Vor zwei Jahren wurde die Biennale der internationalen Kunstolympiade in Venedig von den Linken niedergeschrien. Kunststudenten und SDS demonstrierten gegen die „Show des internationalen Kapitalismus“.

Es entbehrt nicht der Pikanterie: Während die repräsentativen Ausstellungen dahinsiechen, schießt die kapitalistische Form der Ausstellung ins Kraut: die Messe. Die Messe ist zum Kaufen da, die Messe enthüllt rücksichtslos den Warencharakter der Kunst und den Händlercharakter der Galeristen.

Deutschlands älteste Kunst-Verkaufsmesse ist die Kunst- und Antiquitätenmesse in München: Sie findet in diesem Herbst bereits zum 15. Male statt.

Die Progressiven brauchten länger: Erst 1967 wurde in Köln die erste Verkaufsmesse moderner Kunst veranstaltet. Sie nannte sich mit liebenswerter Offenheit „Kunstmarkt“. Das Publikum hat zunehmend Spaß (40 000 Besucher kamen 1969); die Händler hatten zunehmenden Verdienst (vier Millionen Mark wurden 1969 umgesetzt).

Köln festigte seinen Ruf als moderne Kunsthandelsmetropole, und das ließ die Düsseldorfer nicht ruhen. Sie hoben „Prospect“ aus der Taufe – eine Ausstellung progressiver Kunst, die nur deshalb nicht auch Messe heißt, weil es die in Köln schon gab.

Im letzten Jahr kam dann den Antiquitätenhändlern die scharfsinnnige Erkenntnis, daß all die Industriellen, die sich jedes Jahr im Frühling zur großen Industrieschau in Hannover treffen, ihre besten potentiellen Kunden sind. Und so luden sie in die idyllischen Räume des Herrenhäuser Schlosses zur „Kunst- und Antiquitätenmesse“. Mit Hannover hat Deutschland die zweite Messe dieser Art nach München. Rund vierzigtausend Besucher, Umsatz mehrere Millionen Mark. Genaueres bleibt geheim.

Dieses Jahr, vom 24. April bis zum 4. Mai, soll die Messe noch größer werden: rund 80 Aussteller haben sich angemeldet.