Es regt kaum noch jemanden auf, daß die EWG wieder einmal von einer Krise bedroht ist – sie ist schon an so vielen stärker geworden. Streitpunkte sind wieder einmal agrarpolitische Fragen: Deutschland, Italien und Frankreich können sich nicht über die europäische Weinmarktordnung einigen. Bonn stellt mit Rücksicht auf seine Winzer die Anfang Februar akzeptierte Vereinbarung in Frage, Italien will die Flut seiner Tischweine über die ganze EWG ergießen. Davor fürchten sich auch die Franzosen. Ohne Kompromisse, die jeden schmerzen, gibt es keinen Ausweg.

Er muß aber gefunden werden. Rom wird nämlich ohne fertige Weinmarktordnung die Abmachungen über die Finanzierung der EWG-Agrarpolitik nicht unterzeichnen, ohne die Paris wiederum der Aufnahme von Verhandlungen über Frankreichs Beitritt nicht zustimmt. Viel spricht deshalb dafür, daß der Zwang der politischen Umstände Mitte April in letzter Minute die Einigung bringt, so daß die Gespräche mit London vor den Sommerferien beginnen können.

Alle wesentlichen Agrarfragen werden mit dem Wein „vom Tisch“ sein. Die EWG hört dann endlich auf, als Synonym für „ewiger Streit um Gemüse“ zu stehen. Dann kann man in Brüssel endlich über die Zukunft sprechen, über die Währungsunion, die technologische Zusammenarbeit und die politische Einigung, hb