Eine Meinungsumfrage zur Aufwertung:

Von Wolfgang Müller-Haeseler

Kaum ein wirtschaftliches Thema hat die Gemüter im vergangenen Jahr so erhitzt, wie die Aufwertung der D-Mark. In dieser Frage war – und ist heute noch – die Öffentlichkeit ebenso zerstritten wie die vom Dezember 1966 bis zum September 1969 amtierende Regierung, der Großen Koalition. Das Markt-Daten-Institut hat jetzt in einer repräsentativen Umfrage die Meinung der Bundesbürger erforscht, die im Frühjahr des vergangenen Jahres sogar mit Transparenten durch die Straßen der deutschen Städte zogen, um für oder wider die Aufwertung der D-Mark zu demonstrieren. Das hervorstechendste Ergebnis der Umfrage beweist vor allem, wie wenig sinnvoll es ist, den Streit in einer so komplexen und diffizilen Frage in aller Öffentlichkeit gewissermaßen auf dem Marktplatz auszutragen.

Denn rund die Hälfte aller Befragten – genau 49 Prozent – gaben ehrlich zu, daß sie. nicht imstande seien, die Argumente für und wider die Aufwertung zu beurteilen. Das nährt den Verdacht, daß die Demonstranten vom Mai vergangenen Jahres von den Verfechtern dieser oder jener Theorie auf die Straße geschickt wurden, um den Wünschen dieser oder jener Seite mehr Nachdruck zu verleihen.

Gegenüber dem Block der Urteilslosen sind diejenigen, die jeweils für oder gegen die Wechselkursänderung votierten, in der Minderzahl. 31 Prozent der Befragten sprachen sich für diesen Schritt aus, den die im September neu ans Ruder gekommene SPD/FDP-Regierung als eine der ersten Maßnahmen vollzog, während 20 Prozent sich dem Standpunkt der CDU/CSU anschlössen, die die Aufwertung verhinderte, solange sie mit der SPD am Tisch der Großen Koalition saß.

Wie sehr die Aufrechterhaltung eines stabilen Preisniveaus im Mittelpunkt des Interesses steht, zeigt die Aufgliederung der Antworten derer, die die Aufwertung befürworteten. Denn die Argumentation, die Preise, die Wirtschaftslage oder die Währung würden durch die Maßnahme der neuen Regierung stabilisiert, läuft ebenso wie die Ansicht, die Inflation werde durch die Aufwertung verhindert, auf den Wunsch nach Aufrechterhaltung stabiler Preise hinaus. Zählt man diese Antworten zusammen, so sind es immerhin 51 Prozent der Aufwertungsbefürworter.

Diese Auslegung der Antworten wird durch die große Zahl derer gestützt, die eine Aufwertung ablehnten, weil sie eine allgemeine Teuerung und ein Ansteigen der Löhne und Preise befürchteten. Hier liegt allerdings die Vermutung nahe, daß zur Beurteilung der Frage, ob die Aufwertung richtig oder falsch sei, der notwendige Sachverstand gefehlt hat, denn es sollte nach dem Wunsch von Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller ja gerade der Sinn der D-Mark-Aufwertung sein, eine Teuerung und damit auch ein Anziehen der Löhne und Preise zu vermeiden.