Es heißt Miyako Hotel, liegt am Stadtrand von Kyoto, ist riesig groß: mehr als 1000 Betten. (So wie man Wohnungs- oder Grundstücksgrößen in Quadratmetern mißt, so mißt man Hotelgrößen in Betten.)

Der Besucher Japans hat zwei Möglichkeiten: entweder in einem Hotel zu übernachten, das schon durch seinen japanischen Namen westliche Herkunft verrät; es heißt „hoteru“ (wobei das unerwartete „r“ vermutlich daher rührt, daß Japaner notorisch nicht zwischen „r“ und „1“ unterscheiden); oder er hat zu wählen, was englisch als „a Japanese inn“ beschrieben wird und was in der Landessprache „ryokan“ heißt – dort geht es dann offenbar ganz japanisch zu, aber das kriegen wir später: Am Sonntag will ich umziehen in ein „ryokan“.

Die Hotels sind zunächst einmal genauso, wie große internationale Hotels überall sind.

Das Miyako Hotel von Kyoto reiht sich also ein in einen Verband der „Distinguished Hotels of the World“, zu dem sich, beispielsweise, auch zählen: das „Ritz Carlton“ in Montreal, das „Barclay“ in New York. „Schloß Fuschl“ bei Salzburg, das „Bristol“ in Wien, „Brown’s“ und das „Dorchester“ in London, das „Shelbourne“ in Dublin, die Bürgenstock-Hotels in der Schweiz – eine ganz illustre Gruppe also, in der deutsche Hotels, von denen etwa zwanzig gewiß nicht schlechter sind, aus irgendeinem Grunde nicht vorkommen.

Was also ist anders als bei all den anderen großen internationalen Hotels, die zunächst von den Engländern begründet und dann von den Amerikanern erweitert, demokratisiert, organisiert wurden?

1. Wer weder Japanisch noch Englisch kann, ist auch in diesem Hotel verloren. Die leitenden Angestellten des Hauses (ein Viertel? ein Sechstel?) verstehen Englisch, und die Hälfte von ihnen spricht es auch so, daß man’s nicht versteht.

2. Man hat natürlich trotzdem dauernd mit Leuten zu tun, Kellnern, Boys, Zimmermädchen, die kein Englisch verstehen. Zeichensprache hilft da nichts: denn auch Zeichen bedeuten auf japanisch etwas anderes. Aber es gibt immer eine „höhere Instanz“.