Wirtschaft

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Feuilleton

Ein Medium kommt auf die Welt

Beim Telephon dauerte es fündundsechzig Jahre, beim Radio nur noch fünfunddreißig und beim Fernsehen vierzehn: Immer mehr schrumpfte die Zeitspanne zwischen der Entdekkung der technischen Grundlagen und ihrer praktischen Anwendung.

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DIE ZEIT

Bonns Schlüsselrolle

Bundeskanzler Willy Brandt hat in den USA eine unverändert gute Presse.Große Blätter wie die New York Times überschütten ihn nach seinem Besuch in England mit Lob.

Protokoll?

Herbert Wehner meinte neulich, Protokollfragen seien ihm total gleichgültig – eine Ansicht, die in der westlichen Welt nicht geteilt und im Osten nicht praktiziert wird.

ZEIT-Serie

Vor zwei Jahren begann ein Arbeitskreis von jungen Professoren, Assistenten und Studenten, sich mit einem Projekt zu beschäftigen, das jetzt abgeschlossen vorliegt.

Bekennermut

In Berlin wird es fortan zwei evangelische Kirchen geben. Die Regionalsynode Ost, die schon seit 1959 amtierte, setzte dieser Tage das Siegel unter diese Scheidung.

Im Eisschrank

Mit aller Blauäugigkeit der gekränkten politischen Unschuld ließ Ostberlin Anfang der Woche in einer offiziellen Erklärung wissen: "Von unserer Seite ist alles klar.

ZEITSPIEGEL

"Die Anklage erhebt die Dummheit, zu Gericht sitzt das Vorurteil, nur um subjektiv dieses Würstchen zu schützen und um objektiv einen Stützpfeiler dieser Gesellschaft nicht in Frage zu stellen.

Die Spionin, die aus dem Vorzimmer kam

Die Verblüffung hält noch an. Die Bundes-Bonner kennen sich zu gut, als daß vielen von ihnen nicht auch Irene Schultz, Minister-Vorzimmerdame der Herren Lenz, Stoltenberg und Leussink, bekannt gewesen wäre.

Stophs Zeit kommt noch

Der DDR-Ministerpräsident hält mehr von Wissenschaftlern als von Funktionären

Zwischen Haß und Bewunderung

Wenn ich je übertrieben habe im Haß und in der Bewunderung, dann gegenüber Deutschland und den Deutschen. Ich nehme an, daß nicht einmal die Deutschen selbst von diesem Zwiespalt verschont geblieben sind.

Sperre für Djilas

Ein Gewehr aus Deutschland hatte es Tito angetan – eine Jagdflinte, die ihm eine anhängliche Gastarbeiterin aus der Bundesrepublik geschenkt hatte.

Eine vertrackte Erbschaft

Fritz-Rudolf Schultz, der neue Wehrbeauftragte des Bundestages, am Mittwoch vom Parlament gewählt, übernimmt eher eine vertrackte als eine strahlende Erbschaft.

Bayern hat eine Landrätin

Fast die Hälfte (1,3 Millionen) der stimmberechtigten Bewohner Bayerns war am vergangenen Sonntag aufgerufen", für die nächsten sechs Jahre Oberbürgermeister, hauptamtliche Erste Bürgermeister und Landräte zu wählen.

Rechenkunststücke in Hannover

Eine Frau brachte alles durcheinander. Erst hatte die niedersächsische Landtagsabgeordnete Maria Meyer-Sevenich durch ihren demonstrativen Übertritt von der SPD zur CDU für neue Zahlenkombinationen und klare Machtverhältnisse gesorgt.

Wolfgang Ebert:: Mirage muß man haben

Neulich kam Oberst Knassif, der Staatschef von Nuzari – er war schon zwei Monate im Amt und hatte vier Putschversuche und sieben Attentate überlebt – von einem Staatsbesuch in Gursawa zurück, wo er seinen Kollegen, Prinz Junamed besucht hatte.

Nixons zweites Vietnam?

Es ist schwer, sich aus einem Krieg herauszuhalten, in den man schon seit Jahren verwickelt ist. Diese Situation ergab sich für Präsident Richard Nixon, als die Beteiligung seiner Landes an den Kämpfen in Laos, die seit Jahren ein offenes Geheimnis ist, aber offiziell niemals eingestanden wurde, unter dem Druck der Opposition im Kongreß vom Weißen Haus zugegeben und erläutert werden mußte.

Ehmkes Beutezug im Kanzleramt

Alfred Krause, der Bundesvorsitzende des Deutschen Beamtenbundes, spielte Kassandra. Er warf der Regierungskoalition vor, sie billige "das an einseitigen Machtmißbrauch und Willkür grenzende Verhalten" des Kanzleramtschefs, und er malte in düsteren Farben die Gefahren für die Demokratie, wenn eine Partei in den Staat hineinregiere.

BIBLIOGRAPHIE

Habermas ist Herausgeber der Abteilung "Soziologie" der Neuen Wissenschaftlichen Bibliothek, Kiepenheuer & Witsch, Köln 1965 ff.

Das "ich" in Dahrendorf

Nach der im Januar geänderten Geschäftsordnung der Bundesregierung wird ein Bundesminister bei Erklärungen vor dem Bundestag und Bundesrat sowie in Kabinettssitzungen durch seinen Parlamentarischen Staatssekretär vertreten.

Moskau: Achtes Treffen

Zum achtenmal ist der Staatssekretär im Bundeskanzleramt, Egon Bahr, zu Beginn dieser Woche in Moskau mit dem sowjetischen Außenminister Gromyko zusammengetroffen.

Warschau: "Sehr freundlich"

In einer Atmosphäre, die "wie gewöhnlich sehr freundlich" war, sind nach Auskunft von Staatssekretär Duckwitz vom Auswärtigen Amt die deutsch-polnischen Gespräche in Warschau wiederaufgenommen worden.

--Dokumente der ZEIT --

"Von unserer Seite ist alles klar. Das Treffen zwischen dem Vorsitzenden des Ministerrats, Willi Stoph, und dem Bundeskanzler, Willy Brandt, kann zu jedem Zeitpunkt stattfinden.

Plädoyers für Minderheiten

Bundespräsident Heinemann bezeichnete es in seiner Rede als notwendig, das Bewußtsein der "Verantvortung für den Mitbürger und Mitmenschen, vor allem für die Minderheiten der Andersdenkenden und Andersgearteten zu fördern".

Probleme der Soldaten

Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren hat der Jahresbericht 1969 des Wehrbeauftragten bei den im Bundestag vertretenen Parteien nahezu einmütige Zustimmung gefunden.

Spionage-Affäre: Folgen unabsehbar

Die unter schwierigen Umständen geglückte Entdeckung des Spionagedreigespanns Irene Schultz – Dr. Heinrich Wiedemann – Liane Lindner wird in Bonn als ein respektabler Erfolg des Verfassungsschutzes betrachtet.

Streit um den Reiseweg

Nach vier Begegnungen zwischen dem Bonner Ministerialdirektor Ulrich Sahm und dem DDR-Beauftragten Gerhard Schüßler sind die technischen Vorbereitungsgespräche für ein Treffen Brandt-Stoph an einem kritischen Punkt angelangt: bei der Auseinandersetzung um den Reiseweg des Bundeskanzlers von und nach Ostberlin.

Ein Volk von Führern

Wir stehen am Beginn einer Reihe fünfundzwanzigjähriger Gedenktage des Kriegsendes. Nicht für jeden war es der 8. Mai. Für viele von uns kann es durchaus der 1.

Kopit-Erstaufführung in Hamburg: Revue der ewigen Jagdgründe

Vor einigen Jahren, als im Theater noch vorwiegend jene Weihestimmung herrschte, die den Zuschauer selbst seine Langeweile als Kunsterlebnis konsumieren ließ, da sehnte man sich nicht selten nach befreienden Zwischenrufen: sie sind ganz gewiß ein Teil eines Mündigkeitsprozesses im Theater.

Ballett-Premiere in Stuttgart: Illusion der Gefühle

Das Stuttgarter Ballett bot seine durchschnittliche Leistung, einen Abend von Weltrang. Man staunt nicht mehr darüber, wenn Kenneth MacMillan dort seine besten Ballette mit der Uraufführung eines "Fräulein Julie" einholt oder vielleicht übertrifft; und man findet es ganz in Ordnung, daß dazu John Cranko, gleichsam als kleines Präludium, mit makelloser Eleganz, Musikalität und Versenkung neun Préludes von Debussy Choreographien, von denen man keines vergessen wird.

Ein Schauspieler, eine Rolle (I): Sklave Caliban

Mit dem Porträt von Oswald Fuchs als Caliban beginnen wir eine Reihe von Schauspieler-Porträts, die in der analytischen Beschreibung einen Eindruck von den schauspielerischen Mitteln und Fähigkeiten des gegenwärtigen deutschsprachigen Theaters geben soll.

Sonntags bei den Kreisands

Wieder einer dieser gemütlichen Sonntage bei den Kreisands. Frau Kreisand sagt: harmonisch. Das Wetter ist ihr nicht unwichtig, sonntags hat sie es gern etwas schummrig.

Inflation des Ausdrucks

Verblüfft steht der Betrachter vor Picassos "Sitzendem Mann mit Glas" (1914), einem Gemälde, in dem der Übergang von der rational organisierten Dingkomposition des synthetischen Kubismus zu den nur noch aus übereinandergelagerten Flächen aufgebauten Werken ("Harlekin", 1915) sichtbar wird: Was hat dieses verspielte Bildpuzzle, das die Erscheinungsform der Objekte in die Zeichensprache einer Kunstwirklichkeit transponiert, die weder Wiedergabe eines Eindrucks noch Ausdrucksgebärde ist, mit jener Art von Weltbewältigung zu tun, die man "expressionistisch" nennt? Sollen die aus Farbtupfern gebildeten Dreiecke und Parallelogramme als "fauvistische" Reflexe interpretiert werden, soll man in dem aus gereihten Linien entstandenen Kreissegment die abstrahierende Umsetzung Munchscher Angstschiffren vermuten? Durch Picassos Gemälde aufmerksam geworden, begibt man sich – nicht ohne Erfolg – auf die Suche nach weiteren Fremdgängern, stellt sich die Frage, ob die Rahmenkonstruktion nicht doch ziemlich brüchig ist.

Verbrüderung

Das war der gegebene Anlaß: nicht das inzwischen zum schönen Brauch gewordene Kriegsbeil zwischen Köln und Düsseldorf wieder einmal auszugraben, sondern hochoffizielle Verbrüderung zu feiern bei der Eröffnung einer ersten "Westdeutschen Kunstmesse Köln–Düsseldorf" auf dem Düsseldorfer Ausstellungsgelände.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Wir spielen den Blues seit zweiundzwanzig Jahren, und das ist eine ganz schön lange Zeit", sagte John Mayall, dessen Gruppe, die "Bluesbreakers", sich als eine Brutstätte für nachmals erfolgreiche Gitarristen erwiesen hat.

Aus den Hauptstädten der Welt: Addis Abeba – alte Armut

Auf dem Red Cross Festival, das Anfang Dezember stattfand, trafen sich die Reichen der Stadt. Sie kauften in den von verschiedenen Nationen (unter anderem von der Bundesrepublik, der Schweiz, Frankreich, Indien, Polen und der UdSSR) eingerichteten Pavillons Waren, die sonst nur selten und teuer in Addis Abeba angeboten werden.

FILMTIPS

"Das Arrangement", von Elia Kazan. Ein erfolgreicher Werbefachmann in mittleren Jahren (Kirk Douglas) macht eines Tages nicht mehr mit: Er riskiert mutwillig sein Leben, brüskiert seine Umgebung, spielt verrückt, läßt sich entmündigen.

ZEITMOSAIK

Für das Entsetzen des Lebens, dessen sich die meisten zum Glück nur manchmal, einige wenige aber, von inneren Mächten als Zeugen eingesetzt, immer bewußt sind, gibt es nur einen Trost: seine Einbeziehung in das Entsetzen vorangegangener Zeugen.

Obszönes für Sexmuffel

Im Klima der herrschenden Moral ist noch der Affront gegen sie von ihr selber geprägt

KRITIK IN KÜRZE

"Repressive Familienpolitik* – Sexualunterdrückung als Mittel der Politik", von Dietrich Haensch. Was Hannes Schwengers Sexologie-Buch "Antisexuelle Propaganda – Sexualpolitik in der Kirche" in bezug auf die christlichen Stützen unserer Gesellschaft leistete, leistet der Berliner Politologe Dietrich Haensch in bezug auf die dezidiert politischen (personifiziert in den früheren Familienministern Wuermeling und Heck).

Neues von den Makabräern

Seit sich die moderne Medizin bemüht, dem Tod ein wenig von seinem Schrecken zu nehmen, scheint das Leben eben dieses Quantum Schrecken hinzugewonnen zu haben.

Diskussion über die Nachfolger Adornos: Was wird aus der Frankfurter Schule?

Zumindest ein Teil jener Studenten, die noch vor einem Jahr ihren Lehrer Theodor W. Adorno befehdeten, weil er sich von manchen Praktiken der neuen Linken distanzierte, scheint nun, nach Adornos Tod, größten Wert darauf zu legen, daß zum möglichen Nachfolger ein kompromißloser Anhänger der von Horkheimer und Adorno begründeten "Frankfurter Schule" berufen wird.

Fernsehen: Sie spielten mit

Ja, so war es besser, so gewannen die Notizen vom Nachbarn endlich Authentizität. Statt die Alltagsakteure Kameras und Kabel vergessen zu machen, sie – mit mehr oder minder großem Erfolg – auf "natürlich" zu stimmen und als diskret auszugeben, was durchaus öffentlich ist, machten Bittorf und Busse (Autor und Kameramann) in ihrer Reportage über einen Hausabbruch gar nicht erst den Versuch, dort Interieur vorzuspielen, wo es um Schaustellung ging.

Kunstkalender

Unaufhaltsam hat sich Graevenitz über Zero, Mouvement, Responsive Eye und documenta in die Spitzengruppe der Kinetik vorangearbeitet.

Und wenn die nächste Krise kommt...

ZEIT: Die Bundesbank hat am Freitag die härteste Entscheidung in ihrer Geschichte verkündet. Der Diskontsatz wurde auf 7,5 Prozent heraufgesetzt; damit ist Geld so teuer wie nie zuvor.

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