Die Fahrer von Tanklastwagen, die Milch und Benzin nach West-Berlin bringen wollten, verstanden die Welt nicht mehr. Ohne jede Begründung verlangten die DDR-Zöllner plötzlich. 85 Mark Autobahngebühren, während bisher nur 30 Mark gezahlt werden mußten.

Tankwagen gelten als Spezialfahrzeuge, für die ein besonderer Autobahntarif gefordert wird. Plötzlich mußte jedoch eine Gebühr bezahlt werden, die sich nach dem Gewicht der Fracht richtete. Aber nicht alle Fahrer mußten tiefer in die Tasche greifen, und nicht an allen Berlin-Zufahrten wollte die DDR mehr kassieren.

Ein Abgesandter des Güterfernverkehrs, der sich am DDR-Kontrollpunkt Drewitz nach den Ursachen für diese konfuse Gebührenpolitik erkundigen wollte, wurde dort an den Senat in West-Berlin verwiesen, der seinerseits eine offizielle Anfrage an die DDR-Regierung richten solle. Einen Tag später kassierten die östlichen Zöllner wieder die alte Gebühr. Es sei alles ein Irrtum gewesen, hieß es.

Allzuviel wäre durch eine solche punktuelle Gebührenerhöhung auch nicht zu erreichen gewesen. Bei den rund 150 Millionen Mark, die die DDR allein im Berlin-Verkehr jährlich einnimmt, wäre sie kaum zu Buche geschlagen.

In diesen 150 Millionen ist dabei noch nicht die Summe enthalten, die die Reichsbahn der DDR für anteilige Frachten im Güterverkehr und für den Fahrkartenverkauf im Personenverkehr einnimmt. Seit der Erhöhung der DDR-Frachten und der Einführung eines gespaltenen Frachttarifs im Interzonenverkehr Mitte 1965 betragen die Einnahmen der Reichsbahn im Berlin-Verkehr rund 40 Millionen Mark jährlich.

Die mit Abstand größten Westgeldeinnahmen kassiert die DDR an den Autostraßen. Allein von den Lastkraftwagen, die zwischen Berlin und Westdeutschland verkehren, nahm die DDR 1969 rund 36 Millionen Mark Straßenbenutzungsgebühren ein. Hinzu kommt eine Steuerausgleichsabgabe, die Mitte 1968 gleichzeitig mit dem Visumzwang eingeführt worden ist und im letzten Jahr 38,4 Millionen Mark einbrachte. Die Visagebühren, die die Lastwagenfahrer zuzahlen haben, summierten sich 1969 auf 2,1 Millionen Mark.

Von den Fahrern von Personenwagen verlangte die DDR 1969 für rund 35 Millionen Mark Visagebühren. Von den 7,2 Millionen Reisenden auf den Transitwegen durch die DDR und den 1,1 Millionen Besuchern der DDR wurden im vergangenen Jahr weitere 52,8 Millionen Visagebühren eingenommen.