DIE ZEIT

Ostberliner Poker

Eine Überraschung ist es gewiß nicht: Ostberlin benutzt die Verkehrsverhandlungen mit der Bundesrepublik dazu, um der völkerrechtlichen Anerkennung der DDR auf die Beine zu helfen.

Die Bonner Unterschrift

Als Willy Brandt den Entschluß zur Unterzeichnung des Atomsperrvertrages bekanntgab, war dies keine Stunde des Triumphs. Vermutlich weiß niemand besser als der Regierungschef, wieviel bei diesem Vertragswerk auf seine Handhabung, auf die politische Praxis ankommen wird.

Die Hand auf dem Staatssäckel

Oppositionsführer Rainer Barzel hat die Notbremse gezogen. Gesetze, die Geld kosten, so schlug er im Parlament vor – und Finanzminister Möller stimmte ihm zu –, sollen vorerst nicht verabschiedet werden.

Bombenleger

Jetzt wird’s kriminell. Die Bombenleger von Berlin, die Staatsanwälten und Richtern nach dem Leben trachten, können nicht mit Verständnis rechnen.

Schlüssel zum Frieden?

Das Gemetzel, schon vor dem Kriegsgerichtsverfahren gegen Leutnant Calley und andere Beschuldigte durch ein gutes Dutzend Interviews mit Augenzeugen und durch Photodokumente unumstößlich bewiesen, läßt bemitleidende Selbstgerechtigkeit nicht mehr zu.

ZEITSPIEGEL

Rudolf Heß, einst Hitlers Stellvertreter, verließ nach 22 Jahren Haft zum erstenmal das Spandauer Kriegsverbrechergefängnis.

Bach-Fuge in Riga

Wenn ich mich recht erinnere, ist das Fernglasverbot vor etwa einem halben Jahr in das Begrüßungs-Verschen für die Passagiere von Aeroflot aufgenommen worden.

Der Brandstifter hinter Panzerglas

Vor acht Jahren wurde in Jerusalem über einen Mann gerichtet, den man den "Tod von Auschwitz" nannte: Adolf Eichmann, SS-Obersturmführer im Reichssicherheitshauptamt, wurde des millionenfachen Mordes schuldig gesprochen und hingerichtet; seine Asche wurde über das Meer verstreut.

Im Prager Teufelskreis

Husák kann die Säuberungswelle nicht mehr bremsen – Machtkämpfe und Intrigen lähmen die Wirtschaft

Liebe Genossen! Liebe Genossinnen!

Bei der diesjährigen Pugwash-Konferenz in Sotschi (Schwarzes Meer, UdSSR) – (siehe auch "DIE ZEIT" Nr. 46 S. 7) hat ein französischer Physiker bemerkenswerte Dokumente vorgelegt.

Abrechnung mit den Rebellen

In einer Umgebung, die allmählich jede Autorität in Frage stellt, hat die Führung der Kommunistischen Partei Italiens ihren Mitgliedern ein unübersehbares Warnzeichen gesetzt: Vier prominente Genossen wurden aus der Partei ausgeschlossen.

Probe in Porto Alegre

Im Jahre 1945 legten protestantische deutsche Kirchenmänner das "Stuttgarter Schuldbekenntnis" ab, in dem sie öffentlich ihr Versagen gegenüber dem totalitären Staat und seinen Machthabern zu Protokoll gaben.

Kampfpause in Paris

In der Auseinandersetzung zwischen der französischen Regierung und ihrer gefährlichsten Opposition, den Gewerkschaften, ist eine Kampfpause eingetreten.

Der Manager des Ministers

Wenn heutzutage das Vaterland einen seiner Söhne ruft, geschieht das fernmündlich. Nachdem sich in der Bundeshauptstadt die sozialliberale Koalition zusammengefunden hatte, rief Alex Möller, designierter Finanzminister, außerdem Generaldirektor und Versicherungsmanager, den Kollegen Ernst Wolf Mommsen, Spitzenmann bei Thyssenrohr, über den in jenen Tagen ohnehin kurzgeschlossenen und heißgesprochenen Draht in Düsseldorf an: ob er nicht einmal auf einen Sprung rüberkommen wolle; Helmut: Schmidt möchte gern etwas mit ihm besprechen.

Jugend – für die Politik entdeckt

Der Run auf die Gunst der Twens und Teenager, der Kampf um das Prädikat "Jugend" freundlich" treiben erstaunliche Blüten. Nach der Regierungserklärung der SPD/FDP-Koalition, in der die Festsetzung des Wähler-Alters auf 18 Jahre und des Wählbarkeits-Alters auf 21 Jahre angekündigt wurde, brachte die CDU rasch einen Entwurf zur Änderung des Grundgesetz-Artikels 38 Absatz 2 ein, in dem es bislang heißt: Wahlberechtigt ist, wer das einundzwanzigste, wählbar, wer das fünfundzwanzigste Lebensjahr vollendet hat.

Dokumente der ZEIT

"Die europäischen Gemeinschaften sind unbestritten der Urkern, aus dem die europäische Einheit sich entwickelt und ihren Aufschwung genommen hat.

EWG-Gipfel doch ein Erfolg

Vielen pessimistischen Vorhersagen zum Trotz ist die Gipfelkonferenz der Europäischen Gemeinschaften in Den Haag doch noch zu einem beachtlichen Erfolg geworden.

Griechenland: Vor Ausschluß?

Auf der Tagung der Außenminister des Europarats am 12. und 13. Dezember in Paris wird aller Voraussicht nach der vorläufige Ausschluß Griechenlands aus dieser Organisation beschlossen werden.

Athen: Anklage: Mord

Ägyptische Kreise haben sich deutlich von dem Anschlag distanziert, den zwei jordanische Terroristen in der vergangenen Woche auf das Athener Büro der israelischen Fluggesellschaft "EL AL" verübten.

Noch weitere Greueltaten

Die Empörung und Unruhe über die Massenerschießung von Zivilisten in Song My (My Lai) haben in den letzten Tagen durch die Nachrichten über angebliche weitere Greueltaten amerikanischer Soldaten in Vietnam neue Nahrung erhalten.

Winterthur: Araber schweigen

Beim Prozeß in Winterthur (Schweiz) um den Feuerüberfall auf ein Flugzeug der israelischen Fluggesellschaft "EL AL" am 18. Februar dieses Jahres ist der israelische Geheimagent Morchedai Rachamin (unser Photo) von einigen Zeugen belastet worden.

Sütterlin: 136 Geheimnisse

Zu sieben Jahren Zuchthaus ist der 45 Jahre alte Bonner Bildjournalist Heinz Sütterlin vom 2. Strafsenat des Kölner Oberlandesgerichts verurteilt worden.

Gespräche über Nahost

Nach einer Pause von fünf Monaten haben die UN-Botschafter Großbritanniens, der Sowjetunion, der USA und Frankreichs ihre Gespräche über den Nahen Osten wieder aufgenommen.

Bonn prüft DDR-Entwurf

"Im Lichte der Regierungserklärung" will die Bundesregierung einen von der DDR-Regierung unterbreiteten Entwurf eines Staatsvertrages über die Regelung des grenzüberschreitenden Verkehrs zwischen der Bundesrepublik und der DDR prüfen.

Unversöhnlich

Für Aussöhnung treten auch die Sudetendeutschen ein, für Verständigung mit den Tschechen und Slowaken. So jedenfalls steht es in einer Entschließung, die von der Bundesversammlung der Sudetendeutschen Landsmannschaft dieser Tage einstimmig verabschiedet wurde.

Kein Platz für Folterer

Eine schwangere Frau wurde so geschlagen, daß sie ihr Kind verlor. Häftlinge wurden mit Vorliebe der "Phalanga" ausgesetzt, das heißt, man prügelte ihre Fußsohlen, um ihnen fürchterliche Schmerzen zuzufügen, ohne daß äußerliche Spuren zurückblieben.

Späte Amnestie

Die viel propagierte und viel befehdete Amnestie für Demonstrationsdelikte hat lange auf sich warten lassen. Sie wird noch weiter auf sich warten lassen.

Tod aus der Retorte

Am 13. März 1968 kamen in der Nähe des Versuchsgeländes der amerikanischen Armee für B- und C-Waffen bei Dugway im Staate Utah 6400 Schafe ums Leben, auf die versehentlich eine Wolke des von einem Flugzeug abgesprühten Nervengases VX niedergeregnet war.

Ein Volk im Schutzanzug

In derselben Woche, als Präsident Nixon für die USA auf den Ersteinsatz chemischer Waffen (C-Waffen) verzichtete, die Sowjetunion in der UN-Vollversammlung dringend Verhandlungen über eine Konvention zum Verbot von B- und C-Waffen forderte und Ungarn, Polen und die Mongolei beantragten, auch Tränengas und ähnliche Stoffe in das Verbot einzubeziehen – in einer Woche weltweiter Anstrengungen, diese unheimlichen Gefahren einzudämmen, erklärte der Präsident des Bundesamtes für zivilen Bevölkerungsschutz, Paul Wilhelm Kolb: Man müsse der Bevölkerung in der Bundesrepublik erst noch ein "Gefühl der Gefahr" vermitteln, damit sie sich endlich gegen einen möglichen Krieg mit A-, B- und C-Waffen schütze und die Arbeit der Zivilverteidiger unterstütze.

Unbändiger Tiger

Sie glaubten, Raubtiere bändigen zu müssen, wenn "psychisch auffällige" Häftlinge aus dem Lande Nordrhein-Westfalen weiland in das inzwischen abgerissene Uralt-Lazarett des Kölner Klingelpütz eingeliefert wurden.

Aus dem Sattel

Otto Eisenmann, 56 Jahre alt, nunmehr schlichtes FDP-Mitglied, kann sich jetzt wieder um seine Versicherungsagentur in Itzehoe kümmern.

Wie gescheit ist Assistent Becker?

Der Direktor des Instituts für Theoretische Physik der Universität Frankfurt, Professor Fulde, hat nichts gegen Politik. Aber für ihn scheint das mehr eine Art Feierabend-Hobby zu sein.

Der Kampf ums Comeback

Er sei für immer untragbar, sagen die Bremer Christlichen Demokraten. Er sei für immer passé, weissagen SPD-Genossen. Eine kleine Gruppe von Sozialdemokraten ist sicher: "Er ist der kommende Fraktionsvorsitzende.

Präsidenten-Hearing an der Hamburger Universität:: Die Profis liegen gut im Rennen

Das Interesse der Studenten und der Hamburger Bürger am ersten öffentlichen Hearing, das eine deutsche Universität veranstaltete, um sich einen Präsidenten zu suchen, übertraf die Erwartungen der Veranstalter bei weitem: Bis in die letzten Reihen der obersten Ränge war das Audimax gefüllt, als die 130 Mitglieder des Hamburger Universitätskonzils sich am Montag daran begaben, ihre "außerordentlich ernste Aufgabe" zu lösen.

Operette auf dem Eis:: Doppellutz vorm

Wenn man sich darüber klar ist, daß Eislaufen ein Sport ist, dann sollte man keine großen Augen machen, wenn in der schönen neuen Welt das "Rheingold" geturnt würde.

Fernsehen:: Saat der Gewalt? Saat der Gewalt!

Jetzt endlich weiß man es: So also sehen Professoren, so Studenten aus. Die einen sprechen wie Burgtheater-Akteure, mal unterkühlt, mal in Kainzscher Manier (mit großem Ausbruch und schleudernden Gesten), die anderen lassen liberale Scheiße perpetuieren, den Terror verinnerlichen und den Widerspruch gegen die manipulierte Meinung artikulieren.

Theaterkrise:: Symptom in Stuttgart

Es geht schon kräftig rund. Intendanten, Generaldirektoren, Oberspielleiter und andere Bühnenvorstandsmitglieder sind am Verhandeln: zur Spielzeit 1972 laufen bei mehr als vierzig Posteninhabern dieser wichtigen Art die Verträge aus, Veränderungen großen Ausmaßes sind bis dahin also im bundesdeutschen Theaterbetrieb zu gewärtigen.

Das Gewissen der Sowjetunion

Im zaristischen Rußland gab es, soweit ich weiß, keinen offiziellen Kaiserlichen Reichsschriftsteller-Verband von der Art des heutigen sowjetischen Schriftsteller-Verbandes.

ZEITMOSAIK

Den sich wandelnden Realitäten sich anzupassen, das ist von jeher eine besonders in östlicher Himmelsrichtung zu bemerkende Tugend.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Bartók gehörte einmal zu den Spitzenanforderungen des Musikhochschulexamens – heute spielt manch einer ihn bei der Aufnahmeprüfung.

Kunstkalender

Keine Retrospektive, nur die Bilder von 68/69 mit dazugehörigen Zeichnungen, Studien, Entwürfen in Tusche, Aquarell und Farbstiften.

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