Pro Kopf der Bevölkerung machen die Investmentanlagen in der Bundesrepublik rund 200 Mark aus, in der Schweiz sind es 580 Mark, in England 800 Mark und in den USA 900 Mark. Das Investmentsparen hat bei uns also erst begonnen. Kein Wunder, wenn sich immer neue ausländische Gruppen in das deutsche Geschäft einzuschalten versuchen. Oftmals mit Fonds, die direkt auf die Mentalität des deutschen Anlegers zugeschnitten sind.

Ohne Zweifel wird bei uns, meine verehrten Leser, "falsch" gespart. Der beste Beweis sind die hohen Sparguthaben mit "gesetzlicher Kündigungsfrist", bei denen der Zins nicht viel höher ist als die jährliche Kaufkraftentwertung der Mark. Immerhin kann aber seit etwa einem Jahr festgestellt werden, daß der Sparer zinsbewußter wird. Immer weniger geben sich mit niedrigen Zinssätzen zufrieden, sondern legen ihr Geld länger fest oder kaufen hochverzinsliche Wertpapiere.

Nun ist Investmentsparen keineswegs "die ideale Kapitalanlage", wie sie von Interessenten penetrant dargestellt wird. Es ist gut zu wissen, daß auch Fondsmanager nur mit Wasser kochen.

Alle Fondsmanager – und besonders diejenigen, die Anteile verkaufen wollen – tun stets optimistisch. Wenn Aktienkurse steigen, werden sie es – so wird behauptet – noch lange tun, so daß keine Zeit versäumt werden sollte, an der Hausse noch mitzuverdienen. Sinken die Kurse, dann ist ein "einmaliger Zeitpunkt" gekommen, sich einen "nie wieder so günstig werdenden Kaufkurs" zu sichern. Klappern gehört auch bei den Fondsleuten zum Handwerk ... Noch nie habe ich gehört, daß ein Fondsverkäufer geraten hat, mit dem Kauf von Investmentanteilen zu warten, weil man in einigen Monaten unter Umständen billiger einsteigen kann.

In ihren Verlautbarungen sind auch die deutschen Fondsunternehmen stets voller Zuversicht, wenn auch manchmal etwas gedämpft. Wie die künftige Börsenentwicklung tatsächlich von den Fonds beurteilt wird, erkennt man an ihren Anlageentscheidungen.

Dennoch sind die jetzt veröffentlichten Berichte der Deutschen Investment-Trust, Gesellschaft für Wertpapieranlagen mbH, Frankfurt/Main (der Dresdner Bank nahestehend), der Adig Investment und der Deutschen Kapitalanlagegesellschaft mbH (Deka) – zum Sparkassenbereich gehörend – aufschlußreich. Sie lassen erkennen, daß diese Fondsunternehmen ab Herbst 1969 nicht mehr an eine Fortsetzung der deutschen Aktienhausse geglaubt haben. "Wir hielten es für angebracht, einige Verkäufe vorzunehmen, um angemessene Barreserven aufzubauen. Diese konnten wir angesichts der angespannten Lage am Geldmarkt kurzfristig und hochverzinslich anlegen", meint dazu die Adig.

Es ist kaum anzunehmen, daß die Adig-Anlageexperten ihre grundsätzliche Einstellung schon geändert haben. Ihr Fonds Fondak hat übrigens von den deutschen Aktienfonds (sieht man von den beiden Spezialfonds Adiverba und Brauereifonds ab) 1969 am besten gewirtschaftet.