Ein Gigant stürzte, Frankreich und die Welt verloren eine Persönlichkeit von historischem Zuschnitt. Als Charles de Gaulle die Volksabstimmung über die von ihm befürwortete Senats- und Regionalreform zur Vertrauensfrage machte, ahnten nur wenige die Folgen, die damit für den General und für Frankreich verbunden waren. Sie zeigten sich am Abend des 27. April: 52,8 Prozent der Franzosen stimmten mit "Non". Am nächsten Tag gab de Gaulle seinen Rücktritt bekannt. Für Frankreich war eine Epoche zu Ende gegangen.

Sechs Wochen lang waren die Franzosen im unklaren darüber, wer sie in die siebziger Jahre führen würde. Zur Wahl am 1. Juni stellten sich sieben Bewerber. Keiner von ihnen erhielt die absolute Mehrheit. Erst bei der Stichwahl zwei Wochen später setzte sich Georges Pompidou (57,8 Prozent der Stimmen) gegen seinen Konkurrenten Poher (42,2 Prozent) durch.

Die neue Regierung in Paris mit Ministerpräsident Chaban-Delmas und Außenminister Maurice Schumann richtete ihre Energie zuerst auf die Behebung der Wirtschaftskrise. Im August wurde der Franc um 12,5 Prozent abgewertet und damit die Voraussetzung einer wirtschaftlichen Gesundung geschaffen. In der Europapolitik zeigte sich Staatspräsident Pompidou flexibler und realistischer als sein Vorgänger.