In Westdeutschland dürfen Lastwagen von mehr als 7,5 Tonnen sonn- und feiertags von Mitternacht bis 22.00 Uhr nicht fahren. Sie dürfen es schon Samstagnachmittag nicht auf den Autobahnen. In Italien ist es ähnlich; hier reicht das Verbot für den Sonntag zwar bloß von 9 Uhr morgens bis 20 Uhr, aber dafür sind schon Lastwagen von fünf Tonnen betroffen. Irgendwann werden Deutsche, Italiener und die übrigen Europäer sich konzertieren müssen, wie man heute sagt, damit die Regeln einheitlich werden.

Es fragt sich nur, ob nicht unsere lieben französischen Freunde das unmusikalische Konzert stören werden. In Frankreich fahren nämlich die Lastwagen, ob schwer oder leicht, wo und wann ihre Besitzer wollen. Und als man für das Wochenende vor Ostern eine Einschränkung erwog – welche Aufregung!

Wohl konnte die Regierung darauf hinweisen, sie hätte an der „Politik der Konzertation“ festgehalten und mit der Transportgewerkschaft gesprochen, bevor sie das Fahrverbot für Ostern aussprach und für Pfingsten voraussah: Tage, an denen die Zahl der Verkehrsunfälle lawinenartig zu wachsen pflegt. Aber was war den Regierung der Landstraße“ an ihrer Regierung und ihrer Gewerkschaft gelegen? Sie fuhren, sobald die Anordnung bekannt wurde, zu zweit und zu dritt nebeneinander in jenen Straßen auf, zu denen sie vor Ostern keinen Zutritt haben sollten. Und da es sich um die wichtigsten Straßen handelt, war das Aufsehen groß, das die Fahrer erregten. Sofort lenkte die Regierung ein.

Dies wiederum fiel jenen großen Gruppen von „kleinen Geschäftsleuten und Gewerbetreibenden“ auf, die schon lange fanden, sie sollten ihr Hühnchen mit der Regierung rupfen. Sie wußten nur nicht wie. Jetzt wußten sie es. Sie holten ihre Autos aus den Garagen und von den Parkplätzen, um ebenfalls die Straßen zu sperren, und nicht nur die sieben wichtigsten, sondern möglichst viele in ganz Frankreich.

So geschah es auch im mittelalterlich schönen Städtchen Narbonne. Wochenanfang: Nach dem Beispiel der Fernfahrer sperrten die Geschäftsleute mit ihren Autos den „Platz der Pyrenäen“, wo wichtige Straßen zusammenlaufen. Diese Demonstration war ausschließlich für den Vormittag gedacht. Jedoch am Nachmittag mußten sie wider Willen an Ort und Stelle bleiben, denn jetzt blockierten die beispielgebenden Fernfahrer den Platz aus Protest gegen die Geschäftsleute, und beide Teile riefen: „Wofür haben wir eine Regierung? Wo bleibt die Polizei?“

Theoretisch ist die Sache klar. Wer absichtlich eine Straße sperrt, erhält nach den Verkehrsvorschriften eine Strafe von mindestens 1000 Franc oder drei Monaten Gefängnis. Auch gibt es ja den bekannten, von mir so sehr geliebten Satz: „Sowenig Staat wie möglich! Soviel Staat wie nötig!“

Darüber können wir dann vielleicht Pfingsten wieder diskutieren, wenn wir Europäer aufs neue überall unterwegs sein werden.