Von Martin Kriele

Für die Bundesregierung gilt die DDR jetzt offiziell als "Staat", nicht mehr bloß als Defacto-Regime. Die Regierungserklärung von Bundeskanzler Brandt hat die "Identitätstheorie" als regierungsoffizielle Doktrin endgültig zugunsten einer "Teilordnungskonzeption" aufgegeben, aber die "Zweistaatentheorie" verworfen. Die Identitätstheorie ging von der Identität der Bundesrepublik mit dem Deutschen Reich aus und leitete daraus das Recht ab, Deutschland allein zu vertreten. Schon Bundeskanzler Kiesinger hat diese Konzeption vorsichtig ausgehöhlt, so durch das Angebot von direkten Verhandlungen zwischen den Regierungschefs der "beiden Teile Deutschlands".