Wirtschaft

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DIE ZEIT

Ulbricht im Bremser-Häuschen

Im spärlichen innerdeutschen Dialog gibt es seit dem Wochenende ein neues Dokument, dessen Auslegung den politischen Analytikern noch eine Weile Kopfzerbrechen bereiten wird.

Husák prescht vor

Es reimt sich schwer zusammen: Der Prager Parteichef Husák ermunterte die Bundesregierung zu Initiativen in Richtung ČSSR. Der Außenminister dieser Bonner Regierung aber ist derselbe Mann, der im Sommer 1968 als FDP-Abgeordneter solche Initiativen gefordert, ja sogar selbst in Prag Gespräche geführt hat – wofür er sich dann vorwerfen lassen mußte, er habe höchst raffiniert die ČSSR aus dem östlichen Lager lösen wollen.

Bauern-Aufschrei

Erschreckte Gemüter mögen sich angesichts der Tumultszenen, die das Fernsehen aus der Kieler Ostseehalle übertrug, an Bauern-Bonzen-Bomben-Krisen erinnert haben.

Geißel der Gewalt

Ein Gespenst geht rund um den Erdball, das Gespenst der Gewalt: Vietnam, die Vereinigten Staaten, Brasilien liegen an seinem Weg – Mord, Entführung, Terror, Bombenanschläge auf israelische und arabische Reisebüros, auf italienische Banken und Berliner Richter sind die Spuren, die es hinterläßt.

In Italien wächst die Furcht

Auf der Jagd nach den Sprengstoffattentätern von Mailand und Rom hat die italienische Polizei zu einem Schlag gegen links- und rechtsradikale Gruppen ausgeholt.

ZEITSPIEGEL

"Das so gern gesungene ‚Stille Nacht, heilige Nacht‘ ist nach Text und Melodie in die Kategorie ‚pseudoreligiöse Schnulze‘ einzuordnen, die dem marxistischen Religion-ist-Opium-für-das-Volk-Standpunkt als Beweis sehr gelegen sein muß.

Der alte Mann und sein Land

Jahrelang stritt er für die Freiheit, jetzt ringt er um den Frieden: Jomo Kenjatta, Kenias Staatschef

ZYCIE WARSZAWY: Das Gestern nicht vergessen

Es gibt Menschen, die die Überzeugung, sie ließen sich von Kriterien der objektiven Moral leiten, so sehr verwirrt, daß ihr Blick für die wirkliche Welt getrübt ist und sie der Bezugspunkte beraubt werden, die es erlauben, das Gute vom Bösen zu unterscheiden – die also manchmal auf Positionen bekundeter Amoralität abgedrängt werden.

Das Morgen wagen

Sie haben wahrscheinlich recht, ich hätte die mißverständliche Vokabel "vergessen" nicht gebrauchen sollen. Ich wollte nämlich nicht zum Ausdruck bringen, daß wir vergessen sollten oder gar müßten, um danach neu anfangen zu können.

Das polnische Nadelöhr

Kommt nichts Böses mehr dazwischen, werden die politischen Gespräche zwischen Bonn und Warschau wohl zu Anfang des neuen Jahres beginnen.

Brandts kleine Kabinettsreform: Politische Chirurgie

Zum erstenmal hatte die Regierung Kiesinger eine Kabinettsreform umsichtig und durchdacht vorbereitet. Sie hatte einen Kabinettsausschuß eingesetzt und ein Planungsgremium bestellt, das in der erstaunlich kurzen Zeit von neun Monaten einen Bericht mit Alternativ Vorschlägen ausgearbeitet hat.

Der falsche Begriff der Gewalt

Wenn man sich die blutige Weltszenerie der Gewalt vor Augen hält, so wird man gewahr, wieviel Voreingenommenheit und politisches Vorurteil darin stecken muß, passives Verhalten, eine Verkehrsbehinderung durch Sitzen auf den Schienen, Festhalten von Polizisten oder ähnliches als gewaltsamen Widerstand anzusehen.

Nicht ohne Peking

Wenn Modeschauen noch mehr bewirken können, als das Entzücken über enthüllende Hüllen, so geschah das bei einer Vorführung neuer Modelle in der jugoslawischen Botschaft in Warschau Anfang Dezember.

Marschmusik in Athen

Nur nicht weh tun, hieß die Parole. Die Minister des Europarats benahmen sich wie Mitglieder eines hochfeinen Golfklubs, die einem geschätzten Mitglied, das leider immer wieder gegen die Regeln verstoßen hat, die Peinlichkeit des Ausschlusses ersparen möchten.

Disput um den Galgen

Die Todesstrafe scheint auf die Briten eine besondere Faszination auszuüben. Der englische Sprachgebrauch kennt gleich zwei Bezeichnungen dafür: death penalty und capital punishment.

Von der FDP zur CSU: Wie der Herr, so’s G'scherr

Folgende Mitglieder erklären durch mich ihren Austritt", heißt es in einem Schreiben, das die FDP-Geschäftsstelle München kürzlich erhielt – aufgezählt sind darin fünfundzwanzig Namen, unterschrieben hat nur einer: Arthur Werner.

Bayerns bildungspolitisches "Schatzkästlein": Die Zukunft beginnt in der Provinz

Genau eine Woche nachdem er die Berufung als Staatssekretär und Nachfolger Hildegard Hamm-Brüchers im hessischen Kultusministerium bei Minister Ludwig von Friedeburg dankend abgelehnt hatte, legte der Schul- und Kulturreferent der Stadt Nürnberg, Hermann Glaser, im Rat der Stadt das bedeutendste Ergebnis seiner fünfjährigen Amtszeit vor: das Planungsprojekt für eine kooperative Gesamtschule, die bis 1972 in Nürnberg-Langwasser fertig sein soll.

Sträflinge auf der Bühne

Diebstahl hatte ihn hinter Gitter gebracht, sein Gefängnispastor machte ihn zum lieben Gott – wenigstens auf der Bühne. Seit über einem Jahr pröbte eine Gruppe von Gefangenen der Jugendstrafanstalt Hameln und Mitgliedern des evangelischen Jugendkreises Afferde, darunter vier Mädchen, an Wolfgang Borcherts "Draußen vor der Tür".

In der Kosmosgondel

Am schönsten sind die Waffeln. Fünfzig elektrisch betriebene Waffeleisen brutzeln ständig, zwei Frauen mit Eimern voller Teig und Schöpfkellen, ein Mann streut Puderzucker und verkauft die Waffeln, groß wie Schuhkartons, das Stück für 25 Pfennige.

Unterm Arm zu tragen

Der erste Kommentar stammt von zwei hohen Polizeibeamten und Lehrern an Polizeischulen, der zweite von einem Rechtsanwalt, der sich durch eine Monographie über "Das Recht auf freie Demonstration" und andere kritische Veröffentlichungen einen Namen gemacht hat.

Die Straße der Freiheit

Sein Name ist in der Bundesrepublik wenig bekannt. Die Büchergilde Gutenberg gab zwar seinen Roman "Die letzte Grenze" heraus, der den letzten Indianer-"Feldzug" schildert: 20 000 Bundestruppen gegen 500 Cheyenne-Indianer, die nichts anderes wollten, als aus der Wüste Oklahoma zurück in die heimatlichen Wyoming Berge.

Polizei im Einsatz

Die weltweiten Studentenunruhen in den letzten zwei Jahren und in jüngster Zeit besonders kraß der Mord an den "Schwarzen Panthern" haben einen Konflikt ins Offene gebracht, in dem sich Polizei und Gesellschaft dauernd befinden.

Ohne Gedöns

Die Lebenserinnerungen, die der Vater Gustav Heinemanns aufgezeichnet hat, wären wahrscheinlich nie als Buch erschienen, wenn der Sohn nicht Präsident der Bundesrepublik geworden wäre.

Wie aggressiv sind Asiaten?

Um gleich meine Meinung zu sagen: Dieses Buch ist an sich keiner Rezension wert. Wenn ich es dennoch hier vorstelle, so deshalb, weil der Autor darin jene gefährlichen Thesen vorträgt, die für viele Durchschnittseuropäer typisch sind: Auf Grund von "über hundert" Gesprächen mit asiatischen, zumeist antikommunistischen Politikern wie Tschiang Kai-schek in Taipeh und Nguyen Van Thieu in Saigon entwirft Molden ein Bild der "roten Ostfront" von Wladiwostok bis Saigon.

Paris will Nahost-Plan vorlegen

Bei den wiederaufgenommenen Nahost-Gesprächen der UNO-Botschafter der vier Großmächte in New York ist bisher kein Fortschritt erzielt worden.

Wachsende Sorge in Italien

Zahlreiche Bombenanschläge in Rom und Mailand haben in Italien Unruhe und Besorgnis ausgelöst. Bei den Anschlägen waren zu Ende der vergangenen Woche 14 Menschen getötet und mehr als 100 verletzt worden.

DDR: nur völkerrechtlich

Einer gründlichen Analyse will die Bundesregierung die vom Staatsratsvorsitzenden der DDR, Walter Ulbricht, auf der 12. Tagung des SED-Zentralkomitees gehaltenen programmatischen Rede unterziehen.

Dahomey: Wieder Umsturz

Nach einer Amtszeit von nur 17 Monaten ist die Regierung der westafrikanischen Republik Dahomey, die von Präsident Emile Derlin Zinsou geführt wurde, in der vergangenen Woche gestürzt worden.

Libyen: Harte Strafen

Nach einem Putschversuch hat der Revolutionsrat in Libyen, der am 1. September König Idris stürzte und die Macht übernahm, einen konstitutionellen Erlaß proklamiert, der bis zur Verabschiedung einer Verfassung in Kraft bleiben soll.

Pompidou lobt EWG-Gipfel

"Ich wünsche, daß die europäischen Verhandlungen, die im Laufe des nächsten Jahres beginnen dürften, beweisen, daß England wirklich entschlossen ist, sich Europa zuzuwenden.

Dokumente der ZEIT

"Es ist längst überfällig, daß auch die westdeutsche Bundesrepublik die bestehenden Grenzen in Europa einschließlich der Grenzen der Deutschen Demokratischen Republik und der Oder-Neiße-Grenze sowie die Ungültigkeit des Münchner Diktats von Anfang an anerkennt, auf jegliche Verfügungsgewalt über Kernwaffen, biologische und chemische Waffen verzichtet und bereit ist, an Vereinbarungen über Abrüstung und Gewaltverzicht in Europa teilzunehmen.

ZEITMOSAIK

Ein Künstler verfolgt dieses Programm: "Keine Erotik, keine Illustriertengeilheit, dem Beschauer gründlich den Appetit verderben .

Bernd Alois Zimmermanns "Lingual" in Düsseldorf: Requiem auf die Dichter

Ein symptomatischer Introitus: Während in der Saalmitte ein Tonmeister, ein Tontechniker und ein Abteilungsleiter des Rundfunks hinter einem umfangreichen Mischpult Platz nehmen, vorn die Prozession der Musiker; einer Sopranistin, einem Bariton, zwei Sprechern und dem Dirigenten folgt eine sechste Person – der Orchesterdiener trägt die nahezu einen Meter hohe Partitur herein.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Günter Zehm hat neulich mit einem infamen Leitartikel in der Welt zur Hatz auf alle Langhaarigen geblasen, indem er aus aktuellem Anlaß seine Erleuchtungen über den Zusammenhang zwischen "Haschisch und Mord" bekanntgab.

Unsere Sprache: Literatur-Chemie

Aha, dachte ich, da muß der Höllerer am Werk sein: Nachdem es der Bense und der Fuchs mit Physik machen, um die Ästhetik auf Trab zu bringen, will die Berliner TU nicht zurückstehen, aber auch nicht epigonal das gleiche tun.

Kunstkalender

Zwölf deutsche Maler der jüngeren Generation werden präsentiert, man könnte die Zahl beliebig vergrößern, aber die zwölf genügen als Hinweis, daß die Landschaft wieder als möglicher Bildgegenstand akzeptiert wird.

Haschisch in der Schule (IV): Haschischfreunde

Wenn, nach den "Feinden" und den "Forschern", zuletzt von den "Freunden" des Haschischs die Rede ist, dann sind damit nicht die Haschischraucher gemeint, sondern: alle Leute, die aus den verschiedensten Gründen zu der Überzeugung gekommen sind, es sei an der Zeit, Haschisch zu entkriminalisieren.

Leichen im Ausverkauf

Daß schon ein bißchen Ruhm genügt, um viele Autoren milde gegen sich selber zu stimmen – wen kann das wundern? Von Rezensenten gelobt, von Verlegern bedrängt, von Redakteuren hofiert, sind sie oft bereit, halbfertige Arbeiten zu liefern und sogar Manuskripte hervorzuholen, die sie selber oder andere noch vor wenigen Jahren entschieden verworfen hatten: Liegengebliebene Ware soll – meist zu ermäßigten Preisen – an den Mann gebracht werden.

Ein Pop-Roman von 1902

Sehr viele der schwächlichen Romane, die sich als Pop ausgeben, scheinen mehr einer Mode in der bildenden Kunst denn eigenem Antrieb zu folgen; sonst brave Schriftsteller bemächtigen sich heute gern der Themen von Comicstrips, ohne ihrem Vorbild eine andere Dimension hinzuzugewinnen.

KRITIK IN KÜRZE

"Kristallwelt", Roman von J. G. Ballard. Vor der westafrikanischen Küste liegt eine Insel, die in ein schweres, dunkles Licht getaucht ist, einen intensiven, gespenstischen Glanz ausstrahlt und wo ein phantastisches, mysteriöses Naturereignis alles bannt und verwandelt, die Grenzen zwischen Menschen und Phantomen, Wirklichkeit und Phantasmagorien, Tatsachen und Halluzinationen verwirrt und aufhebt.

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