Von Alexander Rost

Woran ist „Constanze“ gestorben? An Anzeigenschwindsucht, an finanzieller Auszehrung, am Bazillus der Langeweile? Oder, wie ein wütender Journalist rundweg sagte: Ist sie ermordet worden mit dem Dolch der Dummheit? War’s Altersschwäche schon? Oder ein Kollaps als Folge von Kraftmeierei? Verleger kalkulieren. Redakteure räsonieren. Daß „Constanze“ mit „Brigitte“ zusammengelegt wird, ist Gesprächsstoff in der Branche der Blattmacher. Der Name also bleibt; doch die Zeitschrift „Constanze“ ist tot. Sie hat einen Nachruf, ein Adieu verdient.

Hier kann und braucht nicht vom Hochmut gegenüber Bilderblättern die Rede zu sein. Die Leute, die angeblich „nie“ oder „nur beim Friseur“ eine Illustrierte in die Hand nehmen – sie schwindeln. Die Frage ist nur, welche Illustrierte sie lesen oder doch durchblättern. Vielleicht ist „Constanze“ daran gestorben:

„Nein, ich habe sie seit Monaten nicht mehr in der Bahn gelesen“, erklärte eine Frau. Der Journalist, der dabeistand, warf ein: „Eben, wenn früher eine Frau im Zug die ‚Constanze‘ aus der Tasche zog, dann war’s im Zweifelsfalle eine Dame und kein Dienstmädchen. Jedenfalls hat sie sich mit und vor ‚Constanze‘ nicht geniert.“

Hier kann und soll auch nicht über Redaktionskonzepte bei „Constanze“ gerichtet werden. Journalisten, die längst nicht mehr an Wundermänner glauben, haben mit einiger Skepsis beobachtet, wie „Constanze“ plötzlich auf den Snobiety-Society-Strip ging, auf den Boulevard einer mehr vermeintlichen als wirklichen Prominentenwelt, wobei das gute Mädchen ein bißchen in Schlangenlinien über den Bürgersteig schlingerte. Um es im Jargon der Erfolgsmenschen zu sagen: „Constanze“ marschierte nicht. Die Auflage (im 3. Quartal 1969 durchschnittlich 841 369 gedruckte und 626 180 verkaufte Exemplare) kletterte nicht in erhoffte Millionenhöhe. Sex, von welcher Art auch immer, versagte als Treibmittel. Und darüber und dagegen kann man stundenlang streiten; auch darüber, ob der Mißerfolg nicht schon im Jahr 1961 zu keimen begann, als „Constanze“ vom vierzehntäglichen zum wöchentlichen Erscheinen umgestellt wurde.

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Doch was überhaupt heißt da „Mißerfolg“? Da gab es, heute wie damals, als „Constanze“ noch ein junges Mädchen war; Erfolgreiches genug. Der Leser, mit Ungerechtigkeit (was sein Recht ist) nicht kleinlich, hat nur selten eine Ahnung von dem Arbeitsaufwand, der in Redak-> tionen getrieben und zuweilen auch übertrieben wird. Nun, ja. Am Willen hat es nie gemangelt, wenn Blätter auf der Strecke der Konkurrenzjagd blieben. Auch darüber kein Wort weiter.