Chancen einer Kapitalanlage in Deutschland im nächsten Jahrzehnt

Von Helmut Schlembach

Vor etwa zweieinhalb Jahren, im Juni des Rezessionsjahres 1967, untersuchte die ZEIT das langfristige Kurspotential deutscher Aktien. Unter den damals gegebenen Prämissen lautete das vereinfachte Fazit: Die Kurse können sich bis zum Jahre 1975 verdoppeln, die bisherigen Höchstkurse von 1960 können erreicht und überschritten werden, im Zuge des langfristig zu erwartenden Aufwärtstrends wird es zu den börsenüblichen Übersteigerungen und Rückschlägen kommen.

Die auf den derzeitigen Zeitpunkt bezogene Zwischenbilanz der Prognose weist einen Kursanstieg der Aktien von über 60 Prozent über die vergangenen zweieinhalb Jahre und von rund 90 Prozent vom tiefsten Punkt (Januar 1967) zum höchsten Stand (November 1969) der zurückliegenden dreijährigen deutschen Börsenhausse aus. Die ursprüngliche Voraussage befindet sich bis jetzt noch in dem damals prognostizierten langfristigen Trendkanal; allerdings liegt die aktuelle Kurslinie im oberen Bereich der früheren Vorschaurechnung. Viele Anlegerwerden gerade angesichts der rückblickend so günstigen Ergebnisse mit deutschen Aktien fragen, wie es weitergeht. Befinden wir uns in einer Übertreibungsphase der Börse?

Um es gleich vorweg zu sagen: Fragen, die den kurz- und mittelfristigen Zeitraum von drei Monaten bis eineinhalb Jahren betreffen, sollen nicht im Mittelpunkt dieser Betrachtung stehen, wenngleich in nebenstehender Tabelle gewisse Annahmen über den näherliegenden Zeitraum unterstellt werden. Die Möglichkeit einer längerfristigen Börsenprognose stützt sich auf die Tatsache, daß Aktienkurse nichts anderes sind als kapitalisierte, auf den Gegenwartswert diskontierte Zukunftsgewinne.

Es geht also darum,