Während Entwicklungsminister Erhard Eppler in Daressalam über die deutsche Hilfe für Tansania verhandelte, erhielt Bundeskanzler Willy Brandt einen offenen Brief aus dem benachbarten Mozambique. Die Befreiungsfront für ein von Portugal unabhängiges Mozambique appellierte an den Kanzler, die Teilnahme deutscher Firmen am derzeit größten Staudammprojekt der westlichen Welt zu unterbinden.

Cabora Bassa, Staudamm und Kraftwerk am Sambesi (Mozambique), wird ab 1975 Afrikas größter und billigster Energielieferant sein. In der Endphase 1979 wird mit einer Stromerzeugung von maximal 4000 Megawatt täglich gerechnet.

Die schwarzen Länder Afrikas sind freilich nicht nur wegen der strategischen Bedeutung des Dammes für die weißen Stützpunkte im dunklen Kontinent beunruhigt, ihnen paßt der ganze politische Hintergrund des Vorhabens nicht. Der Bonner Botschafter von Tansania, A. B. Nyakyi, begründet den Unmut: „Dieses Projekt stärkt die portugiesische Kolonialpolitik.“

Dem deutschen Ansehen hat das Projekt in Afrika bereits erheblich geschadet. Experten der Entwicklungshilfe und Projektleiter in Afrika sind sich einig: „Das deutsche Image wird durch solche Projekte zugrunde gerichtet. Und in zehn Jahren sind wir dann aus Afrika verschwunden.“

Cabora Bassa ist allerdings kein Projekt der Bundesregierung, und daher vom Entwicklungsminister nicht zu vertreten. Der Damm wird mit Hilfe deutscher Privatfirmen gebaut. Unter Federführung von Hoch-Tief in Essen sind Siemens, AEG, J. Voith und BBC beteiligt. Über den deutschen Anteil schweigt sich das Konsortium aus. Er wird bei einem Gesamtaufwand von einer Milliarde Mark zwischen 300 und 500 Millionen Mark liegen.

Staatlichen Segen erhielt das Vorhaben auf dem Umweg über die Absicherung durch Hermes-Kredite. Sie kommen dann zum Zuge, wenn durch politische Aktivität, etwa der Befreiungsfront, Bauschäden eintreten. Der SPD-Abgeordnete Hans Matthöfer: „Wenn den Firmen Schäden entstehen, muß dafür die Bundeskasse eintreten.“

Die Befürworter des Staudamms argumentieren, der Staudamm diene in jedem Fall auch dem schwarzen Afrika – spätestens nach gelungener Revolution. Aus afrikanischer Sicht ist der Staudamm jedoch eher ein weiteres Hindernis im Kampf gegen die Kolonialherren. Tatsächlich wird der künftige Strom nahezu ausschließlich in solche afrikanischen Länder geleitet, die von Weißen regiert werden.