Von Willi Bongard

Daß Werbung und Kunst eine Menge miteinander zu tun haben, gilt – spätestens seit dem vorigen Jahrhundert – als selbstverständlich, zumindest unter selbstbewußten Werbegraphikern.

Daß Werbung und Kunst nichts, aber auch gar nichts miteinander zu tun haben, gilt – spätestens seit die Werbung zum Gegenstand der Kulturkritik geworden ist – als ebenso selbstverständlich, zumindest unter empfindsameren Schöngeistern.

Karl Kraus, der vielleicht geistvollste und bissigste Spötter aller Zeiten, rühmte sich eines Freundes, der sich angeblich ein Magenleiden zuzog, als er auf einem Ausstellungsplakat las: "Die Kunst im Dienste des Kaufmanns,

Jedermann kennt aber auch den Künstler, der sich vor Magenknurren zu bewahren wußte, indem er – im Dienste eines Kaufmanns, des Managers des "Moulin Rouge" nämlich – Plakate schuf, deren hoher künstlerischer Rang heute unbestritten ist: Toulouse-Lautrec.

Daraus wird man den Schluß ziehen dürfen: Werbung hat mit Kunst jeweils so viel oder auch so wenig zu tun, wie das Endergebnis selbst davon zeugt.

Es läßt sich im übrigen nicht bestreiten, daß die Geschichte der Werbegraphik über weite Strecken eine Geschichte der Rezeption der bildenden Kunst ist. Das gilt vor allem seit der Jahrhundertwende, als der europäische Jugendstil die Werbegraphik – und nicht nur die Werbegraphik – so stark beeinflußte, daß bis in die jüngste Zeit hinein von Kunsthistorikern daran gezweifelt wurde, ob es sich beim Jugendstil überhaupt um einen ernst zu nehmenden Kunststil oder eine bloße Mode handele.