DIE ZEIT

Amnestie

Viel schneller als erwartet hat die Bundesregierung ihren etwas unklaren Leitlinien zur Amnestie von Demonstrationsvergehen den Entwurf des Amnestiegesetzes selbst folgen lassen.

Schritt über die Schwelle

Allen Respekt verdient die westeuropäische Sechser-Gemeinschaft für ihren Brüsseler Schlußgalopp – die EWG hat nun die Schwelle von der Zollunion zur Wirtschaftsunion überschritten; jetzt werden die Verhandlungen über den englischen Beitritt vorbereitet und Perspektiven für eine politische Gemeinschaft entworfen.

Ein Machtwort

Im Zölibatsstreit klären und verhärten sich die Fronten. Die Aussicht auf einen sachlichen Dialog zwischen beiden Parteien scheint geschwunden, nachdem Papst Paul VI.

Der Streit um die Presse

Es war von vornherein klar, daß auf Mini Maxi folgen werde, und ebenso klar war, daß Springer eines Tages aus der Sündenbockrolle in eine Märtyrersituation befördert werden würde, denn die Menschen sind nun einmal von unbeständiger Art und finden nur im Wechsel Genugtuung.

Im Teufelskreis

Düstere Prognosen für den Ausbruch eines neuen Krieges im Nahen Osten gibt es genug. Gerade in den letzten Tagen haben Politiker in Ost und West warnend ihre Stimme erhoben.

Der Dialog hat begonnen

Der stellvertretende polnische Außenminister Jozef Winiewicz, der in der vergangenen Woche Staatssekretär Georg Ferdinand Duckwitz bei der ersten Runde des deutsch-polnischen Meinungsaustausches im Warschauer Außenministerium gegenübersaß, wird die Delegation auch im März führen, wenn die Verhandlungen fortgesetzt werden oder eigentlich erst richtig beginnen sollen.

Zwischen Usedom und Breslau

Die Gläser klirrten leise, als der polnische Hausherr seine schwere Hand auf den Tisch legte – mit einer Bewegung, die besagte, daß nun ein Ende sein müsse.

ZEITSPIEGEL

In Südkorea legt Staatspräsident Park auf strengste Sparsamkeit Wert. Er ließ die Lebensgewohnheiten von dreihundert leitenden Regierungsbeamten untersuchen.

Ein Rundfunkinterview von Conrad Ahlers hat zu einer Bonner Affäre geführt Hier nimmt der Regierungschef Stellung: Der Kanzler und die Gazetten

Ob es nun der tollste der drei tollen Tage ist oder ob es schon Aschermittwoch wäre, der Tag, an dem alle Tollheit vorbei ist: Zu dieser Stunde ist keine Frage so brisant wie die nach Willy Brandts Verhältnis zu publizierter Kritik und zu seinem kritisierenden wie kritisierten Meldegänger im Niemandsland zwischen Politik und Publizistik, zu Staatssekretär Conrad Ahlers.

Nixons Wahrheitsmaschine

Wenn jemand in Washington das Neueste an militärischen Nachrichten aus dem Pentagon erfahren wollte, konnte er noch vor einiger Zeit die Telephonnummer Oxford 5 – 6201 wählen und wie in der laufenden Ansage eines Wetterberichtes die von einer sonoren Männerstimme auf Band gesprochenen aktuellen Mitteilungen erlauschen.

Mitchells Fischzug

"Ein paar von uns werden wohl ins Gefängnis müssen", unkte dieser Tage Richard S. Salant, der Nachrichtenchef des Columbia Broadcasting System (CBS).

"Kolossale Möglichkeiten"

Das Ergebnis der Mission Emmel: Günstige Aussichten für technische Kooperation mit der Sowjetunion

Die Sowjets werden deutlich

Besorgt ist Berlins Regierender Bürgermeister Schütz darüber, daß die Sowjetunion ganz unverblümt weitere Störungen des Berlin-Verkehrs bei Tagungen von Bundestagsgremien in Berlin angedroht hat.

Frankreichs KP ohne Kraft

Mit der Verbannung von Roger Garaudy aus der Führungsspitze und der Wahl von Georges Marchais zum stellvertretenden Generalsekretär hatte der 19.

Wolfgang Ebert:: Liberale Party

Die Sechs von der APO hatte ich zu dieser Party nicht eingeladen. Wer lädt denn noch die APO ein – wenn es nicht gerade "Black Panther" sind? Aber an die kommt man bei uns schwer ran, weil sie immer gerade auf der Durchreise sind.

Die Feuerwehr des Ostblocks

Die Streitkräfte des Warschauer Paktes sind während des letzten Jahres insgeheim gründlich umorganisiert worden. Die wichtigste Veränderung besteht darin, daß ein Teil der Verbände im Alarmfall direkt einem sowjetischen Kommando unterstellt wird.

Was kostet der Beitritt?

Seit die Meinungsumfragen ein wachsendes Interesse der britischen Hausfrauen an den höheren Lebensmittelpreisen im Gemeinsamen Markt zeigen, ist die Labourregierung von den Befürwortern eines Beitritts in die EWG aufgefordert worden, das Feld nicht tatenlos den Gegnern zu überlassen.

Wie lange bleiben die GIs?

Für das künftige Verhältnis der USA zu ihren europäischen Verbündeten und für die Chancen und Gefahren der westlichen Entspannungspolitik läßt sich keine Perspektive mehr entwickeln, ohne daß nicht automatisch das Schlüsselproblem aufgeworfen wird: die Unwägbarkeit in der Frage einer ungeschmälerten amerikanischen militärischen Präsenz in Deutschland.

Diplomaten-Wünsche: Nur Kleinigkeiten?

Gewiß, sie sprechen nicht gern über das Geld. Wenn es jedoch darum geht, bewährte Privilegien zu verteidigen, dann geben sie ihre Zurückhaltung auf.

Justizlichter

Zwar glaubt der Kläger... aus Kegelfunden im Grabgewölbe eines ägyptischen Kindes aus der Zeit 5200 vor der Zeitenwende folgern zu können, daß Bowling zu den ältesten Spielen der Menschheit gehöre, doch hat das Spiel im deutschen Steuerrecht keine Tradition.

Südafrika: Armut von Gottes Gnaden

Was weiß eine Leserin der Regenbogenpresse von Südafrika? Nun, bestimmt nicht wenig von Professor Barnards Herzverpflanzungen und Herzensverwirrungen.

Arabische Führer attackieren die USA

Unter dem Eindruck verschärfter militärischer Auseinandersetzungen im Nahen Osten ist in Kairo das Gipfeltreffen der arabischen Staatschefs zu Ende gegangen.

Schon vier Gespräche Bahr-Gromyko

Entgegen mancher Vorhersagen hält sich der Staatssekretär im Bundeskanzleramt, Egon Bahr, weiterhin zu Gesprächen mit der Sowjetregierung in Moskau auf.

Dokumente der ZEIT

"Wir können nicht davon ausgehen, daß irgendwo ein Idealmodell (für den Kommunismus) besteht, das wir einfach auf unser Land anwenden können.

Papst legt Veto ein

Die heftige Kontroverse zwischen dem holländischen Episkopat und dem Heiligen Stuhl über die Zölibatspflicht (Pflicht der Priester zur Ehelosigkeit) ist gegenwärtig etwas leiser geworden.

Araber-Anschlag: Terror in Riem

Gleich zwei arabische Guerilla-Truppen haben für sich in Anspruch genommen, den Handgranatenanschlag auf den Flughafen München-Riem unternommen zu haben.

Dichter auf Lesereise

In diesen Wochen, die Öffentlichkeit merkt es kaum, geht mancher Schriftsteller auf einmal: Wohin, wozu? Heinrich Böll nannte es einmal: singen gehen.

Minister Leussinks Taktik

Alles in allem: Sensationen bieten Hans Leussinks vierzehn Thesen zum Hochschulrahmengesetz des Bundes nicht. Strenggenommen findet sich kaum ein Vorschlag, der nicht schon von irgendeiner Seite unterbreitet und dann in langer Diskussion hin und her gewendet worden wäre.

Laßt schlechte Gewissen blühen!

Auf unseriöse Weise reichen Leuten Geld zu entreißen, ist ziemlich schwierig; auf seriöse Weise an ihr Geld zu kommen, ist auch nicht leichter.

Kunstkalender

Die privaten Sammlungen aktueller Kunst in Baden-Baden spiegeln recht genau die kulturelle Situation des pensionierten Weltbads: Kleinstadt mit Ambitionen, Zwei-Sterne-Provinz.

Die Wiederbelebung der Sinne

Die Kunst ist vergesellschaftet", sagte John Cage kürzlich in seinen Ausführungen zum Thema Art and Technology 1969. "Kunst bedeutet nicht, daß jemand etwas sagt, sondern daß Leute etwas tun, daß jedermann die Chance gegegeben wird, Erfahrungen zu machen, die er sonst nicht gemacht hätte.

Rosenmontagserkenntnis

Zum Thema Frau hatte das Christentum schon immer eine gesund konsequente Einstellung. Es fing damit an, daß der liebe Gott ein Mann ist, eine Tatsache, an der auch Emmeline Pankhurst nichts ändern konnte, die es auf sich nahm, ihre Mit-Suffragetten wissen zu lassen: Trust in God.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Good Golly Miss Molly! Noch vor einem Jahr hätte sich doch niemand träumen lassen, daß die Vitalität des Rock ’n’ Roll der fünfziger Jahre so glorreich wiederauferstehen würde.

ZEITMOSAIK

Was in Frankfurt nicht zustande kam, kann jetzt in Berlin ausprobiert werden: ein neuer Typ von Theater unter kollektiver Leitung.

Kafkas sonderbare Liebe

als Essay, als literaturwissenschaftliche Analyse, als eine biographische Studie bezeichnen. Wie jede Kategorisierung stimmt es aber nur ungefähr.

Für Ideen weniger begabt

In seinem vor zwei Jahren auf deutsch erschienenen Tagebuch "Journal en miettes" und im Hinblick darauf hatte Ionesco von einer Forschungsreise durch einen undurchdringlichen Wald, von der "Suche nach mir selbst" gesprochen.

Verderbnis dem Heil zuliebe

Noch vor wenigen Jahrzehnten hatte die jiddische Literatur Millionen Leser, in Osteuropa und in Amerika. Die Juden Osteuropas sind heute furchtbar dezimiert, ihre Reste leben verstreut und von ihrer sprachlichen und religiösen, Eigentradition abgeschnitten.

KRITIK IN KÜRZE

"Mrs. Parkinsons Gesetz" von C. Northcote Parkinson. Wir sind heute an Sachbücher gewöhnt, die auf Tatsachen und Statistiken beruhen.

Liebe, Tod, Macht

Nur flüsternd habe sie an ihrem Hochzeitstag das altehrwürdige Gelöbnis herausgebracht, "im Bett und bei Tisch frisch und munter zu sein" und zu ihm zu halten "in guten und schlechten Tagen, in Reichtum und Armut, in Krankheit und Gesundheit, bis der Tod uns scheidet".

FILMTIPS

"Die Verdammten", von Luchino Visconti, ist kein Dokumentarspiel. Geschichte (die deutsche von 1933/34) wird beschworen in ihren authentischen Formen: Kostümen, Schlagern, Theater.

Konflikte vom Lande

Katholische Erziehung und die hohle Links-Phraseologie von Apo-Studenten: Ein hübscher Gegensatz, als dramatische Auseinandersetzung könnte das eine gute Geschichte werden.

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