Bei der Übernahme von Lancia wurde Ford aus dem Rennen geworfen. Fiat und die Bedenken der Regierung waren zu stark. Jetzt hat der amerikanische Autokonzern auf Umwegen doch noch Eingang in die italienische Automobilindustrie gefunden. Der Karosseriebauer Ghia, kleiner als die berühmten Kollegen Pininfarina und Bertone, aber mit 250 Beschäftigten nicht mehr klein genug für eine rasche Anpassung an den Markt, verkaufte an die amerikanische Rowan Controller Company.

Daraus ergab sich mit Ford ein Vertrag über technische Zusammenarbeit. Das Ergebnis: Vor den Toren von Modena wird die Ghia-Tochtergesellschaft "De Tomaso" eine Autofabrik errichten. Geplant ist die Produktion von jährlich 3000 bis 5000 Sportwagen. Die Karosserie ist italienisch, das Herz amerikanisch: Ford liefert die Motoren.

Dabei hat Ford auch bereits zum Sprung in das Designer-Zentrum Turin angesetzt. In vier Wochen wird dort eine Beobachtungsstation eingeweiht, die "italienische Erfahrungen für die Ford-Produktion des europäischen Marktes" sammeln soll. Leiter des neuen Zentrums wird der Stilist Filippo Sapino. Er arbeitete bisher bei Pininfarina.

Ford kommt in einem Augenblick, in dem Italiens bekannte Karosserieschneider nach neuen Konzeptionen für ihre Werkstätten suchen. Das Handwerk nährt nämlich nicht mehr jeden.

So berühmte Namen wie Allemano, Touring oder Ellena sind bereits verschwunden. Die Firma La Vignale, die vor einigen Jahren 500 Fachleute beschäftigte, arbeitet nur noch mit 140 Leuten. Die ehemalige Tagesproduktion von vierzig Wagen ist auf sieben geschrumpft.

Die Zeiten, in denen ein Karosserieschneider von der Entwicklung großer Tourenwagen leben konnte, sind vorbei. So ist Pininfarina heute ein Industriekomplex mit 1700 Beschäftigten. Täglich laufen 110 Wagen vom Band. Insgesamt wird die Produktion in diesem Jahr bei 21 000 Stück liegen. Nur 200 Personen arbeiten noch an Prototypen – auch im Auftrag von Peugeot und Volkswagen.

Noch größer ist Bertone. Diese Firma stellte im vergangenen Jahr mit 1500 Arbeitern über 29 000 Wagen her, mehr als die Hälfte der gesamten italienischen Designer-Produktion. Vier Fünftel davon sind Spider-Versionen des Fiat 850. Dieser Erfolgswagen von Bertone ist bisher der meistverkaufte italienische Wagen in den USA.

Doch gerade die Arbeit der Designer und Formspezialisten ist wichtig für die Zukunft der ganz kleinen und der ganz großen Karosseriebauer Italiens. Allerdings nicht mehr allein für den Automobilbau. Schon heute wandeln sich Pininfarina und Bertone zu "Ideenfabriken". Die neuen Aufgaben reichen von Entwürfen für Kühlschränke bis zu Hautcremeverpackungen. fg