Wolfgang Zapf (Hrsg.): "Theorien des sozialen Wandels"; in: "Neue wissenschaftliche Bibliothek"; Kiepenheuer & Witsch, Köln 1969; 534 S., 26,– DM.

In der "Neuen Wissenschaftlichen Bibliothek" verdienen die jetzt erschienenen "Theorien des sozialen Wandels" ein besonderes Lob. Wolfgang Zapf hat für den deutschen Leser achtundzwanzig durchweg neuere und neueste Arbeiten von hohem theoretischem Niveau ausgewählt, die in der internationalen Fachliteratur beachtet wurden.

Auch wenn so wichtige Autoren wie Apter, Boulding, Coser, Huntington, Shils oder auch Baran fehlen, bleibt diese Sammlung äußerst nützlich. Vertreten ist in ihr – um nur einige Beispiele zu nennen – die neuere erfahrungswissenschaftlich orientierte Revolutionsforschung (Davies, Tanter, Midlarsky), die, mit quantitativen Analysen arbeitend, den revolutionären Wandel aus der kurzfristigen Frustration eines langfristig steigenden sozialen Anspruchsniveaus erklärt. Vertreten ist Gabriel A. Almond mit seinem beachtlichen Versuch, überprüfbare Kriterien der politischen Entwicklung, analog zur gesamtgesellschaftlichen Modernisierung, aufzustellen. Vertreten ist neben der Soziologie und der Politikwissenschaft auch die Volkswirtschaft, etwa in Gestalt der bereits fast klassischen Theorie wirtschaftlichen Wachstumsstadien von Walt W. Rostow. Schließlich wurden auch Beiträge von Karl W. Deutsch, M. A. Kaplan oder Reinhard Bendix zum Thema "Sozialer Wandel und internationale Transformation" aufgenommen.

Zu bemängeln an dieser Sammlung ist das Ausklammern der marxistischen Entwicklungstheorie. Für den Herausgeber ist diese Einschränkung Konsequenz seines dezidiert erfahrungswissenschaftlichen Ansatzes. Zapf ist mit Recht gegen "Behauptungen, die sich nicht ausweisen wollen; Aktionsprogramme, deren Konsequenzen der wissenschaftlichen Kontrolle entzogen werden; Interpretationsschemata, die bewußt den Kenntnisstand der internationalen Forschung ignorieren". Aber ob und inwiefern diese Kritik am "sozialwissenschaftlichen Dogmatismus" auch die profilierteren Vertreter der marxistischen Fachliteratur trifft, wäre gewiß einer kritischen Erörterung wert gewesen. Martin Jänicke