Thilo Vogelsang: „Die nationalsozialistische Zeit“; Ullstein-Verlag, Berlin 1968; 179 S., 2,60 DM.

Heute – mehr als zwanzig Jahre nach der „Deutschen Katastrophe“ (Friedrich Meinecke, 1946), nach „Wahn und Wirklichkeit“ (Erich Kordt, 1948) – ist eine Unmenge Publikationen verfügbar, die über das Dritte Reich berichten, die keinen naiven Antifaschismus bieten, sondern Analysen. Die beste Orientierungshilfe hierzu, das ist keine Neuigkeit, findet sich in den „Vierteljahresheften für Zeitgeschichte“; Thilo Vogelsang stellt dort schon seit 1953 in der „Bibliographie zur Zeitgeschichte“ Neuerscheinungen vor. Für die Ullstein-Reihe „Deutsche Geschichte“ verfaßte er (ergänzend zu Hans Herzfelds Veröffentlichung „Die Weimarer Republik“) selbst einen Beitrag über die nationalsozialistische Zeit.

Vogelsang skizziert in diesem Taschenbuch allerdings nur die Friedenszeit: Deutschland zwischen 1933 und 1939 – so der Untertitel. In fünf Kapiteln beschreibt er die „nationale Erhebung“ und den Ausbau der innenpolitischen Macht Hitlers, die wirtschaftliche Entwicklung, den Antisemitismus, die deutsche Außenpolitik, schließlich den Weg in den Zweiten Weltkrieg.

Der Autor nennt die jeweils wichtigsten Ereignisse, informiert aber recht knapp; im Abschnitt über die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik fehlen beispielsweise Namen wie Fritz Thyssen, Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, Hinweise auf die „Adolf-Hitler-Spende“ – und gern wüßte man auch den Namen jenes Staatssekretärs, aus dessen noch ungedruckten Erinnerungen Vogelsang ein Wort Hjalmar Schachts zitiert: „Aber er (Hitler) soll mir man ja keinen Krieg anfangen oder auch nur für ihn rüsten! Dann ohne mich und auf jede Konsequenz!“ Werner Hornung