Zukunftsforscher empfehlen, sich allmählich auf technisch hergestellte Ernährung umzustellen, weil immer mehr Anbauflächen durch die zunehmende Verstädterung verlorengingen und ein Ende der weltweiten Bevölkerungsexplosion noch nicht abzusehen sei.

Die deutsche Hausfrau aber will von chemischer Nahrung nichts wissen. Ein Produkt aus Sojabohnen, auf Fleischgeschmack getrimmt, das im Sommer 1968 als TVP (Textured Vegetable Protein) auf den Markt kam, hat zwar viel Furore, aber keinen Umsatz gemacht. Ende letzten Jahres wurden allenthalben die Restbestände verramscht: Ein Paket des Kunstfleisches, das bei der Einführung noch 2,98 Mark gekostet hatte, wurde vom Kaufhof für 1,65 Mark, von der Kaufhalle gar für 75 Pfennig losgeschlagen.

Die deutsche Vertriebsfirma Nähr-Engel aus Darmstadt sieht die Schuld für den Fehlschlag bei den Verbrauchern: "Die Hausfrau hat gravierende Fehler gemacht, sie hat zuwenig gewürzt." Der Leiter der Fleisch-Abteilung in der Kaufhof-Zentrale zu Köln, Alfred Krämer, weiß es besser: "Es ist kein Artikel für eine Wohlstandsgesellschaft."

Dank der schlechten Erfahrungen mit TVP verfolgen die Warenhaus-Einkäufer mit einiger Skepsis die Bemühungen der amerikanischen Firma Bauer International, die mit einem breiten Sortiment "simulierter Fleischerzeugnisse" auf den deutschen Markt drängt. Bauer bietet tiefgefroren und in Dosen Soja-Fertiggerichte nach Art von Steak, Hackfleisch, Frikadellen, Truthahn oder Schinken.

Freilich, solange noch Meldungen über Butterberge und Getreidehalden zum Frühstücksei serviert werden, wird dem Normalverbraucher nicht einleuchten, daß er auch noch technisch hergestelltes Eiweiß goutieren soll. Ganz anders sieht es in den Entwicklungsländern aus. Die Kinder mit aufgequollenen Bäuchen und spindeldürren Beinen, deren Bilder durch die Weltpresse gehen, sind Opfer des Eiweißmangels, an dem jährlich Hunderttausende zugrunde gehen.

An eine schnelle Hilfe durch die Mehrproduktion konventioneller Nahrungsmittel ist vorerst nicht zu denken. Zwar hat sich hier eine Wende vollzogen: Während bis 1967 die Nahrungssteigerung noch hinter dem Bevölkerungszuwachs einherhinkte, läßt sich dem neuen Jahresbericht der FAO (Food and Agriculture Organisation) der Vereinten Nationen entnehmen, daß die Nahrungsmittelproduktion 1968 mit drei Prozent stärker wuchs als die Weltbevölkerung mit zwei Prozent.

Dennoch: Die schnellste Möglichkeit, den Hunger zu stoppen, ist die Herstellung von Protein in den Entwicklungsländern. Die Forschung hat in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Verfahren geliefert. Protein-Fabriken werden bald auf der ganzen Welt arbeiten – allerdings nicht in Entwicklungsländern.