Nordirland ist längst wieder aus den Schlagzeilen der Weltpresse verschwunden. Aber die Ruhe, die über dem Land liegt, in dem im Sommer ein Bürgerkrieg auszubrechen drohte, ist trügerisch.

Nach einer Zeit der relativen Entspannung waren im August blutige Kämpfe zwischen der protestantischen Mehrheit und der katholischen Minderheit ausgebrochen; Besonders die Stadt Londonderry mit ihrem Arbeiterviertel Bogside wurde zum Schauplatz des Aufruhrs. Tagelang dauerten die Straßenkämpfe in Londonderry und später in Belfast an. Es gab Tote und Verwundete. Eine Beruhigung zeichnete sich ab, als die britische Regierung Soldaten nach Nordirland entsandte. Sie entwaffneten die protestantischen Hilfstruppen, die B-Specials, die durch ihr Eingreifen immer wieder die Katholiken provoziert hatten.

Zu einem Symbol des katholischen Widerstandswillens wurde die erst 22 Jahre alte Bernadette Devlin, das jüngste Mitglied des britischen Unterhauses. Sie vertrat immer wieder mit Nachdruck die Interessen und Forderungen ihrer katholischen Landsleute und prangerte die soziale Ungerechtigkeit an, unter der sie leben müssen. In Londonderry hat Bernadette Devlin sich zur Zeit vor Gericht wegen "Aufhetzung" zu verantworten. In Ulster sind die blutigen Sommertage noch nicht vergessen.