Parallel zu dem Notprogramm will Leussink die langfristigen Reformen vorantreiben. "Das Spezifische unserer Situation", erläuterte er, "besteht darin, daß eine für die demokratische Gesellschaft wünschenswerte und notwendige quantitative Expansion auf eine überholte Struktur der Bildungseinrichtungen trifft."

Die akuten Krisenherde so schnell wie möglich zu beseitigen, aber neben der Hetzjagd auf den Numerus clausus energische Impulse für die angekündigten "tiefgreifenden Reformen" zu geben – eben dies ist Leussinks Problem.

Wie stark der Wille der Regierung ist, definitive Zeichen in der Bildungspolitik zu setzen, wird sich endgültig erst beurteilen lassen, sobald Leussinks programmatische Absichten an der Höhe des Bildungsbudgets gemessen werden können. Insofern glich die Präsentation einer Dame ohne Unterleib: Konkrete Zahlen über die angekündigte Finanzierungsbeteiligung des Bundes im Schul- und Hochschulbereich konnte der Minister noch nicht nennen. Die Finanzberatungen über seinen Haushalt waren zwar schon abgeschlossen, aber bis zur abschließenden Beratung des Gesamtetats, die Mitte Januar auf der Tagesordnung des Bundeskabinetts steht, ist er noch einmal zum Schweigen verpflichtet.

Nina Grunenberg