigen. Und so warf er Briefe mit der Aufschrift "Streng persönlich", Akten mit dem Aufdruck "Nur für den Dienstgebrauch" und Protokolle von Ausschußsitzungen kurzerhand auf den Müll.

Fernsehen: Camilo Torres’ Mondfahrt

Zu ersehen war, an dieser Serie von dramatischen Bild-Antithesen, was für den Marxisten die Vokabel Widerspruch bedeutet: Männer mit leuchtenden Hemden, so weiß, so sauber, so gepflegt, hatten die Schläger geschultert, schritten energiegeladen und siegesgewiß über den Rasen – angenehme Golf-Lokalität: ein Flüßchen, in der Ferne die Berge –, reckten die Arme und warfen den Kopf in den Nacken: O Traumschlag, o Wunderschlag, der Ball ist im Loch, es gibt noch Mirakel auf dieser Welt.

Präsident Kreibich

Mit einem "Mönchlein, du gehst einen schweren Gang" wäre ihm wenig gedient – denn das weiß er wohl selber, der 31jährige Soziologieassistent Rolf Kreibich, der am Montag mit 61 von 114 Stimmen zum ersten Präsidenten der Freien Universität Berlin gewählt wurde.

Weiblich? Das Geheimnis der O.

Seit 1954, seit dem Erscheinen der "Geschichte der O", war die Identität ihrer unter dem Pseudonym "Pauline Réage" versteckten Verfasserin (oder ihres Verfassers?) eins der delikaten Rätsel des Pariser Literaturbetriebs.

Hausse an der Gießener Musikerbörse

Im Grunde ist dies hier eine regelrechte Messe. Messeleiter Wolf Hanke, Chef der Fernseh-Hauptabteilung Politik und Kultur des Hessischen Rundfunks, macht weder sich noch anderen etwas vor: Als er vor zwei Jahren zum erstenmal die "Gießener Musiktage für junge Solisten" ausrichtete, wollte er zunächst einmal zwei voneinander abhängige, sich gleichermaßen liebende wie hassende Gruppen zusammenführen – die angehenden, jetzt gerade noch am Ende ihrer Ausbildung stehenden Künstler, sozusagen die "Ware", und deren "Verkäufer", die professionellen Musikmanager, die Agenten, Generalmusikdirektoren und Programmredakteure.

Haschisch in der Schule

Nach einem Buch, einigen ZEIT-Artikeln und mehreren Vorträgen, wobei es immer (manchmal: unter anderem) um das Thema Haschisch ging, erreichten den Autor, Rudolf Walter Leonhardt, mehr Briefe, als ein einzelner beantworten kann.

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