Von Ingeborg Zaunitzer-Haase

Montagabend, 21 Uhr. Im ersten Fernsehprogramm gab es gerade „Panorama“ oder „Report“. Die Zuschauer warten auf den üblichen Krimi. Plötzlich stürzt auf der Mattscheibe ein Mann zu Boden, Sekunden später erfährt das TV-Publikum: Er wurde vom Schlag getroffen, weil er ein schlecht gesichertes Elektrogerät falsch anfaßte.

Eine Woche später, zur gleichen Stunde: Unangekündigt erscheint eine dicke Frau auf dem Bildschirm. Sie löffelt unentwegt Buttercremetorte in sich hinein und rümpft die Nase über junge Leute, die sich draußen auf dem Sportplatz tummeln.

Wieder eine Woche später: Die Fernsehzuschauer schütteln den Kopf über Menschen, die unbedacht an der Haustür eine Zeitschrift abonnieren oder die während einer Kaffeefahrtpause eine teure Heizdecke erwerben. Oder die unbesehen einen Hauskaufvertrag unterschreiben. Oder die sich im Laden durch Lockvögel- – angebote bluffen, die sich durch suggestive Werbung irritieren lassen.

Nach dem Vorbild der seit zwei Jahren jeden Freitag ausgestrahlten Zweiminutensendung „Der 7. Sinn“ möchte die „Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände“ (AGV) Deutschlands Konsumenten über Auf- und Abwertung, Angebot und Nachfrage, Konjunktur und Talsohle informieren. Sie möchte Steuertips geben, vorbildliches Einkaufsverhalten demonstrieren, den Staatshaushalt durchleuchten, vor Gaunern warnen, die richtige Ernährung lehren und Unfälle im Haushalt verhüten helfen.

Das Geschäftsführende AGV-Vorstandsmitglied Johannes Jaschick ließ vom Forschungsinstitut für Sozialpolitik der Universität zu Köln konkrete Vorschläge ausarbeiten. Darin heißt es: „Es gilt, die Aufmerksamkeit einer breiten Öffentlichkeit auf jene Lebensbereiche zu richten, in denen durch Uninformiertheit, Sorglosigkeit und anderes mehr jährlich eine schwer bezifferbare Anzahl von Mitbürgern ums Leben kommt, gesundheitliche oder materielle Schäden größeren Ausmaßes erleidet.“

Diplom-Kaufmann Jaschick, 40, möchte Deutschlands Verbraucher gedanklich umfunktionieren. „Die AGV ist wahrhaftig keine Heilsarmee, die den Verbraucher zu einem Homo consumptor erziehen will. Aber was auch immer der deutsche Verbraucher tut, er soll es bewußter machen. Er soll nachdenken – vorher.“