Die seit Januar des vergangenen Jahres andauernde Hinrichtungswelle im Irak hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Radio Bagdad meldete in den letzten Tagen die Hinrichtung von 44 Menschen. 37 von ihnen sollen an einem Putsch gegen die irakische Regierung beteiligt gewesen sein, sieben Personen wurden als angebliche amerikanische Spione exekutiert.

In Verbindung mit dem Putschversuch sind fünf der ranghöchsten persischen Diplomaten in Bagdad ausgewiesen worden. Die Regierung in Teheran hat mit der Ausweisung von irakischen Diplomaten geantwortet. Der Staatschef des Irak, General Hassan al Bakr, beschuldigte Persien und die USA, Drahtzieher des Putschversuches gewesen zu sein. In Bagdad wurden 3000 Maschinengewehre und 650 000 Schuß Munition, die den Verschwörern angeblich aus Persien geliefert worden sind, ausgestellt.

Die seit langem bestehenden Spannungen zwischen dem Irak und Persien waren im vergangenen April beim Streit um den Grenzfluß Schatt-el-Arab ausgebrochen. Seither hat Bagdad der Regierung in Teheran immer wieder vorgeworfen, die „sozialistische Ordnung“ im Irak beseitigen zu wollen.

Der Serie von Hinrichtungen im Irak waren im vergangenen Jahr über 60 angebliche Spione, unter ihnen zahlreiche Juden, zum Opfer gefallen.

Die blutigen Säuberungen sind in bürgerlichen arabischen Kreisen mit scharfer Kritik aufgenommen worden. Mehrere libanesische Zeitungen bezweifelten, daß im Irak überhaupt ein Umsturzversuch stattgefunden habe. Das größte libanesische Blatt an-Nahar meinte: „Die Atmosphäre des Terrors im Irak kann weder der arabischen Sache dienen, noch dem arabischen Prestige helfen. Ein Leben in Bagdad ist sehr billig, aber in der Welt ist es teuer.“