Was durch eine (gezielte?) Indiskretion bekannt wurde, ließ Deutschlands Bauern bisher kalt. Dabei hätten sie allen Grund, die Arbeiten am Agrarprogramm von Bundesernährungsminister Ertl mit Aufmerksamkeit zu verfolgen. Denn einige heilige Kühe der bisherigen Landwirtschaftspolitik sollen offenbar geschlachtet werden.

In Zukunft sollen nämlich nur noch solche Bauern subventioniert werden, die durch ein gewisses Mindesteinkommen beweisen, daß sie auf an sich lebensfähigen Höfen wirtschaften. Außerdem müssen sie Buch führen und eine Fachausbildung nachweisen, wenn sie Staatsgelder in Empfang nehmen wollen. Allen anderen soll durch ein soziales Ergänzungsprogramm der Abtritt von der grünen Bühne erleichtert werden. Nebenerwerbslandwirte werden nach dem Plan nur dann noch unterstützt, wenn sie sich an einer überbetrieblichen Zusammenarbeit beteiligen.

Es sieht also so aus, als wollte Josef Ertl sich ernsthaft an die Aufgabe machen, den verfahrenen Karren der Agrarpolitik aus dem Dreck zu zerren. Gewiß wird er nicht nur Beifall ernten, und es bleibt abzuwarten, ob er sein Programm, das Ende Mai dem Kabinett vorgelegt werden soll, auch politisch durchsetzen kann. Aber schon heute sieht es so aus, als ob ihm bald alle diejenigen Abbitte leisten müßten, die ihn bei seinem Amtsantritt mit so viel Spott und hämischen Bemerkungen bedacht haben. Vielleicht wird Ertl einmal als der Agrarminister bezeichnet werden müssen, der den Grundstein für die Gesundung der deutschen Landwirtschaft gelegt hat. Der Weg, den er mit seinem Programm offenbar einschlagen will, wird aber sehr dornig sein. mj