Wenn Deutschlands Gastarbeiter Weihnachtsurlaub machen

Von Cornelia Jacobsen

München

Man hört kaum ein deutsches Wort an der Bahnhofssperre. Fremdländische Gesichter, fremde Gesten und Menschen, die anders angezogen sind als wir und auch anders als sie selbst es sonst, in ihrem Gastarbeiter-Alltag, sind. "In München fängt der Balkan an", sagt jemand neben mir. Früher sagte man das von Wien.

Männer, wie man sie in Sarajewo oder Mostar trifft, die pflaumenblauen Baskenmützen tief in die zerfurchte Stirn gezogen, suchen nach dem serbokroatischen Hinweisschild. Ältere Griechinnen und Türkinnen mit Wollschals um Kopf, Hals und Schultern bewachen mit stoischer Ruhe Kinder, die bis auf Augen und Nase vermummt sind, und Gebirge von Gepäck. Auf keinem Gepäckberg fehlt ein Regenschirm; überall sieht man Tüten, aus denen Brote, Würste und Weinflaschen herausragen.

Die jüngeren Leute haben sich für die Reise fein gemacht. Staunen wird man in Mazedonien, Tessalonien und Anatolien, wenn der "reiche Onkel aus Deutschland" dem Zug entsteigt. Oder die fesche Tante. Zu Hause wird man sie kaum wiedererkennen; und wer je Balkanfrauen mit Anwerbezügen ankommen sah, der traut seinen Augen kaum. Zwei Mädchen schlendern Arm in Arm den Perron entlang, die Köpfe hoch erhoben, die Frisuren hochgetürmt, alle sehen ihnen nach: Ihre Hosenanzüge sind identisch, beide in glühendem Goldorange.

Fernseher als Mitbringsel