Die Welt der Gewalt

Auch das letzte Jahrzehnt war überschattet von Kriegen und Krisen in vielen Teilen der Welt. Hier eine Übersicht über die Zentren des Unfriedens:

1. Kuba – Gescheiterter Invasionsversuch (Schweinebucht) im April 1961. Kennedys Seeblockade gegen sowjetische Raketenlieferungen im Oktober 1962. Konfrontation der Weltmächte mit dem Risiko eines Nuklearkrieges.

2. Dominikanische Republik – Im April 1965 amerikanische Invasion wegen eines angeblichen kommunistischen Umsturzversuchs.

3. Honduras – Krieg mit dem Nachbarstaat El Salvador im Juli 1969 nach einem Fußballspiel. 2500 Tote.

4. Nordirland – Straßenschlachten zwischen Katholiken und Protestanten von August bis Oktober 1969.

5. Tschechoslowakei – Einmarsch der Armeen des Warschauer Paktes am 21. August 1968. Ende des Prager Reformkurses. Fast 50 000 Flüchtlinge.

6. Griechenland – Staatsstreich der Obristen im Dezember 1967. Ende der Demokratie. Etwa 1900 politische Häftlinge.

Die Welt der Gewalt

7. Zypern – Kämpfe zwischen Griechen und Türken seit Dezember 1963. Im März 1964 beendet eine UN-Friedensstreitmacht den Konflikt.

8. Naher Osten – Vom 4. bis 10. Juni 1967 Israels "Sechstagekrieg". Seitdem, trotz Waffenstillstand und UN-Friedensresolution, Eskalation des Kleinkrieges an allen Fronten.

9. Nigeria – Im Mai 1967 löst sich Biafra aus dem Bundesstaat. Seit Juli 1967 "Bürgerkrieg". Hungersnot fordert 1,5 Millionen Opfer. Alle Friedensversuche gescheitert.

10. Kongo – Sezessionskrieg beginnt im Juli 1960. Kämpfe mit UN-Truppen (93 000 Soldaten) werden erst im Juni 1964 beendet.

11. Angola – Aufstand gegen die portugiesische Kolonialmacht im Februar 1961. 20 000 portugiesische Soldaten schlagen die Rebellion im Oktober 1961 nieder.

12. Rhodesien – Regierung Smith proklamiert am 11. November 1965 die Unabhängigkeit von Großbritannien. London verhängt mit UN-Hilfe ein Embargo. Vermittlungsverhandlungen schlugen fehl.

13. Sudan – Seit 1958 Bürgerkrieg des arabischen Nordens gegen die Negerbevölkerung im Süden. Geschätzte Zahl der Toten: eine Million.

Die Welt der Gewalt

14. Jemen – Bürgerkrieg zwischen Republikanern und Royalisten seit dem Militärputsch vom Oktober 1962. Ägypten und Saudi-Arabien greifen in die Kämpfe ein. Friedensschluß zwischen Nasser und König Feisal im August 1965, ohne daß der Konflikt beendet wurde.

15. Südjemen – Im November Proklamation der Unabhängigkeit. Briten räumen Aden und die Stützpunkte. 1969 übernimmt nach innenpolitischer Krise die Nationale Befreiungsfront die Regierung. Grenzkämpfe mit Saudi-Arabien beginnen Ende 1969.

16. Irak – Kleinkrieg der Kurden für einen selbständigen Staat gegen die irakische Armee seit August 1961.

17. China – Grenzzwischenfälle mit sowjetischen Truppen am Ussuri und Amur (März/Juli 1969), sowie in Sinkiang (Mai bis August 1969). Verhandlungen Ende 1969 abgebrochen.

18. Indien – Im September 1965 weiten sich die Kämpfe in Kaschmir mit Pakistan zum Krieg aus. Durch Moskaus Vermittlung im Januar 1966 Friedensschluß von Taschkent.

19. Goa – Mit 30 000 Mann besetzt Indien im Dezember 1961 die portugiesische Kolonie.

20. Indien – Im Oktober 1962 brechen an der indisch-chinesischen Grenze schwere Kämpfe aus. Im November 1962 tritt eine Waffenruhe in Kraft.

Die Welt der Gewalt

21. Laos – Von 1961 bis 1962 findet in Genf die Laos-Konferenz statt. Der Vertrag setzt die Unabhängigkeit und Neutralität des Landes fest. Putschversuche der Militärs und des kommunistischen Pathet Lao stürzen Laos in immer neue Krisen. Auch der Vietnam-Krieg führt zu ständigen Kämpfen, vor allem um den "Ho Tschi Minh-Pfad" (die. Nachschubroute Nordvietnams).

22. Vietnam – Anfang 1963 setzt die Phase der "Amerikanisierung" des Krieges ein. 14 000 US-Soldaten befinden sich im Lande. Nach einem Aufstand der Buddhisten wird Staatschef Diem im November 1963 getötet. Als Antwort auf den Zwischenfall in der Tonking-Bucht (2. August 1964) ordnet Präsident Johnson die Bombardierung Nordvietnams an; sie dauert vier Jahre. In dieser Zeit fliegt die US-Luftwaffe über 12 670 Angriffe; 2,8 Millionen Tonnen Bomben werden abgeworfen – doppelt soviel wie im 2. Weltkrieg über Deutschland. Ende 1967 hat das amerikanische Truppenkontingent die 500 000-Mann-Grenze überschritten. Am 31. März 1968 ordnet Johnson den Bombardierungsstopp an, im darauffolgenden Mai beginnen in Paris die Verhandlungen mit Nordvietnam und dem Vietcong; sie blieben bisher ergebnislos. Am 8. Juni gibt Präsident Nixon den ersten Truppenabzug bekannt, Ende des Jahres 1969 den zweiten. Bis zum 15. Dezember hatten 60 000 US-Soldaten Vietnam verlassen. Bis zum 1. Dezember 1969 verloren die Amerikaner über 39 300, die Gegenseite fast 569 000 Soldaten; die Opfer unter der Zivilbevölkerung betrugen zu diesem Zeitpunkt insgesamt 300 000.

23. Indonesien – Kriegerischer Konflikt mit der Föderation Malaysia seit September 1963. Am 11. August 1966 wird ein Friedensvertrag unterzeichnet.

24. Berlin – Am 13. August 1961 errichtet Ulbricht eine Mauer entlang der Sektorengrenze. Die Westalliierten greifen nicht ein, aber um die Zugangsrechte und den Status von Westberlin entbrennt eine Krise zwischen den Weltmächten.