DIE ZEIT

Das Gesetz des Handelns

Die Opposition hat ganz recht, die Deutschlandpolitik ist auf die schiefe Ebene geraten – nur: Sie rutscht nicht erst seit gestern ohne Haltepflöcke immer weiter abwärts.

Geknebelte Gerechtigkeit

Mit Gerechtigkeit hat das Urteil von Chicago offenbar weniger zu tun als mit Rache. Und gerächt wurden nicht Taten, die schwere Sühne verlangt hätten, sondern Beleidigungen, Provokationen und Unbotmäßigkeiten, die unter die Rubrik "Ungebühr vor Gericht" fallen und in jedem Rechtsstaat mit mäßigen Ordnungsstrafen belegt werden.

Probe aufs Exempel

Schneller als gedacht und konzilianter als erwartet hat der Gewerkschaftsbund der DDR auf das Gesprächsangebot des DGB geantwortet.

Keine Prämie für Gewalt

Eines haben die mörderischen Terroristen mit ihren Anschlägen auf Zivilmaschinen immerhin erreicht: Einige Fluggesellschaften haben den Luftverkehr nach Israel – mindestens was Post- und Frachtsendungen anbetrifft – Beschränkungen unterworfen.

Das Superding

Am Montag dementiert, am Dienstag zugegeben: Axel Springer gibt seine Alleinherrschaft auf. Mag sein Motiv Resignation oder die Drohung mit einer Lex Springer aus Bonn sein – der Hamburger Großverleger hat sich einen völlig unpolitischen, dafür aber tüchtigen Geschäftsmann als Partner geholt: Reinhard Mohn, Alleininhaber des Bertelsmann-Verlages.

Was vom Kontrollrat übrigblieb

Wann ist denn der Alliierte Kontrollrat gestorben? Das war noch in der zweiten Hälfte der vierziger Jahre, so sprach der SED-Vorsitzende Walter Ulbricht kürzlich in seiner Pressekonferenz.

ZEITSPIEGEL

Zum Zeichen ihrer Aufgeschlossenheit für die nachwachsende unruhige Generation hat die Kölner CDU als Kandidaten für die Landtagswahl im Juni den früheren AStA-Vorsitzenden an der Kölner Universität, Klaus Laepple, aufgestellt.

Senator mit dem Heiligenschein

Lebte der Renaissancemaler Giovanni Bellini in der Gegenwart und suchte ein Modell, um Franz von Assisi zu malen, würde er dafür kaum eine ausdrucksvollere Gestalt, kaum ein eindringlicheres Gesicht finden als das des demokratischen Senators Michael J.

Ein zarter Hauch von Polemik

CDU-Ministerpräsident Kohl aus Rheinland-Pfalz schüttelte den Kopf, als der Hamburger Senator Heinsen den Regierungsentwurf des Städtebauförderungsgesetzes lobte.

Nicht mehr auf de Gaulles Spuren

Gewiß kann jeder Versuch, die Beziehungen zwischen beiden Ländern zu verbessern, von der Erwartung ausgehen, daß solche Gefühle zwar verschüttet wurden, aber durchaus wieder freizulegen sind.

Nixon hält die Türen offen

Präsident Nixon ließ es an Aufmerksamkeiten und Huldigungen für seinen französischen Gast Pompidou nicht fehlen. Zur Übernachtung stellte er dem Staatspräsidenten nach der Ankunft in Washington das Quartier in Camp David zur Verfügung; er entsandte Vizepräsident Agnew an den Flugplatz, ließ die "traditionelle französisch-amerikanische Freundschaft" beschwören und empfing den Nachfolger de Gaulles im Weißen Haus mit besonderen Ehren.

Später Abschied

Es hängt mit dem aufziehenden Wahlkampf zusammen: Alle Verlautbarungen des britischen Kabinetts werden sehr viel schärfer unter die Lupe genommen, als sie es eigentlich verdienen.

Gereizter Ton

Zumindest auf dem weiten Feld der Innenpolitik hat sich die erste Lesung des Bundeshaushalts nicht zu jener Generaldebatte entwickelt, die für eine Aussprache über das in Zahlen gefaßte Regierungsprogramm charakteristisch sein sollte.

Bomben auf die "rote Flut"

Es ist merkwürdig, wie Nachrichtenagenturen und Tageszeitungen in der Bundesrepublik alle Jahre wieder auf Tartarusnachrichten aus dem fernen Laos hereinfallen.

Polemische Töne

Es sieht jetzt ganz so aus, als würde es tatsächlich zu einem Gespräch zwischen Bundeskanzler Brandt und Ministerpräsident Stoph kommen.

Rom verlangt Disziplin

Der Hieb trifft den Nagel auf den Kopf: "Statt sich mit aller Kraft der Verkündigung des Evangelismus in den Gemeinden und dem Dienst für Frieden und Gerechtigkeit zu widmen, streitet unsere Kirche um ein Disziplinargesetz.

Wolf gang Ebert:: Staatstheater Bonn

Nach altem gutem Theaterbrauch – man führt ihn auf Max Reinhardt zurück – soll einem neuen Ensemble eine Schonfrist von 125 Tagen gewährt werden, was beim Bonner Staatstheater um so angebrachter ist, als hier auch gleich die Intendanz mit ausgewechselt wurde.

Glück per Zahlkarte

Die "Westfälische Rundschau" in Dortmund berichtete exklusiv, und ihre Redakteure hatten den ersten Ärger. Bis zum Vormittag um 11 Uhr registrierte die Telephonzentrale über 400 Anrufe empörter Leser.

Nur ein mattes Helau

Morgens um zehn Uhr war die Welt des Karl Reismann noch in Ordnung. Galant komplimentierte er seine Gäste in ein renommiertes Düsseldorfer Café.

Das ewige Zünglein

Für Bayern wäre es nicht schlecht, das Bonner Regierungsbeispiel zu übernehmen, meinte kürzlich ein schwäbischer FDP-Abgeordneter.

Ein Land ohne Gesetzbuch

Das befohlene Chaos" – "Maos letzte Revolution" – "Maos persönliche Revolution" – "Maos zweite Revolution" – so lauten westliche Bezeichnungen für die "Große Proletarische Kulturrevolution" in China.

"Steckbriefe"

Die Zahl spielt besonders in der Wirtschaftsgeographie eine große Rolle.....................................................

Exodus 1970

Immer noch wandern täglich etwa zehn Juden aus Polen aus. Sie hinterlassen nicht nur ihre ganze Habe, sie hinterlassen auch die Heimat, die sie niemals wiedersehen können.

Tragödie des guten Glaubens

Im Herbst 1966, im Frühjahr 1967, als der israelisch-arabische Konflikt wieder einmal hochgespielt wurde oder sich selbst hochspielte, bemühte sich neben anderen auch Jean Paul Sartre, die feindlichen Brüder im letzten Augenblick doch noch an einen Tisch zu bringen – wenigstens die Linken, wenigstens für eine Diskussion.

B-52 bombardieren laotische Hochebene

Die seit Jahren schwelende Krise in Laos ist in ein gefährliches Stadium getreten. Nach der Rückeroberung der strategisch wichtigen Hochebene der Tonkrüge durch nordvietnamesische Streitkräfte werden in der laotischen Hauptstadt Vientiane weitere Vorstöße der Nordvietnamesen erwartet.

Dokumente der ZEIT

Sehr geehrter Herr Vorsitzender, Ihr Schreiben vom 11. Februar 1970 und die darin enthaltene Einladung zu einem Gespräch habe ich dankend zur Kenntnis genommen.

Sturz Husseins verhindert

Die Auseinandersetzungen zwischen der jordanischen Regierung und den palästinensischen Guerilla-Organisationen, die zum Sturz König Husseins zu führen drohten, sind vorläufig beigelegt worden.

Presse-Debatte: Prinzipiell einig

Presse- und Informationsfreiheit müssen gewahrt bleiben und das Recht der Meinungsfreiheit muß auch die Pflicht zur wahrheitsgemäßen Information einschließen.

Empörung über Terrorwelle

Weltweite Empörung und verschärfte Sicherheitsmaßnahmen auf vielen Flughäfen haben der Absturz einer Verkehrsmaschine der Swissair bei Würenlingen in der Schweiz und der Sprengstoffanschlag auf ein Flugzeug der österreichischen Verkehrsgesellschaft Austrian Airlines, das in Frankfurt am Main gestartet war, ausgelöst.

Nixon-Botschaft: Kreml: Alte Ziele

"Unveränderte Zielsetzungen" seiner Politik hat die sowjetische Regierung Washington im Zusammenhang mit dem Bericht des US-Präsidenten über "die amerikanische Außenpolitik der siebziger Jahre" vorgeworfen.

Ungewißheit in Hannover

Nach fünfjährigem Bestehen ist zu Beginn der Woche die SPD/CDU-Regierungskoalition in Niedersachsen auseinandergebrochen. Der Bruch, der bereits seit mehreren Tagen erwartet worden war, wurde mit der Entlassung der vier CDU-Minister im niedersächsischen Kabinett durch den sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Georg Diederichs besiegelt.

Wozu studiert man eigentlich Politische Wissenschaft?

Als die konservativen Kritiker der studentischen Protestbewegung die Entdeckung machten, daß die intellektuellen Wortführer der studentischen Aktivisten sich zu einem nicht geringen Teil aus Studenten der Soziologie und Politikwissenschaft rekrutierten, war für sie damit das Urteil über diese modernen Wissenschaften gleich mitgesprochen.

Der Reiz des Untypischen

Eine wunderschöne Privatsammlung ist im Wallraf-Richartz-Museum zu sehen. Ich meine jetzt nicht die Sammlung Dr. Peter Ludwig, diese imponierendste aller Dauerleihgaben, dieser risikofreudige Einstieg eines Privatmannes in die Kunst der 60er Jahre, sondern die Sammlung Dr.

Die neuen Herren der Universitäten (I): Erwünscht: fast ein Messias

NINA GRUNENBERG: Sie waren der erste Hochschulpräsident, der in der Bundesrepublik gewählt wurde. Dafür haben Sie sich im Audimax der Hamburger Universität einer Prüfung unterziehen müssen, bei der Sie nicht nur von den 130 Mitgliedern der Wahlversammlung examiniert wurden, sondern auch vom studentischen Publikum.

ZEITMOSAIK

Achtzehn Monate Gefängnis erhielt der tschechoslowakische Schriftsteller und Journalist Ota Filip wegen "krimineller Vergehen gegen das tschechoslowakisch-sozialistische Staatssystem".

Kunstkalender

150 Arbeiten von neun Moskauer Künstlern aus der Generation der Dreißig- bis Vierzigjährigen – so umfangreich und so eindeutig in der Ablehnung des sozialistischen Realismus, der sich im russischen Beitrag zur Biennale in Venedig und in jeder offiziellen Darbietung heutiger russischer Kunst als die oberste Maxime zu erkennen gibt, sind russische Künstler in der Bundesrepublik noch nicht in Erscheinung getreten.

Gefühle ohne Folgen

so umfangreich geworden. Ein Schriftsteller, dessen Bücher bisher wie mit der Konditorspritze geschrieben wirkten, hat möglicherweise zeigen wollen, daß er seinen Lesern beides bieten kann: Brot und Wortspiele.

Aus dem Geist der Geometrie

Um die Wende vom zweiten zum ersten vorchristlichen Jahrtausend gab es in Griechenland keine Kunst von nennenswerter Höhe: Die untergegangene minoisch-mykenische Kultur verdämmerte in letzten Ausläufern.

Kakanische Gespenster

Ein alter Mann, ein Schriftsteller, liegt in einem Krankenzimmer und gibt sein Leben zu Protokoll. Seine früheste Kindheitserinnerung ist ein Todesfall.

KRITIK IN KÜRZE

"Frauen – Versuche zur Emanzipation" von Erika Runge. Vom Dichter, der dem Volk aufs Maul schaut, unterscheidet sich Erika Runge dadurch, daß sie angesichts sprechender Menschen das Tonbandgerät auf Aufnahme schaltet.

Fernsehen: Söhne und Väter

Wie da jemand zurückkehrt zu den Plätzen der Kindheit, im Treppenhaus den Linoleum- und Bohnerwachsgeruch wiedererkennt, sich in der Schulturnhalle, zwischen Sprossenwand und Bismarck-Statue, an alte Lehrer erinnert, auf einem Türschild den verblichenen Namen der Concierge, des Portiers, des Vizen entziffert, auf Brandmauern Reste uralter Reklametexte zu einem Slogan der zwanziger Jahre ergänzt: so meisterlich ist das von der Literatur beschrieben worden, dieses Heimkehrritual und melancholische Erinnerungsspiel, daß der Versuch, an Hand eines Klassenphotos eine Volksschulklasse der zwanziger Jahre zu rekonstruieren, schon ein wenig vermessen erscheint.

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