Der Leiter der Abteilung Verkehrspolitik beim Bundesverband der Deutschen Industrie, Dr. Eichler, gab sich zugeknöpft: „Es haben überhaupt keine Gespräche stattgefunden.“ Bei Krupp in Essen wurden Gespräche nicht ausgeschlossen, jedoch auch nicht bestätigt. In den Büros von Rheinstahl/Essen und der Gutehoffnungshütte/Oberhausen waren „die Herren schon in Urlaub abgereist“.

Die als Gesprächspartner in Frage kommenden Herren sind Topmanager von Unternehmen, die mit der deutschen, Werftindustrie verbunden sind: Toni Schmücker vom Vorstand Rheinstahl (Nordseewerke Emden), Dr. Dietrich Wilhelm von Menges, Vorstandsvorsitzender der Gutehoffnungshütte, die an der zu 50 Prozent dem Bund gehörenden Howaldt-Werft in Kiel beteiligt ist, und Günter Vogelsang, Vorstandsvorsitzender des Krupp-Konzerns, zu dem die Werft AG-Weser gehört.

An Gesprächsstoff mangelt es den Werftbossen derzeit nicht. Der Bundeswirtschaftsminister hat der notleidenden Werftindustrie mit dem jüngst verabschiedeten siebten Werfthilfeprogramm zwar kräftige Finanzierungshilfen zugebilligt, aber auch Forderungen angemeldet: Die Werften sollen ihre Bemühungen um weitere Rationalisierung und sinnvolle Kooperation in verstärktem Umfang fortsetzen.

Ein Weg, die von Schiller geforderte „Leistungsfähigkeit der deutschen Werften zu erhöhen“, wäre die Fusion. Dr. Voltz, stellvertretender Vorstandsvorsitzender bei der Deutschen Werft/Howaldt: „Ich denke an die weitere Bildung größerer Gruppen“; denn: „Die letzte Möglichkeit der Kooperation und der Gruppenbildung (ist) noch nicht ausgeschöpft.“

Ob bei Besprechungen mit dem BDI weitere Werftfusionen erörtert wurden, bleibt vorerst verborgen. Ministerialdirigent Gerhard Breme aus dem Finanzministerium, dem die Verwaltung des industriellen Bundesvermögens und mithin auch der Bundesanteil der Howaldt-Werft untersteht, kommentiert die kursierenden Fusionsgerichte: „Mir ist nichts davon bekannt, aber gesprochen wird darüber ja immer von Zeit zu Zeit.“

Vorstandsvorsitzender von Menges erklärte sich allerdings erst kürzlich gegen eine weitere „Konzentration der Werftindustrie“. Er schränkte jedoch ein: eine konzentrierte Einheitsgesellschaft dürfe nicht nach dem Muster der Ruhrkohle AG

gebildet werden. Bei Krupp in Essen scheint die Neigung zu Fusionen ebenfalls nicht groß zu sein: „Im Hintergrund geht es um ganz anderes, das sich gewissermaßen noch im Embryonalzustand befindet.“

Immerhin ist denkbar, daß sich der Werft-Embryo zu einem ausgewachsenen Exportkartell entwickelt. Bei einem gemeinsamen Auftreten der deutschen Werftindustrie gegenüber dem Ausland könnten die Werften ihre Programme untereinander abstimmen und sich jeweils gezielt auf bestimmte Projekte spezialisieren. Der Krupp-Sprecher Graf Zettwitz hüllt sich jedoch über die Pläne in Schweigen: „Wenn erst alle Welt über ein Projekt spricht, dann ist es doch gleich gestorben.“ hff