Trotz zahlreicher Hinweise aus der Bevölkerung ist es der auf 60 Beamte verstärkten Sonderkommission des Bundeskriminalamtes und des bayerischen Landeskriminalamtes bisher nicht gelungen, den Brandanschlag auf das jüdische Altersheim und Gästehaus in München zu, klaren. Bei dem Brand waren Ende der vergangenen Woche sieben ältere Menschen ums Leben gekommen. Die Ermittlungen konzentrieren. sich auf einen Ölkanister, der im Gebäude der israelischen Kultusgemeinde gefunden wurde. Für die Ergreifung der Täter wurde inzwischen eine Belohnung von 100 000 Mark ausgesetzt.

Der Anschlag ist im In- und Ausland mit Trauer und Empörung aufgenommen worden. Der Zentralrat der Juden in Deutschland forderte, nach den „mörderischen Anchlägen gegen unschuldige Menschen“ endlich die Konsequenzen „gegen die Drahtzieher und Organisationen zu ziehen, die zu derartigen Verbrechen anstiften“. Der Zentralrat äußerte die Auffassung, „daß die Quellen des Verbrechens in allen Orten durch Maßnahmen verstopft werden müssen, die der Größe der Gefahr für den Rechtsstaat entsprechen“. Bundesprisident Heinemann verurteilte den Anschlag auf das schärfste und erklärte, das Verbrechen sei um so scheußlicher, als es sich bei den Betroffenen um Menschen handele, die nach einem Leben voller Gefährdung endlich hatten Ruhe finden wollen. Der CSU-Vorsitzende Franz Josef Strauß gab unter anderem jener Politik eine Mitverantwortung an dem Brandanschlag, die „das Verbrechen und die Kriminalität nicht mehr unter Kontrolle hat“.

AufWunsch Bundesinnenminister Genschers wurden jüdische und israelische Einrichtungen in der Bundesrepublik unter verstärkten Polizeischutz gestellt. Ob zwischen dem Anschlag auf ein El-Al-Flugzeug in München und der Brandstiftung in dem Altersheim ein Zusammenhang besteht, konnte bisher nicht geklärt werden.

Wie die Münchner Staatsanwaltschaft mitteilte, wird der Prozeß gegen die arabischen Attentäter von München-Riem möglicherweise noch in diesem Jahr stattfinden. Die sechs noch im Krankenhaus liegenden Verletzten des Sprengstoff-Attentats befinden sich auf dem Wege der Besserung. Auch der Zustand der israelischen Schauspielerin Hannah Meron-Rechter ist zufriedenstellend.

Neben dem 24jährigen Ägypter Mohammed el Hanafi, der nach Angaben der Polizei die Handgranate in den Flughafenbus geworfen hat, sitzen noch die beiden Jordanier Abder Rahman Saleh und Mohammed Hadidi in Haft. Nach Aussagen eines der Attentäter hatten die drei Terroristen den Auftrag, die El-Al-Maschine zu entführen und sie auf einen libyschen Flughafen umzuleiten.