DIE ZEIT

Ost-Erkundung

Wenn es in Bonn um Polemik geht, dann ist jeder rasch mit dem Vorwurf bei der Hand, der andere habe Illusionen..............

Straffe Führung

Am 1. April will der Bundes Verteidigungsminister eine seit langem von ihm favorisierte Idee in die Tat umsetzen: Die Inspekteure von Heer, Luftwaffe und Marine werden nun auch Truppenvorgesetzte ihrer Teilstreitkräfte.

Die Dünnhäuter

Die Sozialdemokraten ließen schweres Geschütz auffahren. Der Bundesgeschäftsführer der SPD, Wischnewski, gab "Feuer frei" gegen den Springer-Konzern, nachdem sich seine Genossen aus der "Baracke" bereits auf das Zweite Deutsche Fernsehen eingeschossen hatten.

Umgestülpte Reform

Ursprünglich hatte die CDU/CSU zugesichert, daß sie an der Reform des Demonstrations-Strafrechtes mitarbeiten werde. Davon kann nun keine Rede mehr sein, nachdem sie ihren Gegenentwurf eingebracht hat.

Bilanz nach hundert Tagen

Es sind jetzt genau hundert Tage verstrichen, seit die neue Regierung im Amt ist. Daß diese Tage eine Schonfrist gewesen seien, wird niemand behaupten können.

"...denn das ist ein Befehl!"

Generalinspekteur Ulrich de Maizière übte sich am vergangenen Montag als Vorwärtsverteidiger. Er rümpfte die Nase und nannte "spektakulär", was am Tag zuvor an sein Ohr gedrungen war: Acht frisch gebackene junge Leutnants aus verschiedenen Waffengattungen, von unterschiedlicher sozialer Herkunft und aus Standorten zwischen Flensburg und Bad Tölz hatten auf einer Pressekonferenz ihre Vorstellungen vom Offiziersberuf vorgetragen – in neun Thesen zusammengefaßt.

ZEITSPIEGEL

"Eine Anerkennung der DDR würde nicht gut sein. Es würde ein ernster Fehler sein, den Menschen zu Hause und im Ausland den Eindruck zu geben, daß dadurch die wirklichen Probleme gelöst wären.

Stachel im Fleisch des Kommunismus

In der kommenden Woche wird sich das politische Schicksal des Philosophieprofessors Roger Garaudy entscheiden, der Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei ist, lange Zeit ihr Abgeordneter für das südwestliche Departement Tarn war und während mehr als zwanzig Jahren als ihr führender Ideologe wirkte.

Ziel neuer Sehnsüchte

1919 in Versailles hatten die Politiker den großen Fehler begangen, das nationale Gebilde Deutschland wiederherzustellen, ohne den Ehrgeiz des deutschen Volkes auf weiter gespannte Ziele zu lenken als rein nationale und auch ohne in Europa ein zweites Gebilde zu errichten, das Deutschland an physischer Kraft ebenbürtig gewesen wäre.

Berlin-Fragen ohne Antworten

Wartezeiten von drei, fünf oder auch neben Stunden im Berlin-Verkehr, scharfe Kontrollen der Wagenladungen, Geldstrafen von 100 Mark für Geschwindigkeitsüberschreitungen – das sind Zeichen dafür, daß Versuche, die DDR zu besänftigen, sich offenbar nicht auszahlen.

Nixon vor dem Winde

Wenn die Kolumnisten für Amerika das sind, was die Auguren für das alte Rom waren, hat Präsident Nixon ein sehr gelungenes erstes Amtsjahr hinter sich und noch viele erfolgreiche Jahre im Weißen Haus vor sich.

Der Rangiermeister der SPD

Wohl kein Problem, so hat Egon Franke vor einigen Wochen geschrieben, verlange so viel ungestörte und stille Arbeit wie die Deutschlandpolitik.

Rendezvous ohne Konflikte

In den deutsch-französischen Beziehungen gibt es eine Reihe von Meinungsverschiedenheiten in solchen Fragen, die nicht von der großen politischen Orientierung abhängen.

Wolfgang Ebert:: Der Dritte hört mit

In Warschau sind die streng geheimen amerikanischchinesischen Gespräche wieder aufgenommen worden – zum Leidwesen der polnischen Abhör-Beamten Jan Kubiak und Jusef Rogalla, die sie abhören und für Moskau mitschneiden müssen.

Schumann als Eisbrecher

Wenn man es genau liest, so hat Maurice Schumann den Engländern nichts versprochen, was dem General de Gaulle, amtierte er noch, mißfallen hätte.

Wie mächtig ist Alex Möller?

Das Bundeskabinett hat den Bundeshaushalt für 1970 in Höhe von 90 Milliarden Mark – 8,8 Prozent mehr als im Vorjahr – verabschiedet.

Was droht 1971?

In seiner jüngsten Rede hat der stellvertretende amerikanische Außenminister Elliot Richardson in Chicago zwar noch einmal die Präsenz amerikanischer Truppen als greifbaren Beweis für das Engagement in Europa und deswegen als unentbehrlich charakterisiert – "ob es uns gefällt oder nicht".

Gezinkte Karten

Die Israelis können zufrieden sein: Da die Franzosen, die viele Jahre lang ihre Hauptlieferanten in Waffen waren, sie seit de Gaulles Embargobeschluß im Stich gelassen haben und dafür neuerdings die Arsenale ihrer Feinde auffüllen, springen ihnen doch wieder die Amerikaner bei.

Blick durch die Bild-Röhre

Wenn nicht alles täuscht, hat Axel Springer seine zweite große Fernsehschlappe erlitten. Nach massiertem Beschuß aus allen SPD-Rohren, nach einer heftigen Kampagne des "Spiegel-Verlegers Rudolf Augstein und einem spontanen Protest der Redakteure des Norddeutschen Rundfunks (NDR) ist für Springer die Chance nahezu auf Null gesunken, sich am Studio Hamburg, einer (indirekten) Tochtergesellschaft des NDR für Fernsehproduktionen, beteiligen zu können.

Titos Kampf an zwei Fronten

Böse Nationalisten sind bekanntlich stets "die anderen". Deshalb konnte eine so streitbare Dame wie Savka Dubčevic-Kucar, die Chefin der kroatischen KP, des Beifalls sicher sein, als sie vor kurzem gegen einen der prominentesten Funktionäre ihrer Partei, den Vizepräsidenten des Belgrader Zentralparlamentes Milos Zanko, die Anschuldigung erhob: Er agiere als Teil jener nationalistischen Kräfte, mit denen das sozialistische Jugoslawien "immer schärfer und rücksichtsloser" konfrontiert sei.

Resonanz aus Warschau

Hat Polen nicht auch mit den Deutschen, die in der DDR leben, eines Tages neu angefangen – und warum dann nicht mit denen der Bundesrepublik? So hatte Gräfin Dönhoff in ihrer Antwort an Ryszard Wojna, den stellvertretenden Chefredakteur der polnischen Zeitung Zycie Warszawy am 19.

Anleitung zur Denunziation

Wer in Bedrängnis gerät, ist nur allzu leicht bereit, seine Freunde zu denunzieren. Diese menschliche Schwäche haben sich zu allen Zeiten Diktatoren und Büttel nutzbar gemacht.

Ungeliebter Meister

In Essen wurden abermals Mißstände in der Lehrlingsausbildung aufgedeckt – doch die Lehrherren klagen

Neue Kontakte zum Osten

Die Ernennung Staatssekretär Bahrs zum Delegationsleiter bei den deutschsowjetischen Gesprächen in Moskau, Störaktionen auf den Zufahrtswegen von und nach Berlin, ein Brief Bundeskanzler Brandts an den DDR-Ministerratsvorsitzenden Stoph und die bevorstehende Aufnahme von Verhandlungen mit Warschau kennzeichneten in den letzten Tagen den Stand der Bonner Bemühungen um eine Intensivierung des Ost-West-Dialogs.

Nixon will "neues Amerika"

Der Bericht Präsident Nixons zur Lage der Nation ist in den Vereinigten Staaten sehr unterschiedlich aufgenommen worden. Während republikanische Politiker den Lagebericht "anfeuernd" und "meisterhaft" nannten, bezeichnete der derzeitige Führer der Demokratischen Partei, Hubert Humphrey, die Rede als "allgemeine Konversation".

Hinrichtungswelle im Irak

Die seit Januar des vergangenen Jahres andauernde Hinrichtungswelle im Irak hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Radio Bagdad meldete in den letzten Tagen die Hinrichtung von 44 Menschen.

US-Truppen in Europa: Bald Reduzierung?

Die Bemühungen amerikanischer Kongreßabgeordneter um eine Reduzierung der 310 000 in Europa stationierten amerikanischen Soldaten, haben in Bonn Besorgnis ausgelöst.

Schmidt kündigt Reformen an

Im Rahmen seiner "Bestandsaufnahme" bei der Bundeswehr hat Bundesverteidigungsminister Schmidt in den letzten Tagen eine Umschichtung des 20,3 Milliarden Mark betragenden Verteidigungshaushaltes und eine Umorganisation der Bundeswehrführung angekündigt.

Spanien: Streiks dauern an

Auslösende Ursache für den Streik waren Unstimmigkeiten über die Sonderzulagen zu Weihnachten. Seither hat sich die Arbeitsniederlegung der Bergleute jedoch zu einer Art Machtprobe mit der Regierung in Madrid entwickelt.

Dokumente der ZEIT

"Wir haben unserer Politik eine Beurteilung der Welt zugrunde gelegt, wie sie heute ist, nicht, wie sie vor 25 Jahren, am Ende des Zweiten Weltkrieges, war.

Gowon reagiert verärgert

Trotz aller Erklärungen der Regierung in Lagos, sie habe die Versorgungslage im ehemaligen Biafra unter Kontrolle, berichten große internationale Zeitungen, an der Spitze die Londoner "Times", daß die biafranische Bevölkerung große Not leidet.

Nahost: Westen gibt Waffen

Die Kampftätigkeit im Nahen Osten hat sich in den letzten Tagen verschärft. Sowohl Israel als auch Ägypten verstärkten den Einsatz ihrer Luftwaffe.

Der Notstand ist ausgerufen

Überraschend neue Erkenntnisse hat die Bundestagsdebatte über den Numerus clausus nicht zutage gefördert, zumal der Mangel, über den die CDU Auskunft wünschte, auch noch mangelhaft belegt war.

Ewig Kummer mit den Universitäten

Wenn ein Beweis dafür noch nötig war, daß bei der Drittelparität der Wähler immer ein Assistenten-Funktionär zum Universitäts-Präsidenten gewählt wird, dann haben die Wahlen an der Technischen Universität Berlin ihn geliefert: Weil dort kein Assistenten-Funktionär gewählt wurde, wurde überhaupt niemand gewählt.

Düsseldorf feiert sein neues Haus: Trotzki im Theater-Exil

Was sich hier abspielte, kommt mir widerwärtig und obszön vor: In Düsseldorf, der angeblich reichsten Stadt der reichen Bundesrepublik Deutschland, in einem teuren Theaterneubau, der sich zwischen dem Bürohaus eines der größten Konzerne Europas und der Filiale einer der mächtigsten Banken des Erdballs befindet, wurde ein Stück aufgeführt, das die Weltrevolution rühmt und die Hinrichtung der bürgerlichen Gesellschaft fordert; und jene, die den Zuschauerraum füllen – ich war nicht in der Premiere, sondern in einer ganz gewöhnlichen Repertoireaufführung –, sind typische Vertreter eben dieser Gesellschaft, meist offenbar wohlhabende Düsseldorfer, die natürlich nichts weniger wünschen als die kommunistische Herrschaft an Rhein und Ruhr.

Kein Wort und jedes Wort von Böll

Das angekündigte Stück von Heinrich Böll war ein Stück des tschechischen Ehepaars Maria und Alfred Radok. Also ein neuer Böll nicht von Böll, obwohl jedes Wort, das auf der Düsseldorfer Bühne des Kleinen Hauses gesprochen wurde, von Böll war.

Großes Sterben

Ionesco, eben in die Académie Française aufgenommen, ließ sein neues Stück "Triumph des Todes" oder "Das große Massakerspiel" im Düsseldorfer Schauspielhaus uraufführen.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Die Vorderseite des Covers dieser beiden Platten zeigt den Blick aus einem Zimmer in eine Parklandschaft, darin die vier Pink Floyd: David Gilmour sitzt auf einem Stuhl, seitlich dahinter sitzt Roger Waters auf der Erde, seitlich dahinter steht Nick Mason und schaut in die Sonne, seitlich dahinter liegt Richard Wright und streckt die Beine in die Luft; links an der Wand ein Bild.

ZEITMOSAIK

Um ein "klareres Bild von dem Verhältnis der Bürger der DDR zu ihrem Staat zu gewinnen", plant der Verlag Hoffmann und Campe eine umfangreiche Dokumentation von "Briefen aus der DDR".

Zufall mit System

Wie Max Ernst bis heute in Deutschland ausgespart wurde – die Daten dieser Geschichte, die vorhandenen und die nichtvorhandenen, ergeben eine Frottage, ein Negativbild, wie auch Max Ernst, der Erfinder dieser indirekten Maltechnik, es nicht eindrucksvoller hätte erdenken können.

Kunstkalender

Immer noch wie vor fünf Jahren, als seine Bilder bei Neuendorf ausgestellt waren, malt Volker Meier Landschaften aus der Sicht eines Seglers, Wolkenhimmel und auflaufende Wellen, maritime Details, den schönen Leuchtturm von Rothe Sand, Takelage und sonnige Strände.

Eine Jugend in Deutschland

Über dem tristen Kapitel der Aufnahme deutscher Exilliteratur in der Bundesrepublik könnte als Motto eine Prognose René Schickeles stehen: "Wenn es Goebbels gelingt, unsere Namen von den deutschen Tafeln zu löschen, sind wir tot.

Die Haschisch-Bücherwelle

Fragen nach dem "Bewußtsein", dem "richtigen" oder "falschen", dem originären oder manipulierten, werden die intellektuellen Diskussionen der unlängst aus kalendarischem Anlaß so viel beschworenen siebziger Jahre beherrschen.

KRITIK IN KÜRZE

"Die Seife" von Francis Ponge. Bei dieser Seife handelt es sich wirklich um Seife, denn "über die Seife läßt sich viel sagen", zum Beispiel: "Die Seife zeigt sich zunächst äußerst reserviert, wiewohl mehr oder weniger diskret parfümiert.

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