Karl Schiller promovierte 1936 an der Staats- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Heidelberg über das Thema: „Arbeitsbeschaffung und Finanzordnung in Deutschland.“ (Schillers Dissertation erschien 1936 im Junker und Dünnhaupt Verlag, Berlin, als Broschüre in der Schriftenreihe: Zum wirtschaftlichen Schicksal Europas. Arbeiten des Instituts für Sozial- und Staatswissenschaften an der Universität Heidelberg. II. Teil: Arbeiten zur deutschen Problematik, herausgegeben von Carl Brinkmann, 4. Heft.)

Mit seiner Doktorarbeit nahm Schiller ein hochaktuelles und – aus der heutigen Sicht – recht brisantes Thema auf. Wer dächte bei Arbeitsbeschaffung in den dreißiger Jahren nicht zunächst an Hitler, seine Autobahnen und die Aufrüstung?

Schiller jedoch untersuchte die „Entwicklung der staatlichen Arbeitsbeschaffung in Deutschland“ von 1926/27 bis 1932/33. Es ist eine streng theoretische, wissenschaftlich-objektive Arbeit; Reverenzen an den Nationalsozialismus sucht man darin vergebens. Eine Tatsache, die 1936 schon nicht mehr selbstverständlich war.

Über Arbeitsbeschaffung schreibt Schiller: „Unmittelbare Arbeitsbeschaffung ist demnach die durch staatliche Mittelhergabe vollzogene oder induzierte Investition und wird durch Einsatz auf der Ausgabenseite des Staatsetats eingeleitet.“

Weiter heißt es: „Die so verstandene Arbeitsbeschaffung soll in Beziehung zur ‚Finanzordnung‘ gesetzt werden.... Die ,Finanzen‘ des Staates und die ‚Finanz‘ des volkswirtschaftlichen Geldmarktes sollen hier einheitlich unter dem Blickpunkt der Arbeitsbeschaffung betrachtet werden, das heißt unter der Fragestellung, inwieweit sie an der Arbeitsbeschaffung mitwirken (Finanzierung der Arbeitsbeschaffung) und inwieweit sie selber und durch sie hindurch der ganze volkswirtschaftliche Gürtelkreislauf von der Arbeitsbeschaffung beeinflußt werden (Eingliederung der Arbeitsbeschaffung).“

Unzufrieden war Schiller mit den Arbeitsbeschaffungsaktionen und -plänen der Jahre 1926/27: „Aus diesen drei Gründen – Fehlen eines nicht nur propagandistischen, sondern auch etatmäßigen Sonderplanes der Arbeitsbeschaffung und ihrer Abwicklung, Verbindung der Arbeitsbeschaffungsfinanzierung mit der Überschußbewirtschaftung und ihre Basierung auf nicht realisierbaren Anleiheermächtigungen – wurde die damalige Arbeitsbeschaffungsaktion zu einem Bestandteil einer staatlichen Überinvestierungspolitik, die in dem Verlust ihrer Zusätzlichkeit, Einmaligkeit und ‚Außerordentlichkeit‘ dann zur finanzpolitischen Überbelastung führte...“

Für Schiller erfolgte der „erste entscheidende Vorstoß zur Arbeitsschlacht durch das ‚Erste Reinhard Programm‘ (Gesetz zur Verminderung der Arbeitslosigkeit vom 1. 6. 1933), in welchem für zusätzliche Vornahme öffentlicher Arbeiten eine Milliarde bereitgestellt wurde“.