Von Friedhelm Gröteke

Im Norden gibt es an den oberitalienischen Seen nicht mehr viel Platz für private Bungalows. Die Nachfrage deutscher Immobilienliebhaber verlagert sich deshalb immer mehr in den Süden.

Der italienische Immobilienmarkt wird von deutschen Kunden unter ständiger Beobachtung gehalten. Viele Bungalows in den vom Tourismus bevorzugten Gebieten gehören deutschen Staatsbürgern. Dabei sind – zum Beispiel am oberen Gardasee und an beiden Ufern des Lago Maggiore – ansehnliche Siedlungen entstanden, die sich voll und ganz „in deutscher Hand“ befinden. Rasch steigende Bauarbeiterlöhne und Materialkosten haben freilich bewirkt, daß die Baukosten in Italien innerhalb einer Jahresfrist um 25 bis 30 Prozent gestiegen sind.

Die Bodenpreise sind dagegen eher etwas gesunken oder doch zumindest unverändert geblieben. Allerdings sind die Kosten für den Erwerb eines baureifen Grundstücks dennoch durchweg höher als bisher. Mit dem bis Ende 1970 geltenden Bau-Übergangsgesetz (legge-ponte) sind neue Bestimmungen über Grundstücksmindestgrößen erlassen worden. Sowohl für Land- und Ferienhäuser als auch für Wohnblöcke (Condominien) werden deshalb erheblich größere Flächen verlangt als bisher. Auch sind die architektonischen Anforderungen gewachsen. Die Bautätigkeit wird stärker reglementiert und von den Landschafts- und Denkmalschutzbehörden schärfer überwacht.

Seit der Mark-Aufwertung ist die Nachfrage aus der Bundesrepublik wieder lebhafter geworden. Sie richtet sich allerdings nicht mehr ganz so stark auf Objekte an den oberitalienischen Seen, denen früher das Hauptinteresse galt. Wer heute noch am Gardasee, Lago Maggiore, Luganer See oder Comer See bauen will, gibt sich mit den herkömmlichen Angeboten nicht mehr zufrieden. Wurden früher meist Landhäuser für den Sommer gesucht, die 40 bis 50 Quadratmeter Wohnfläche enthielten und bei allem herrschaftlichen Äußeren in Wahrheit einfach gebaut waren, so richtet sich das Interesse jetzt mehr auf solide, auch zur Winterszeit nutzbare Häuser mit 80 bis 100 Quadratmetern Wohnfläche. Daneben sind zunehmend Eigentumswohnungen in der gleichen Größenklasse gefragt. Der Eigentümer aus dem Norden will immer häufiger für sich, seine Verwandten oder Freunde auch die ständige Niederlassung oder zumindest den längeren Aufenthalt ermöglichen.

Auch geographisch haben sich die Wünsche geändert: Bisher waren vorwiegend die nördlichen Teile der Seen begehrte Ausländerobjekte. Seit kurzem verlagert sich die Nachfrage – schon weil im Norden die Möglichkeiten allmählich erschöpft sind – an den Mittel- und Südteil der Seeufer. Dabei sind die „entdeckungslustigen“ Deutschen nicht selten Schrittmacher für die inländische Nachfrage.

Ausländer müssen bar bezahlen, bestenfalls ist bei erstklassigen Sicherungen eine Verteilung der Kaufpreisentrichtung auf ein bis zwei Jahre möglich. Meist wird die Bezahlung Zug um Zug mit dem Baufortschritt vereinbart, etwa in Drittelanteilen. Das letzte Drittel des Kaufpreises ist dann bei der Übereignung fällig.