Die jungen Samys waren in der Tat Goldfinger unserer Zeit. Einer deutsch-kaukasischen Ehe entsprungen, der eine in Oldenburg, der andere in Teheran geboren, begannen sie in bundesdeutschen Landen als Maschinenschlosser, Dekorateure und Teppichhändler. Dann machte der eine (Anusch, inzwischen Schwiegersohn eines Vorstandsmitglieds der Allianz-Versicherung geworden) in München Furore als preisbrechender Taxiunternehmer mir Mini-Cars, und der andere eröffnete, selbstverständlich in Schwabing, das erste Lokal. In der „Datscha“ werden von schnurrbärtigen Kellnern russische Spezialitäten serviert. Erst von 1967 an arbeiteten die Brüder gemeinsam. Zweck der Firma: Errichtung von gastronomischen Betrieben.

Inzwischen hat die Samy GmbH (Geschäftsführer ein 33jähriger Vetter von Anusch Samy) außer der „Datscha“ den popigen „Drugstore“, Deutschlands größten Beatschuppen, das „Blow up“, die Bierkaschemme „Zur Brez’n“, die Restaurants „Bouillabaise“ und „Bodega Espanola“; es wurde die „Citta 2000 International AG“ gegründet (das Grundkapital von zwei Millionen Mark wird je zur Hälfte von der Stuttgarter Dinkelacker-Gruppe und den Samys gehalten), nachdem sich die Münchner „Citta 2000“ mit ihren 22 Boutiquen, Restaurants, Nonstopkino, Autosalon und Sex-Shop als kopierbar in vielen anderen Städten erwies; es werden in diesen Tagen in Schwabing die „König Ludwig Pilsstuben“ unter der Schirmherrschaft von Adalbert Prinz von Bayern jr. eröffnet, „das schönste Neuschwanstein, das es gibt“ (Ursula Geuen), und in drei Monaten im Münchner Stadtzentrum das rustikale Lokal „Ochsen-Willi“. Insgesamt haben die Samy-Unternehmen im vergangenen Jahr 8,8 Millionen Mark Umsatz erzielt.

Um nach dem Tod des erfolgreichen Vergnügungsmanagers Anusch. Mißdeutungen vor-, zubeugen, sagt Brüderchen Temur: „Wir haben keine finanziellen Probleme.“ Im übrigen fließe die hohe Versicherungssumme der Samy-Gesellschaft zu. Und auch der Ideenfluß wird nicht versiegen. Denn: „Schon bisher herrschte bei uns Teamwork.“ Das Team setzt sich inzwischen aus einem Planungsbüro, einer Werbeagentur und einer Gesellschaft für elektronische Datenverarbeitung zusammen, alles junge Leute um die dreißig.

„Die spanische Sache“

Die Samy-Brothers hatten sich, wie jetzt schriftlich mitgeteilt wird, schon anläßlich einer Weltreise des Temur „zu einem Gespräch über die notwendigen Maßnahmen“ veranlaßt gesehen, „wenn einer von ihnen ausfallen sollte“. Die Brüder waren sich einig, „daß der eingeschlagene Weg, unberührt von eventuellen Veränderungen, fortgesetzt wird“. Freilich: „Nachdem mein Bruder nicht mehr da ist“, sagt Temur, „habe ich mich entschlossen, 25 Prozent von meinem persönlichen Anteil an der Samy-Gruppe an drei Team-Mitarbeiter abzugeben.“ Geschäftsführer und Küchenchef sind bei Samy schon seit längerem gewinnbeteiligt. Unter den neuen Mitgesellschaftern ist nun auch Ursula Friederike Geuen.

Das „explosivste Hirn der westdeutschen Gastronomie“ (Abendzeitung) ist nicht mehr. Aber seine „Supermärkte der Freude“ (Spiegel) florieren und alle geplanten Projekte sollen weitergeführt werden. Für „Cittas“ in Aachen, Berlin, Köln und Hamburg steht man in Vertragsverhandlungen oder hat die Pläne fix und fertig. Und „die spanische Sache“, die unter dem Arbeitstitel „Samy-Land“ lief, hat bereits einen festen Namen. An der „Costa Paradiso“, einem Zehn-Millionen-Quadratmeter-Grundstück südlich von Alicante (Jet-Flughafen 10 km entfernt), das Samy für 30 Millionen Mark urbanisiert und in kleinen Stücken (teils auch auf Leibrente) weiterverkauft, können vielleicht schon vom nächsten Sommer an neuartige Ferienfreuden genossen werden. Zum Auftakt sollen die Rolling Stones beaten, deren Auftritt man in München nicht genehmigen wollte. Das bedeutet Lärm. Aber stinkenden Verkehr soll es an Samys sieben Kilometer langer Paradiesküste nicht geben. Zur Fortbewegung sind nur Elektroautos und Pferdekutschen vorgesehen. Und damit’s kein Touristengetto wird, wird ein richtiges spanisches Dorf mit echten Spaniern errichtet, die die Pferde füttern, Wein verkaufen und die Koffer schleppen.

Und übrigens: wer auch immer mit einem kleinen Bündel Tausendern Gastronom à la Samy werden will und keinen Mut dazu hat, weil er von der Branche nichts versteht – Samy machts möglich. Samy macht alles. „Als Großabnehmer kaufen wir günstig ein.“ Zwei Stockwerke tiefer steht auf der Leopoldstraße als Samy-Wahrzeichen eine dreieinhalb Meter hohe goldene Hand. In jener Stellung, in der man Geld in Empfang nimmt.