Der Abschluß 1968/69 der Degussa in Frankfurt wird manchen Aktionär enttäuscht haben. Nach einem Umsatzzuwachs von 25 Prozent im Vorjahr waren es in der Berichtszeit nur noch magere sieben Prozent. Der Gewinn je Aktie vor Steuern war denn auch mit 19,50 Mark um 50 Pfennig niedriger als im Jahr zuvor. Dennoch gibt es wieder 20 Prozent Dividende auf das von 155 auf 173 Millionen Mark erhöhte Grundkapital.

Umsatz und Gewinn wurden von vier Seiten in die Zange genommen. Der Handelsumsatz, der reichlich ein Drittel des Gesamtumsatzes ausmacht, ging als Folge der Aufwertung der Mark um 2,6 Prozent zurück. Im auf etwa 50 Prozent des Geschäftsvolumens geschätzten Chemiebereich mußten im Ausland Preiseinbußen zwischen vier und fünf Prozent hingenommen werden. Schließlich wirkten sich noch die um 24,2 Prozent auf 84 Millionen Mark gestiegenen Investitionen aus. Für Beteiligungen, die jetzt mit 124,5 Millionen Mark zu Buche stehen, gab die Degussa 47,7 Millionen aus, von denen allein 26,1 Millionen auf die Degussa-Antwerpen entfielen.

Die Verwaltung will mit diesen Aufwendungen eine breitere Basis für die Zukunft schaffen, so daß die Frage des Gewinnes in der Unternehmenspolitik erst an zweiter Stelle steht. Vorstandsvorsitzender Dr. Prentzel drückte es so aus: „Es wird auch die Zeit kommen, in der wir die Ernte in die Scheune fahren können.“ Bei gesunden Bilanzrelationen soll ein großer Teil der kommenden Investitionen aus Abschreibungen finanziert werden, so daß vorerst noch keine Entscheidung über eine Kapitalerhöhung gefallen ist. In jedem Fall werden die Aktionäre noch einige Zeit warten müssen, bis sich die Zukunft freundlicher zeigt. Vorerst stehen noch eine Strukturverbesserung und die innere Stärkung des Unternehmens im Vordergrund. mh