Ein literarischmusikalisch-künstlerisch- juristisches Ratespiel zum Jahreswechsel

Fall 1

Der Angeklagte hat während des vergangenen Sommers wiederholt mit einer Person unter vierzehn Jahren in Motelzimmern genächtigt. Schon die Verleitung des müden Kindes, sich in Anwesenheit des Angeklagten auszuziehen, erfüllt den Straftatbestand des § 176,3. Nach Geständnis des Angeklagten ist es jedoch nicht nur dazu, sondern zu regelrechtem Beischlaf gekommen. Dafür hat der Angeklagte nach § 176,3 eine Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren verwirkt. Strafmildernd war in Rechnung zu stellen:

1. Das freimütige, geradezu selbstquälerische Geständnis des Angeklagten, auf das allein die Anklage sich gründet.

2. Dem ebenso reu- wie freimütig Geständigen war zu glauben, wenn er zu Protokoll gab: "Sie war es, die mich verführte." Und wenn auch die Voraussetzung der Unbescholtenheit aus § 182 nicht auf § 176 übertragen werden kann, so sollte sie doch strafmildernd berücksichtigt werden; dies um so mehr als

3. Fräulein H. das vierzehnte Lebensjahr beinahe erreicht hatte, ja, ein leichter kalendarischer Irrtum des Angeklagten, auf dessen Angaben die Staatsanwaltschaft ihre Anklage stützt, genügt hätte, ihn außer Verfolgung zu setzen. (Ein Antrag auf Verfolgung nach § 182 wäre nach Lage der Dinge nicht zu erwarten gewesen.)

Der Angeklagte wird nach § 176,3 zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.