Von Gabriel Laub

Zitate werden von faulen Leuten verwendet, die sich nicht die Mühe nehmen, einen Gedanken selber zu formulieren.

Zitate werden von fleißigen Leuten verwendet, die die Mühe nicht scheuen, sie in dicken Büchern nachzuschlagen.

Diese beiden Sätze sind ebenso beweiskräftig wie auch unbeweisbar. Man muß daher eine recht komplizierte und weitschweifige geistige Arbeit auf sich nehmen, bevor man sich für einen von beiden entscheidet. Nun wäre diese Arbeit natürlich viel einfacher, wenn diese Sätze Zitate wären, wenn unter ihnen in der rechten Ecke die Namen der Autoren in Klammern stünden – unter einem zum Beispiel Karl Marx und unter dem andern etwa Schopenhauer. Man würde sich dann vermutlich zugunsten jenes Satzes entscheiden, dessen Autor einem sympathischer ist. Im Vertrauen darauf, daß er die geistige Arbeit bereits an unsrer Statt geleistet hat.

Und hiermit scheint die Rolle der Zitate bis zu einem gewissen Maße geklärt zu sein.

Ein Zitat ist besser als ein Argument. Man kann damit die Oberhand gewinnen, ohne den Gegner überzeugt zu haben. Gabriel Laub

Jedes Zitat ist – sofern man ein Werk nicht in seiner Gänze zitiert – ein Vergehen gegen den Autor. Es ist ein Plagiat mit umgekehrten Vorzeichen: Man schreibt den Namen eines Autors unter einen eigenen Gedanken, den man aus irgendwelchen Gründen nicht in eigenem Namen auszusprechen wagt.