Vor Monaten hatte Bernhard C. M. Rayers, Exmanager von Investors Overseas Services (IOS), lamentiert: IOS arbeite mit "Wildwestmethoden". IOS konterte: "Rayers ist ein Fall für die Gerichte."

Jetzt ging den beiden Streithähnen, die ihr Geld mit der Vermehrung fremder Leute Geld verdienen, offenbar der Atem aus. Bernhard Rayers und IOS-Boß Cornfeld schlossen in Genf einen Vergleich.

Ende Oktober vergangenen Jahres hatte Rayers seine Enthüllungen gemacht: IOS behandele Kundenaufträge unkorrekt. IOS-Vertreter müßten lange auf ihre Provisionen warten, der Kundenservice habe nachgelassen, und überdies verletze IOS das Bankgeheimnis.

Doch statt sofort mit Strafanzeigen zu erwidern, stieg IOS zunächst in eine juristische Prüfung. Dann wurde Rayers per einstweiliger Verfügung verboten, seine rufschädigenden Vorwürfe weiter zu verbreiten. Ferner bezichtigte IOS Rayers "unseriöser" Geschäftspraktiken und betrügerischer Machenschaften. Nun reagierte Rayers: er ließ IOS gerichtlich verbieten, ihn weiter zu beleidigen.

Als die gegenseitigen Vorwürfe vor Gericht geklärt werden sollten, geschah Unerwartetes: Rayers zog seine Verfügung zurück, und die Streiter gewannen Zeit. IOS sollte binnen eines Monats ordentlich Klage gegen Rayers erheben. Immerhin erfuhren die IOS-Kunden noch, daß beide Kontrahenten Strafanzeigen bei der Staatsanwaltschaft gestellt hatten. Das war der Stand im Dezember.

Jetzt im Februar kam die zweite Überraschung: IOS ließ wissen, Rayers habe sich verpflichtet, seine Vorwürfe als unbegründet zu widerrufen. Bernhard Rayers gibt freilich eine andere Version: "Ich war in Genf, und wir haben uns verglichen. Aber nicht für Geld."

Immerhin, Geld bekommt Rayers dennoch – sein eigenes nämlich. Er darf, nach eigener Aussage, wieder über seine von IOS bei Streitbeginn gesperrten Konten verfügen. Und zum Dank verpflichtete sich der langjährige IOS-Mitarbeiter, keine Aktivitäten mehr im "Verband der IOS-Geschädigten" zu entwickeln. Diese Organisation hatte Rayers für IOS-Kunden gegründet, die sich geprellt fühlten. Außerdem meint Rayers heute, IOS bezichtige ihn nun nicht mehr, strafbare Handlungen begangen zu haben.