DIE ZEIT

Bonns politische Ouvertüre

In ihrer außenpolitischen Dynamik läßt sich die Regierung Brandt-Scheel von niemandem den Rang ablaufen. Rasch, ungewöhnlich rasch stellen sich die ersten Erfolge ein.

Ausschluß für Hellas?

Jedes Mitglied des Europarates erkennt den Grundsatz der Vorherrschaft des Rechts an und (so heißt es im Artikel 3 der Statuten des Straßburger Europarates weiter) den Grundsatz, daß jeder, der seiner Hoheitsgewalt unterliegt, der Menschenrechte und Grundfreiheiten teilhaftig werden soll.

Mord an den Panthern

In Amerika naht das Ende für die "Schwarzen Panther". Diese militante Organisation junger Farbiger in den Negergettos, die ihre auf 1500 bis 5000 Mann geschätzte Mitgliedschaft militärisch ausbildet und bewaffnet und zum Haß gegen die "weißen Suprematisten" erzieht, ist seit zwei Jahren das Ziel brutaler polizeilicher Verfolgungen und Schikanen.

Schmidts Verschlußsache

Die vehementesten Verfechter eines neuen Konzepts für die Innere Führung beunruhigen weiter die Gemüter, seit in Bonn die Existenz einer Geheimstudie "zur Verbesserung der inneren Ordnung des Heeres" bekanntgeworden ist.

Conny und der Adler

Conrad. Ahlers gibt sich die Ehre... einzuladen." So steht es auf einer gedruckten Karte. Warum soll Conrad Ahlers nicht privat und auf eigene Kosten einladen? Auf der Einladungskarte aber ist über seinem Namen das Bundeswappen eingeprägt.

Geballte Faust und keine roten Fahnen

Den linken Arm emporgereckt, die eiserne Faust kämpferisch geballt – so wies Bayerns Nationalheiligtum den linken Weg auf die Münchener Theresienhöhe: Neben der Mammutmatrone Bavaria trafen sich die sozialdemokratischen Junggenossen zu ihrem Bundeskongreß.

ZEITSPIEGEL

"Die Gewerkschaften haben es schwer mit der Abgrenzung ihrer Organisationsbereiche. Wird irgendwo nach Öl gebohrt, gehört die Belegschaft erstmal zur IG Bergbau.

Der Feuerwehrmann der CDU

Wahrscheinlich wird er, wie immer, erst kommen, wenn man ihn ruft. Für Heinrich Köppler naht der Tag, an dem er sich für Bonn oder für Düsseldorf, für die Fortsetzung seiner Karriere in der Bundespolitik oder für einen risikoreichen Anfang in der nordrheinwestfälischen Landespolitik entscheiden muß.

Ulbricht baut vor

Die Frage ist, ob es überhaupt solche Alternativen gibt. Aus dem Kommuniqué, das nach Abschluß des Moskauer Gipfeltreffens veröffentlicht wurde, lassen sie sich jedenfalls nicht herauslesen.

Kleine Schritte zur Entspannung

Ein unmerkliches Aufatmen geht durch die Reihen der Verbündeten Moskaus im Warschauer Pakt; denn jeder von ihnen, auch die DDR, sieht in der gemeinsamen Erklärung der Moskauer Gipfelkonferenz vom 4.

Lichtblick in Helsinki

In Helsinki werden die amerikanisch-sowjetischen Vorverhandlungen über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen voraussichtlich noch vor Weihnachten abgeschlossen werden können.

Sanft gegenüber Bonn

Eine schwierige Verhandlungsstrecke mit Klippen, Abgründen und wohl auch manchem Hinterhalt liegt vor den sowjetischen und deutschen Unterhändlern, die am Montag mit ihren Verhandlungen begannen.

Rückkehr ins atlantische Glied

Wer noch zweifelte, ob Pompidou im Haag die außenpolitische Linie de Gaulles verlassen hat, der wurde wenig später eines Besseren belehrt: Die öffentliche Zustimmung aus dem europäischen Lager, die kritischen Stimmen unter den Gaullisten und das Wehgeschrei der Humanité stimmten darin überein, daß Frankreich nun den Rückweg zu europäischen Gemeinschaftslösungen angetreten habe.

Londons unheilige Allianz

Nach Den Haag", sagte ein europafreundlicher Londoner Abgeordneter, "können nur wir Briten selber noch den Beitritt zur EWG verhindern.

Im Schatten Stalins

Der alte Mann stieg mühsam die Stufen zur Tribüne empor. Dort, hoch über dem Roten Platz, war seit Jahrzehnten ein Ehrenplatz für ihn reserviert.

Gab "Satan" den Mordbefehl?

Wir taten alles, was Satan wollte", sagte im Polizeiverhör Susan Atkins, 21 Jahre, ohne Beruf, ohne festen Wohnsitz. Sie ist Zeugin der Anklage im "Mordfall Sharon Tate".

Die Rache der Gesellschaft

Als Sharon Tate und ihre Partygäste vor einigen Monaten in ihrer Villa tot aufgefunden wurden, da fehlte es in vielen Zeitungen nicht an Hinweisen, die zwischen dem Ritualmord und den Filmgewohnheiten des Tate-Ehemanns Polanski eine Kausalkette knüpfen wollten: Wer sich in die Gefahr solcher Filme begibt, der braucht sich nicht zu wundern, wenn er darin umkommt.

Der Moralist

Was der Schriftsteller Günter Wallraff mit Methode betreibt, ist ein in der Tat befremdlicher unkonventioneller und totaler Journalismus.

Der Rechts-Improvisator

Es braucht hier nicht untersucht zu werden, ob Günter Wallraff mit seinen illegalen Methoden, zum Beispiel Amtsanmaßung, etwas erreicht hat, was im Sinne unserer Gesellschaftsordnung begrüßenswert ist.

Das kommende Jahrzehnt

Das 198. Jahrzehnt ist der Zeitraum von 1. Januar 1970 bis zum 31. Dezember 1975. Dieses 198. Jahrzehnt wird auf das 197. Jahrzehnt nicht folgen, wie die Zahl 198 mit arithmetischer Notwendigkeit in der Reihe 194, 195, 196 auf die Zahl 197 folgt.

Richter in Nöten

Nach dem Überfall auf das El-Al-Flugzeug: Ein problematischer Prozeß hat begonnen

Kein Leisetreter

Mit sich selbst und seiner manchmal eifersüchtigen Umwelt uneins, fuhr Johannes Rau nach Bonn, half dort dem wegen Grippe seiner Frau vereinsamten Hausherrn beim Abendbrotmachen und setzte sich artig zu Tisch.

Nach links

Angeblich sagte die CSU: "Wir wollen keinen extrem Rechten", und wies ihn ab. Daraufhin bemühte sich der extrem Rechte, bei der FDP unterzukommen.

Ausverkauf

Unter der Überschrift "Ausverkauf christlicher Symbole" veröffentlichten die "Westfälischen Nachrichten" in der vergangenen Woche einen Leserbrief vom Vorstand des Stadtkomitees der Katholiken, in dem der ranghöchste Richter Nordrhein-Westfalens, Diether Bischoff, scharf angegriffen wurde.

Bei Puvogel

Es war der schöne Name Puvogel über der Ladentür, der den jungen Mann animierte, sich das Geschäft näher anzusehen. Er betrat den Laden.

Wo lagert das Gas?

Den Mannheimern geht das amerikanische Nervengas allmählich auf die Nerven. Sie haben es zwar noch nie zu riechen bekommen, aber sie ahnen es.

Sie streikten für Uschi

Ein Schuldirektor wollte für Zucht und Ordnung sorgen und deshalb gegenüber 29 Gymnasiasten ein Exempel statuieren. Doch der Pädagoge hatte die Rechnung ohne die übrigen Pennäler seiner Schule gemacht.

Nato-Signal nach Osten

Die Außen- und Verteidigungsminister der Nato-Staaten haben zum Abschluß ihrer Wintertagung in Brüssel den Ländern des Warschauer Paktes ein neues Signal ihrer Bereitschaft zu Verhandlungen über Entspannung und Abrüstung gegeben.

Ostberlin: Spekulation über Ulbricht-Reise

Als "sehr spekulativ" hat ein Ostberliner Sprecher der ZEIT gegenüber die Meldungen bezeichnet, nach denen der DDR-Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht eine Reise in die Bundesrepublik plane.

Forderungen an die SPD

Mit einem Eklat begann der Bundeskongreß der Jungsozialisten in München. Als Vertreter der SPD-Führung kam Bundesgeschäftsführer Hans-Jürgen Wischnewski nicht zu Wort.

Nixon: Krieg wird beendet

Präsident Nixon hat dem amerikanischen Volk ein Ende des Vietnamkrieges in Aussicht gestellt. Ohne einen festen Termin für seine Vorhersage zu nennen, meinte Nixon auf einer Pressekonferenz, der Krieg werde zu einem Ende kommen, wenn die in diesem Jahr in Vietnam zu beobachtende Entwicklung weiter anhalte.

EWG entwickelt eine neue Aktivität

Im Nachklang der Gipfelkonferenz von Den Haag hat der EWG-Ministerrat in Brüssel eine verstärkte Aktivität entfaltet. Zu Ende der vergangenen Woche gelang es den Forschungsministern, die seit Jahren schwelende Krise der Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom) zu überwinden.

Auch in Bonn machte man sich jetzt Sorgen um: Studienplätze

Der Numerus clausus verspricht zum neuen Treibsatz der Bildungspolitik zu werden. Auch Bonn befaßt sich endlich mit der Tatsache, daß die Zulassungsbeschränkungen an den Hochschulen von der Ausnahme zur Regel geworden sind.

Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen hat die bildungspolitische Initiative ergriffen: Seine Pläne erregten auch deshalb Aufsehen, weil er Bund und Ländern vorexerziert, daß es einen Weg gibt, wenn nur der Wille vorhanden ist: Tanz auf tausend Eiern

NINA GRUNENBERG: Ministerpräsident Heinz Kühn zeigt Bund und Ländern, was eine Harke in der Hochschulpolitik ist. Das war die erste Reaktion auf Ihre Ankündigung, nach der Nordrhein-Westfalen bis 1975 acht neue Hochschulen gründen will und dreizehn Fachhochschulen.

Ekstasen, Orgien, Politpop

Der Untergrund, wo immer man diese Bewegung ansiedeln mag, ist längst popularisiert und institutionalisiert worden, ein Gütezeichen und oft nur mehr ein Aufkleber marktgerechter, zeitgemäßer Richtungen und Tendenzen.

Kein Kunstpreis der Jugend

Über Sinn und Unsinn von Kunstpreisen kann man endlos diskutieren. Erst war es nur die Prozedur der Preisverleihung, die ins Schußfeld der Kritik geriet, das feierliche Brimborium und die geschwollene Laudatio.

Haschisch in der Schule (III): Die Haschischforscher

Alle, die sich mit den Eltern von haschischrauchenden Schulkindern Sorgen machen, müssen es bedauern, daß die Behörden, daß auch Völkerbund und UNO bis in allerletzter Zeit so viel für das Haschischverbot und so wenig für die Haschischerforschung getan haben.

FILMTIPS

"Tausendschönchen", von Vera Chytilova. Ein Film, der die Realität und sich selbst als Realität beispielhaft in Frage stellt.

Aus den Hauptstädten der Welt: Basel - Schlag tot mit Shakespeare

Die Basler Römertragödie scheint beendet. Trotz des türenschlagenden Abgangs von Friedrich Dürrenmatt, der an diesem "Theater der Narren" nicht mehr mitwirken wollte, trotz der Tatsache, daß Direktor Düggelin immer noch im fernen Italien an seiner Krankheit laboriert, operiert das Basler Theater weiter, als wäre nichts Störendes geschehen.

ZEITMOSAIK

In der vorigen Woche starb in Zürich, 67 Jahre alt, Mathias Wieman: ein Schauspieler, der sich schon bei Reinhardt in Berlin, so als Teilheim, einen Namen machte, in Zürich und in Hamburg spielte, oft im Film (Victoria) und als Rundfunksprecher (Schatzkästlein) wirkte, ein Darsteller, der auch da, wo er irrte, gefangennahm: Kunst mit missionarischem Eifer zelebrierte – als Botschaft.

Zwei-Groschen-Operette

Manfred Bielers Bühnenerstling "ZAZA" ist formal gesehen alles andere als ein gutes Stück. Interessanter ist die Geschichte, wie es zur "ZAZA"-Uraufführung am Tübinger Landestheater kam.

Fernsehen: Vor und nach zehn

Zuerst Herr Vico Torriani und die nimmermüde Dame Rökk, um zehn dann der Kanzler im Dialog mit Klaus Harpprecht (Brandt selbstkritisch, der eigenen Grenzen bewußt und dort Probleme aufzeigend, wo die rechten Schwadroneure vor ihm nur einen wolkenlosen Gnadenhimmel erkannten).

Ein Kaiser auf Vogeljagd

Daß es gelungen ist, mit päpstlichem Konsens die berühmte vatikanische Handschrift "Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen" des kaiserlichen Autors Friedrich II.

Schöne Lyrik, mies verpackt

In der einführenden Notiz zu seinem Gedichtband "Die Piloten" hat Rolf Dieter Brinkmann dem amerikanischen Poeten Frank O’Hara seinen Dank abgestattet.

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