In den ersten Tagen des neuen Jahres werden die großen Drei der deutschen Chemie – Bayer, Hoechst und BASF – das Arrangement über die Tochtergesellschaften bekanntgeben, die ihnen bei der Auflösung der alten IG-Farbenindustrie AG nach dem Kriege gemeinsam zufielen oder an denen sie sich durch Aktienkäufe im Laufe der Zeit beteiligten. Damit werden die letzten Taue gekappt, durch die die IG-Farben-Nachfolger noch verbunden sind.

Die Farbwerke Hoechst werden ihre Mehrheitsbeteiligung an der Chemie-Verwaltung an Bayer und Veba abgeben. Die Chemie-Verwaltung hält 50 Prozent des Kapitals der Chemischen Werke Hüls, des viertgrößten deutschen Chemieunternehmens. Die übrigen 50 Prozent befinden sich bereits im Besitz von Bayer und Veba.

Für ihre Beteiligung werden die Höchster schätzungsweise etwas mehr als 400 Millionen Mark kassieren. Möglicherweise wird den freien Aktionären der Chemie-Verwaltung ein Abfindungsangebot unterbreitet, da auch Bayer etwa 15 Prozent und die Veba etwa 10 Prozent der Chemie-Verwaltungs-Aktien besitzen.

Hoechst wird sich außerdem vermutlich von ihrer indirekten (über die Synthese-Kautschukbeteiligungs G.m.b.H.) Beteiligung an den Bunawerken Hüls GmbH trennen. Die Drittelbeteiligung soll ebenso wie die der BASF an Bayer fallen. Während Bayer der BASF als Ausgleich die im letzten Jahr erworbene 25prozentige Herbol-Beteiligung abtritt, so daß die BASF künftig über 90 Prozent des Herbol-Kapitals besitzt, dürfte Hoechst hier wiederum eine Barabfindung erhalten, so daß schätzungsweise ins-.gesamt 450 Millionen Mark nach Frankfurt fließen.

Als Ausgleich werden Bayer und BASF ihre Beteiligungen an der Cassella Farbwerke Mainkur AG auf die Hoechster übertragen, die damit als Spitzenreiter der deutschen Pharmazie mit den Cassella-Töchtern Curta und Riedel de Haën ihre Arzneimittel-Interessen weiter verstärken. Der Gegenwert dieser Obertragungen wird auf 120 Millionen Mark geschätzt.

Nachdem Hoechst zum Jahresende den englischen Lackproduzenten Berger, Jenson & Nicholson – Umsatz 1969 rund 60 Millionen Pfund – erwirbt, vermutet man in der Branche, daß Hoechst mit den verbleibenden Millionen aus den Beteiligungsverkäufen seine Position in der Farben- und Lackindustrie verstärken will. mh