Es dauerte fast ein Jahr, bis die Stuttgarter Industriellenfamilie Bosch (Bosch-Witwe Margarete, Robert Bosch jun. und Schwester Eva Madelung) den angekündigten Verkauf ihrer „Stuttgarter Zeitung“ („SZ“) in die Tat umsetzte. Um so breiter hat sie jetzt ihre 86,5prozentige Beteiligung an dem renommierten Verlagshaus unters Volk gestreut.

Eine ganze Reihe von regionalen und lokalen Zeitungsverlegern hat sich zum geschätzten Preis von über 100 Millionen Mark bei dem florierenden schwäbischen „Leib- und Magenblättle“ (Pressedienst „facts“) eingekauft.

Jeweils etwas mehr als 29 Prozent erhalten:

der „Rheinpfalz“-Verlag in Ludwigshafen;

  • ein Verleger-Konsortium, bestehend aus der „Nordwürttembergischen Zeitung“ („NWZ“) in Göppingen und Lokal-Verlegern aus Ludwigsburg, Reutlingen, Pforzheim und Ulm;

die Hannoveraner Verlegerin Madsack („Hannoversche Allgemeine“).

Die restlichen 11 Prozent verteilen sich auf weitere Mitglieder des Verleger-Clans Madsack, auf den Mit-Verleger des „Münchner Merkurs“, Huck, und auf den Presserechtler Martin Löffler.

Die Transaktion erfolgte zu einem Zeitpunkt, als das Rätselraten um Verkaufsgründe und Kaufanwärter schon fast eingeschlafen war. Viel journalistischer Scharfsinn war vor allem auf die Frage verwandt worden, warum sich die Bosch-Sippe von dem einträglichen Verlagshaus trennen wollte. Man einigte sich schließlich auf die Formel, die Boschs wollten nicht zwischen Industrie- und Presseinteressen zerrieben werden.

Auf einen anschaulichen Nenner brachte es „SZ“-Mitgesellschafter Löffler: „Wenn in der ‚Stuttgarter Zeitung‘, sagen wir mal, der Schah von Persien angegriffen wird, dann sagt die Konkurrenz drüben in Persien: Hinter der Stuttgarter Zeitung‘ steht Bosch, kauft die Kühlschränke nicht beim Stuttgarter Zeitungs-Bosch.“

So konnte das Stuttgarter Verlags-Splitting wenigstens einen Entwicklungshilfe-Beitrag für die Provinz-Gazetten des Musterländles liefern. Es verschafft Lokal-Verlegern aus ganz Württemberg Minderheits-Anteile an den beiden großen Tageszeitungen des Landes, der „SZ“ und der „NWZ“ (verkaufte Auflage beider Blätter: um 150 000) und festigt die bestehende Verbindung zwischen den beiden Blättern: die „NWZ“ gehört zu 50 Prozent zum „SZ“-Verlag. Schließlich eröffnet es auch Querverbindungen zu den potenten Regionalzeitungen „Hannoversche Allgemeine“ und „Rheinpfalz“.

Mächtige Interessenten gingen dagegen leer aus. Sowohl Hans Dürrmeiers „Süddeutsche Zeitung“, die etwa ein Drittel des „SZ“-Konkurrenten „Stuttgarter Nachrichten“ (verkaufte Auflage bei 70 000) hält, als auch Georg von Holtzbrinck („Handelsblatt“, „Christ und Welt“) blieben draußen vor der Tür.

hei