Von Peter Roese

Als Apollo-Astronaut Armstrong am historischen 20. Juli letzten Jahres den Mond betrat, sprach er: „Dies ist ein großer Schritt für die Menschheit.“ Schon Jahre zuvor hatten kritische Raumfahrtexperten prophezeit, wohin dieser Schritt führen würde: in die teuerste Sackgasse der Welt.

Zu Beginn der sechziger Jahre, als die Weichen für das Apollo-Mondlandeprogramm noch nicht endgültig gestellt waren, warnte der ehemalige Peenemünde-Chef Walter Dornberger, damals leitender Ingenieur der US-Firma Bell Aerosystems, vor jenem technischen Kraftakt. Die USA sollten ihr Mondlandepläne so lange zurückstellen, bis neuartige, wiederverwendbare Raketenflugkörper entwickelt worden sind, die nach einem Raumflug wie ein Flugzeug zur Erde gleiten, landen – und nach Auftanken und Wartung neu starten können.

Die herkömmlichen Wegwerfraketen hingegen seien – so bemängelte Dornberger – Vehikel ohne Zukunft, gleichsam die Saurier des Raumzeitalters. Es lohne sich nicht, viel Geld für eine Technik auszugeben, die von vornherein zum Aussterben verurteilt sei. Doch die Raumfahrtstrategen der NASA entschieden anders. Ohne Rücksicht auf die Kosten wollten sie so schnell wie möglich zum Mond – aus Angst vor einer neuen Ersttat der Russen.

Nun haben sie die Quittung für ihr hastiges Mondprogramm erhalten. Das Apollo-Projekt mit seinen astronomischen Kosten hat den amerikanischen Steuerzahlern den Appetit auf weitere Ruhmestaten im All verdorben. NASA-Chef Thomas Paine mußte letzten Monat einschneidende Sparmaßnahmen verkünden; sie werden die US-Raumfahrt um Jahre hinter ihre ursprünglichen Planungen zurückwerfen:

  • 50 000 der 190 000 an Weltraumprojekten beschäftigten Amerikaner (1965 erreichte die Beschäftigung einen Rekord von 400 000) werden entlassen.
  • Die erste unbemannte Marslandung mit Viking-Raketen wird von 1973 auf (vorerst) 1975 verschoben.
  • Für die Konstruktion wiederverwendbarer Raumgleiter ist kein Geld vorhanden.

Die Etatkürzungen treffen die US-Luftfahrt- und Elektronikindustrie hart. Der Flugzeughersteller Boeing beispielsweise, der wegen der Verzögerungen bei der Auslieferung seiner Jumbo-Jets B-747 ohnehin schon hohe Verluste erleidet, muß mangels NASA-Aufträgen mehrere tausend Arbeiter und Ingenieure feuern. Der bitterste technische Rückschlag jedoch ist die Verzögerung der Raumgleiterentwicklung.