João Pedro de Almeida Motta: „La Passion“ di Gesü Christo“; Bosabalian, Serafim, Luxon, Angas, Chor und Kammerorchester Gulbenkian, Leitung: Gianfranco Rivoli; Deutsche Grammophon Archiv 2710009, 75,–DM.

Die Leidensgeschichte muß für einen portugiesischen Komponisten aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts augenscheinlich doch eine Angelegenheit eines ganz und gar fröhlichen Gottvertrauens gewesen sein – so jedenfalls empfindet man, wenn die Ouvertüre des vorliegenden Oratoriums beginnt: ein heiter-tänzerisches Symphoniesätzchen mit Menuett und Rondo. Den Komponisten selber kennt kein Lexikon und auch die portugiesische Musikwissenschaft nicht.

Dem Werk zugrunde liegt ein berühmtes Libretto des Pietro Antonio Metastasio, des Chef-Opernpoeten seiner Zeit: Petrus, Johannes, Maria Magdalena und Joseph von Arimatäa tun ihre Empfindungen über das Leiden und den Kreuztod kund – „Oh, wenn du gesehen hättest, wie ich vernahm auf dem schmerzensreichen Berg die grausame Marter meines Herren!“; empfinden Schuld und Reue – „Es war meine schreckliche Sünde, es war die Last meiner Fehler“; eine gute Portion Antisemitismus steckt drin – „Wie könnte die jüdische Grausamkeit größere Marter erfinden?“; und die pietistische Frömmigkeit der Besserwissenden setzt den jubelnden Schlußakzent: „Er wird auferstehen. Man wird die erlöste Menschheit unter diesem triumphierenden Banner die Schritte zum Himmel lenken sehen.“ Eine Reihe von Komponisten hat diesen Text schon vor dem unbekannten Portugiesen vertont – seine Musik kann sich aber gegen die des Wiener Kirchenmusikzaren Caldara oder des Salzburger Mozartvorgängers Eberlin gut hören lassen. Italienische Einflüsse nehmen nicht weiter wunder, lange Arien, Secco-Rezitative ohne große Dramatik, wilde Tonartensprünge; die Fähigkeit, wohlproportionierte Melodien schreiben zu können, aber hebt den Unbekannten aus der Menge von Vielschreibern heraus.

Nicht so gelungen ist die Aufnahme. Das Kammerorchester Gulbenkian hält den Vergleich mit führenden Ensembles nicht aus, Luisa Bosabalians Sopran erscheint noch kaum gefestigt, der Tenor von Fernando Serafim quält sich vielfach mühsam in die Höhe, und der Chor hat die Verhangenheit und Unsicherheitsfarbe des Provinziellen. Einzig der Bassist Richard Angas besitzt internationales Spitzenformat.

Ein wenig steht hier das Prinzip, originär musizieren zu lassen, Portugiesisches also mit den dortigen Mitteln vorzustellen, der Verbreitung eines Werkes im Wege, das zu den Kuriosa der an solchen Raritäten nicht mehr reichen Archive zählt. Eigentlich schade. Heinz Josef Herbort