Wenn man als „engagierte Mutter“ mehr als fünfzehn Jahre Mitarbeit in Elternbeiräten oder Schulpflegschaften, und das in drei verschiedenen Bundesländern, hinter sich hat, wächst die Versuchung, beim Stichwort „Elternrecht“ nur noch müde die Achseln zu zucken.

Elternrecht? Was heißt das schon? Garderobenhaken- und Kartenständerbeschaffung; im äußersten Fall das Problem, ob der Schulhof eine Asphaltdecke und ein paar Bänke bekommen soll.

Elternrecht? Wer will das schon? Doch nur ein paar angeblich „wilde“, nämlich vom Ehrgeiz auf eigene Geltung besessene Eltern! Sollten die Eltern ihr vermeintliches Recht nicht lieber darin suchen, zusammen mit der Schulautorität für „Ruhe und Ordnung“ zu sorgen, damit die Kinder einen ruhigen Bildungsgang haben?

Unsere verfassungsrechtliche Situation jedoch sieht anders aus. Artikel 6 des Grundgesetzes bestimmt, daß die „Pflege und Erziehung der Kinder ... das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht“ sind. Artikel 7 besagt, daß das gesamte Schulwesen Unter der Aufsicht des Staates steht.

Das bedeutet: Die Schulhoheit des Staates und sein Recht auf Ausübung der öffentlichen Schulerziehung sind mit dem Elternrecht zu koordinieren; im Bereich der Schule haben weder der Staat noch die Elternschaft einen absoluten Vorrang; sondern Staats- und Elternrecht an der Schule sind gleichrangig. Also können die Eltern nicht indirekt als „Objekt“ der Schulverwaltung eingeordnet werden; sie sind als gleichberechtigte Partner, als „Subjekt“, im Handlungsfeld der Schule neben Lehrern, Schülern und Kultusverwaltung zu beteiligen.

So weit der bundeseinheitliche Ansatz im Grundgesetz.

Mit der Eigenständigkeit der Kultur in den einzelnen Bundesländern wurde aber auch das Elternrecht zum Spielball des Länder-Kultur-Partikularismus. Befugnisse und Reichweite der Elternvertretungen sind in den einzelnen deutschen Ländern verschieden geregelt. Da gibt es