Von Klaus Besser

Brüssel ist die europäischste Stadt Europas. Paris ist französisch, London englisch, Rom italienisch. Brüssel aber ist ganz und gar europäisch. Das hat viele Gründe: Brüssel ist im Lauf seiner Geschichte von vielen Nationen beherrscht worden, bevor es nach der Revolution von 1830 Belgiens Hauptstadt wurde. Spanier, Österreicher, Franzosen, Deutsche haben ihre Spuren hinterlassen. In Brüssel kreuzen sich französische und spanische Kultureinflüsse mit flämischen und englischen. Nirgendwo ist ein Ausländer so wenig Fremder wie hier. Es gibt einen Brüsseler „way of life“, aber er ist diskret, unaufdringlich, tolerant. Chauvinismus ist hier unbekannt. Nationalstolz im französischen oder englischen Sinne gibt es nicht. Dafür ist man stolz auf seine Freiheiten und auf seine Toleranz.

Ein Deutscher, der nach Belgien reist, tut gut daran, sich die Geschichte des deutsch-belgischen Verhältnisses in Erinnerung zu rufen. England und Frankreich waren in beiden Weltkriegen „Feinde“. Belgien jedoch war neutral, und Deutschland hat in einer Generation zweimal diese Neutralität gebrochen, das kleine Land überfallen und mit Krieg überzogen. Zweimal haben deutsche Verwaltungen gegen jedes Völkerrecht Zivilpersonen zu Zwangsarbeit nach Deutschland entführt. Auch in Belgien gab es eine Widerstandsbewegung, gab es Geiselerschießungen, Konzentrationslager und Verfolgung belgischer Bürger jüdischen Glaubens. So etwas ist keineswegs ganz vergessen.

Gerade deshalb sollte man anerkennen, daß die Brüsseler von heute den Deutschen ebenso freundlich wie den Angehörigen der traditionell befreundeten Völker gegenübertreten.

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In Brüssel kommen Sie im allgemeinen mit jeder europäischen Sprache durch. Obwohl offiziell zweisprachig (flämisch und französisch) spricht fast jeder Französisch als Umgangssprache. Aber auch mit Deutsch und Englisch kommt man in Hotels, Reisebüros, bei Taxifahrern und in Restaurants gut durch. Deutsch ist wegen der kleinen Eupener Minderheit sogar dritte Amtssprache in Belgien.

Hotels: Bestellen Sie schriftlich oder telephonisch ein Zimmer im voraus. Tagungen und Messen lösen einander ab, und gute Hotels sind oft ausgebucht. Die beste Auswahl bietet Ihnen der „Guide Michelin“, Ausgabe Benelux (absolut unentbehrlich, wenn Sie gut essen wollen).