Das Jahr 1969 brachte nach 31 Monaten Sezessionskrieg in Nigeria keinen Frieden. Keinem Vermittler, weder Papst Paul VI. auf seiner Reise nach Uganda, noch dem Roten Kreuz, weder protestantischen Kirchenvertretern noch englischen Parlamentariern und den Vertretern der "Organisation für afrikanische Einheit" auf ihrer Septemberkonferenz in Addis Abeba gelang es, die feindlichen Brüder an den Verhandlungstisch zu bringen. Während Ojukwu, Herrscher der abgefallenen biafranischen Provinz, alle Vermittler wissen ließ, er sei bereit, einen Waffenstillstand abzuschließen, verlangte Gowon, der Präsident Nigerias, von Biafra eine Aufgabe der Sezession.

Trotz der Unversöhnlichkeit und mangelnden Verhandlungsbereitschaft auf bei-, den Seiten zeichnete sich sowohl auf niegerianischer wie biafranischer Seite eine gewisse Kriegsmüdigkeit ab. An manchen Fronten ruhte über Monate jede Kriegstätigkeit.

Den Biafranern gelang es, im Süden ihres Landes große Geländegewinne zu erzielen. Sie verloren zwar ihre provisorische Hauptstadt Umuahia, eroberten dafür aber Owerri zurück.

Hauptleidtragende dieses Krieges sind nach wie vor die Flüchtlinge, die sich auf engem Raum im biafranischen Kessel zusammendrängen. Die Versorgung mit Lebensmitteln war, wie schon im letzten Jahr, sehr schwierig. Nachdem das Rote Kreuz seine nächtlichen Hilfsflüge eingegestellt hatte, weil eine seiner Maschinen von den Nigerianern abgeschossen wurde, waren es allein die Küchenmaschinen, die von São Tomé jede Nacht Lebensmittel einflogen. Die Hilfsflüge sollen auch 1970 fortgesetzt werden – so lange, bis Frieden in Nigeria eingekehrt ist.